Zweite Niederlage in Serie für abwehrschwache Berner
Von Peter Herzog. Aktualisiert am 19.04.2010
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Es war ein Sonntag zum Vergessen für die Young Boys; das wird sich nach dem 1:4 im Tourbillon und dem Verlust der Tabellenführung auch YB-Goalie Marco Wölfli gedacht haben.
An den vier Gegentoren war er machtlos gewesen, und hinterher musste er den Journalisten auch noch eine obskure Frage beantworten: Ob der Verlust der Tabellenspitze, welche YB am dritten Spieltag übernommen hatte, im Meisterrennen nicht auch ein Vorteil sein könnte, da man jetzt nicht mehr der Gejagte, sondern der Jäger sei. «Das weiss ich nicht», brummte Wölfli, «aber ich denke, es ist sicher kein Nachteil, wenn man ein paar Punkte Vorsprung vor den Gegnern hat.»
Das ist seit gestern Sonntag nicht mehr der Fall. Die Young Boys haben seit dem Herbst einen 13-Punkte-Vorsprung auf die Konkurrenz vermasselt - jetzt liegen sie bei Punktgleichheit um 5 Tore hinter dem Rivalen Basel zurück. «Wir haben uns zwei Niederlagen in Serie geleistet, jetzt werden wir zum Siegen zurückkehren. Das ist klar», sagte Wölfli.
«Gerade Linie bei 0 Punkten»
Der einzige YB-Torschütze an diesem Nachmittag, Mario Raimondi, sprach von drei Geschenken vor der Pause, Trainer Vladimir Petkovic ärgerte sich über individuelle Fehler bei allen Gegentoren und erklärte die neue Tabellensituation mit «einer geraden Linie bei 0 Punkten»: «Es ist gar nichts verloren.» Das alles klang nach dieser 1:4-Niederlage ziemlich arg nach Durchhalteparolen.
Wölfli sah eine viel bessere Leistung als noch am Dienstag beim 1:2 in Zürich gegen GC, als sich YB kaum eine Torchance hatte erspielen können. «Diesmal kamen wir aus der Kabine und haben Vollgas gegeben.» Und er bedauerte, «dass wir aus sechs, sieben Möglichkeiten kein Tor erzielt haben. Wir trafen Pfosten und Latte, Sion machte aus drei Chancen drei Tore.»
Doch dabei halfen die Berner tüchtig mit. Nach neun Minuten vermochte Marin im Fünfmeterraum gegen Affolter den Ball vor das Tor zuspielen, Mpenza, von Mardassi zu wenig eng gedeckt, bedankte sich mit seinem 17. Saisontreffer. 20 Minuten später wurden die Berner durch eine Kombination von Mpenza, Zambrella und Obradovic im Strafraum regelrecht ausgespielt, die Walliser Fans gerieten auf den Rängen so richtig in Stimmung.
Und beim 3:0 kurz vor der Pause, als Alioui beim vorderen Pfosten den Ball nach einen Corner von Dominguez ins Netz lenken konnte, stimmte die Zuordnung bei YB erneut nicht. Mit dem Pausenpfiff war die Partie bereits entschieden und die Tabellenführung weg - denn Basel führte gegen Luzern.
Kurz nach dem Wechsel gelang Raimondi mit einem Freistoss das Tor zum 1:3, bei den Bernern keimte Hoffnung auf, und Sion zog sich mehr und mehr zurück, konzentrierte sich auf die Störarbeit. Die YB-Spieler, die vor der Pause durchaus zu Möglichkeiten gekommen waren, boten den Gastgebern nun im Mittelfeld nicht mehr so viel Raum, taten sich aber im Spiel nach vorne gegen die auf Konter lauernden Sittener schwer. Degen musste nach 55 Minuten angeschlagen vom Feld, für ihn kam Christian Schneuwly. Und mit der Einwechslung von Lustrinelli für Verteidiger Mardassi versuchte Petkovic nochmals neue Akzente zu setzen. Raimondi ging für kurze Zeit, bevor Schneider für Mardassi eingewechselt wurde, in die Abwehr zurück, rückte danach wieder ins Mittelfeld vor.
Doch Sion liess sich nicht mehr aus der Ruhe bringen. Am 8. November hatte der Kolumbianer Dominguez beim 3:1 gegen YB die ersten beiden Tore mit Freistossflanken vorbereitet und das dritte Tor selbst erzielt. Gestern war er beim 2:0 und 3:0 mitbeteiligt und traf zum entscheidenden 4:1.
Mit 38 Gegentoren verfügt YB laut Statistik immer noch über die beste Abwehr der Super League. In Sitten hat YB in zwei Spielen sieben Gegentreffer kassiert. Womöglich machen sich die YB-Verantwortlichen zurzeit mehr Gedanken über die Abwehr, als sie das in der Öffentlichkeit kundtun wollen. Sollte YB den Titel erneut verpassen, wird man bei der Ursachenforschung, wie im vergangenen Jahr, um das Thema «Defensivverhalten» nicht herumkommen - auch wenn zurzeit die Stürmer nicht treffen und es im YB-Gefüge harzt.
Noch sind fünf Runden zu spielen - noch ist alles offen. Doch das viel zitierte und oft strapazierte «Momentum» kippte in den letzten Tagen von der Aare an den Rhein zum FCB.
Die Entscheidung im Tourbillon: YB-Verteidiger Marc Schneider liegt nach dem 1:4 mit dem Ball im Tor. Foto: Keystone > (Der Bund)
Erstellt: 19.04.2010, 07:23 Uhr
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