Bern
Zu Besuch bei Tischlein-bieg-dich
Aufgetischt
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Die Rechnung, bitte
Karte: Libanesische Küche. Preise: Vorspeisen von Fattouch bis Kebbeh (ab Fr. 8.50 bis Fr. 15.-); reichhaltige «Mezza-Menüs», auch für zwei (Fr. 84.-) oder drei Personen (Fr. 132.-) inklusive Dessert. Mittags Schweizer Menüs von Fr. 14.50 bis Fr. 16.50. Kundschaft: Mittags Quartierbewohner und Büroangestellte, abends Libanesen und Heimweh-Levantiner. Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-23.30 Uhr, Sa/So 11-23.30 Uhr. Adresse: Restaurant Mont Liban (vormals Adonis), Oussama El Kurdi, Moserstrasse 27, 3014 Bern, Telefon 031 333 07 77, Fax 031 333 07 78; www.montliban-bern.ch (Webseite derzeit nicht in Betrieb); E-Mail: montliban-bern@hotmail.com;
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Wenn schon, denn schon, finden wir, als wir vor dem libanesischen Restaurant Mont Liban im Breitenrainquartier stehen. Die Affiche für die Tagesmenüs beim Eingang - Bratwurst und Rösti oder gefülltes Gemüse mit Hackfleisch und Reis - ignorieren wir glatt, frei nach Max Frisch: «Da lob ich mir die harte andorranische Eiche, hier werden die Wohlgerüche des Zedernlandes zelebriert.» Wir blättern die Karte durch und lassen uns die Köstlichkeiten geistig auf der Zunge zergehen: Hommos (Kichererbsenmus), Mutabel (gebratene Auberginen), Tabbuleh (gemahlener Weizen mit Minze und Tomate), Lubie Bel Zeit (Bohnen mit Tomaten und Zwiebeln), Fladenbrot, Lammhackfleisch, Teigtaschen, Schawarma (Poulet).
Eine orientalische Weise
Überfordert bestellen wir das «Mezza-Menü» für zwei Personen, das acht Teller mit (fast) allem verheisst, was die Cuisine libanaise zu bieten hat. Das werden wir schon schaffen, zumal die Begleiterin beteuert, sie habe einen Bärenhunger. Viel Zeit bleibt nicht, um das renovierte Lokal zu beäugen, das gar nicht im orientalischen Harem-Stil eingerichtet, sondern bemerkenswert nüchtern, aber chic gestaltet ist. An den Wänden hängen Mosaike. Eine Sitzecke mit geblümten Polstermöbeln beim Eingang mit einem metallenen Teeservice und einer Wasserpfeife (nur Dekoration) lädt zum Verweilen ein. Im Garten hat es ein Zelt mit Lounge-Sesseln, wo man sich eine Pfeife genehmigen könnte, wenn es wärmer wäre. Man hört schräge orientalische Weisen.
Die flotte marokkanische Serviererin schafft unsere Bestellung heran: ein schönes Stück Arbeit. Der Nachbartisch wird hergeschoben, damit die Tellersammlung Platz hat. Bunt präsentieren sich die Platten: gebackene Teigtaschen mit Hackfleischfüllung, Falafel, gefüllte Backwaren, Zitronenschnitze, Tomaten, Gurken, Salat und vieles mehr. Die Serviererin setzt auf unseren Wunsch zu einem kleinen Vortrag an, um uns unter Zuhilfenahme des Zeigfingers all die Spezialitäten zu erklären. Unser Appetit ist beachtlich, Salat ist gesund und leicht, doch diese Tafel würde auch drei Leute ernähren. Das Diktum vom Tisch, der sich biegt, ist Wirklichkeit. Immer wieder nehmen wir ein Stück warmes Fladenbrot, schieben es in das Kichererbsenmus. Man kann von dem Zeug einfach nicht genug kriegen. Ja, der Libanon, der Schmelztiegel der Levante, wo alle auf Durchreise waren und Gewürze, Gemüse und Früchte zurückliessen.
Da wären noch Grilladen
«Ich kann nicht mehr», seufzt die Begleiterin, worauf ihr der Testesser eröffnet, dass doch noch von Grilladen die Rede gewesen sei. In der Tat räumt die Serviererin die halb leeren Platten ab und bringt grillierte Fleischspiesse, gedämpfte Tomaten, Hommos - und Pommes frites. Letztere werden nicht mehr berücksichtigt, das ist klar, doch das Fleisch probieren wir. Die Serviererin wird uns die Reste am Schluss anstandslos einpacken.
Natürlich hätten wir gerne einen Wein von Château Kefreya getrunken, doch eine Flasche mit einer Assemblage aus Cabernet Sauvignon, Syrah und Mourvèdre, Jahrgang 2007 (Fr. 75.-) schaffen wir nicht. Der vorrätige offene Wein aus Kefraya ist ein Rosé. Also weichen wir auf einen reinen Syrah der Cave Kouroum aus, Jahrgang 2003, den es glasweise gibt (Fr. 7.50/dl). Wie immer ist die Farbe der Sorte Syrah intensiv, und der kräftige Tropfen passt gut zu gegrilltem Fleisch. Dazu schlürfen wir aus einem silbernen Kännchen (Fr. 5.50) einen betörenden Tee (Minze, Grüntee, Orangenwasser). Ein Glück, dass das Dessert bescheiden ausfällt: vier Küchlein mit Griess- und Kokosfüllung beziehungsweise Käsefüllung mit Orangenwasser, welches betörend riecht wie ein Parfüm. (Der Bund)
Erstellt: 29.01.2012, 10:43 Uhr
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