Bern

Kirchenfeld kämpft für Ka-We-De

Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 09.12.2010 2 Kommentare

Gegen die geplante Schliessung des Freibades Ka-We-De regt sich Widerstand: Die Ka-We-De sei als Baudenkmal aus der Gründerzeit Teil einer «brillanten Baukultur». Ihre Schliessung schädige zudem den Breitensport.

In Schönheit sterben? Das Wellenbad im Ka-We-De. (Adrian Moser)

In Schönheit sterben? Das Wellenbad im Ka-We-De. (Adrian Moser)

Gemeinderätin Edith Olibet (SP) sah es kommen: «Die Pläne werden Widerstand auslösen. Das Ganze ist auch emotional», sagte sie bei der Präsentation des Stadtberner Sportkonzepts. Die Stadt rechnet darin vor, dass die Sanierung des Freibades Ka-We-De 24 und die des Hallenbades Hirschengraben 36 Millionen Franken kosten würde. Der Gemeinderat zieht nun eine Schliessung der beiden Bäder in Betracht. Stattdessen soll im Wankdorf ein multifunktionales 50-Meter-Becken für maximal 76 Millionen Franken errichtet werden.

Im Fall der Ka-We-De hat sich Olibets Prophezeiung bereits vor Ablauf der Mitwirkungsfrist bewahrheitet. Der Stadtteil Kirchenfeld-Schosshalde setzt sich gegen die beabsichtigte Schliessung des schützenswerten Freibades zur Wehr.

«Kinderfreundliches Freibad»

Die Quartierkommission des Stadtteils vier (Qua 4), die offizielle Vertretung des Quartiers, schreibt in ihrer Stellungnahme von einem «imageschädigenden Infrastrukturabbau». Der von der Stadt beabsichtigte Bau einer 50-Meter-Schwimmhalle im Wankdorf sei «in keiner Weise ein Ersatz für den Verlust an Attraktivität», den das Wohnquartier dadurch erleide. Investitionen in den Breitensport dürften «nicht allein nach einfachen Wirtschaftlichkeitskriterien» erfolgen. Die Ka-We-De werde als «äusserst kinderfreundliches Freibad» auch von Schulen ausserhalb des Quartiers genutzt. Lehrkräfte und Familien schätzten die Übersichtlichkeit und die geringe Beckentiefe. Die Quartierkommission regt einen «moderaten, additiven Ausbau mit Schwimmhalle» unter Respektierung des Denkmalschutzes an.

«. . . von sinnlicher Eleganz»

Beim Kirchenfeld-Schosshalde-Murifeld-Leist werden emotionalere Töne angeschlagen. Unter dem Titel «Unbedarfter Köpfeler ins leere Schwimmbecken» weist Architekt Rudolf Rast auf die architekturgeschichtliche Bedeutung des Bauwerks hin. Gemeinsam mit anderen «Spitzenwerken» im Quartier wie zum Beispiel dem Naturhistorischen Museum, dem Alpinen Museum, der Schulwarte oder der Nationalbibliothek repräsentiere die Ka-We-De die Gründerzeit von 1930. «Die Ka-We-De ist ein einmaliges Gesamtkunstwerk, dem Standort verpflichtet, poetisch-spielerisch, konsequent diszipliniert und trotzdem von sinnlicher Eleganz», hält Rast fest. Als Freibad und Eislaufanlage sei die Ka-We-De von «bester Multifunktionalität», Teil einer «brillanten Baukultur», die eine «traumhafte Insel unseres kulturellen Erbes darstellt». Der ideelle Verlust wöge weitaus schwerer als der materielle. «Der Untergang der Ka-We-De würde in Tausenden Menschen etwas zerstören.» Rast spekuliert schliesslich, dass die Stadt das Baudenkmal zur «pittoresken Bauruine» verkommen lassen wolle. Diese könne dann eines Tages «zugunsten eines fetten Büro- und Wohnblocks» liquidiert werden.

FDP will genauere Angaben

Im Stadtrat hat der Protest aus dem Quartier bisher wenig Wellen geworfen. In einer Motion fordert die FDP den Gemeinderat auf, dem Stadtrat zwei Kreditvorlagen zur Sanierung von Ka-We-De und Hallenbad Hirschengraben vorzulegen. Stadtrat Alexandre Schmidt mag darin keinen Widerspruch zum Sparkurs sehen, den die Freisinnigen sonst gemeinhin verfolgen. Die Stadt habe den Unterhalt jahrelang vernachlässigt. Er sehe nicht ein, warum die Quartierbevölkerung und die Sportvereine nun die Quittung für diese Politik bezahlen sollen, sagt Schmidt. Zudem argumentiere die Stadt mit ungenauen Schätzungen. Die Kostenangaben für die Sanierung der Anlagen beruhten auf einer Genauigkeit von plus/minus 30 Prozent. Die Spannweite der Sanierungskosten für beide Bäder liege demnach zwischen 40 und 80 Millionen Franken. «Wir wollen genauere Angaben. Es ist fahrlässig, eine Schliessung aufgrund derart rudimentärer Schätzungen zu beschliessen», sagt Schmidt. Erst aufgrund seriöser Kostenberechnungen könne über Schliessung oder Sanierung entschieden werden.

Sportamt-Leiter nicht überrascht

Der Protest aus dem Quartier versetzt Roger Schnegg, den Leiter des Stadtberner Sportamtes, nicht in Erstaunen. «Es wäre ja komisch, wenn die Bewohner des Kirchenfelds erfreut wären über die Schliessung einer Sportanlage in ihrem Quartier.» Schnegg stellt klar, dass eine allfällige Schliessung der Ka-We-De nichts mit dem Bau eines 50-Meter-Beckens im Wankdorf zu tun habe. «In der Ka-We-De schwimmt man nicht, dort badet man.» Mit der künftigen Nutzung der Anlage im Falle einer Schliessung habe das Sportamt nichts zu tun. «Das ist eine Aufgabe der Stadtplanung.» Allein zur Behebung der technischen Defekte in den städtischen Bade- und Eislaufanlagen wendeten die Stadtbauten jährlich eine Million Franken auf. Das Abwägen zwischen dem Gesamtnutzen für die Stadt und betriebswirtschaftlichen Faktoren einerseits und den Bedürfnissen des Quartiers sowie historisch-emotionalen Faktoren andererseits sei zuletzt Aufgabe der Politik. «Ich wäre ja froh, wenn mir die Politik das Geld für die Sanierung der alten Anlagen und den Bau des neuen 50-Meter-Beckens geben würde», sagt Schnegg. (Der Bund)

Erstellt: 09.12.2010, 06:57 Uhr

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2 Kommentare

Nicole Meier

09.12.2010, 07:29 Uhr
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Wenn man die beiden Bäder schliesst, hat man Teures Bauland das man für Unsummen verkaufen kann. Nicht ohne uns, wenn schon eine Schliessung in betracht kommt, dann fragt aber vorher das Volk. Egal ob Sanierung oder Neubau, wir die Bevölkerung müssen es schliesslich bezahlen und nicht unsere Politiker. Darum, lasst das Volk entscheiden. Antworten


Dominique Kay

09.12.2010, 14:44 Uhr
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Ich bin in Bern geboren und aufgewachsen und in 1988 in die USA ausgereist.. Ich habe die besten Erinnerungen an die Ka-We-De. Die Freundlichkeit der Anlage wird in einem Sportkomplex niemals wiederholt werden.Ich hab mir oft gewuenscht es gaebe etwas Aehnliches hier in den Suburbs von Chicago, als meine Sohene juenger waren. Erhaltet Ka-We-De fuer zukuenftige Erinnerungen; sie ist einmalig. Antworten




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