Bern

Zeltler lassen sich die Laune nicht verderben

Von Matthias Raaflaub. Aktualisiert am 26.07.2011 1 Kommentar

Dieser Tage herrscht alles andere als ideales Campingwetter. Die Zeltler im Eichholz lassen sich von kalten Nächten und Regen aber nicht beeindrucken. Viele von ihnen kommen nämlich aus der Region.

1/3 Rund 40 bunte Zelte sind auf der Wiese des Campings Eichholz an der Aare in Wabern aufgeschlagen.
Bild: Franziska Scheidegger

   

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Es bleibt vorerst regnerisch

Auch die kommenden Tage versprechen laut Christophe Voisard, Meteorologe bei Meteo Schweiz, keine Wetterbesserung, es bleibt regnerisch. Für heute werden von Westen her aufziehende Schauer erwartet, welche in der Nacht auf morgen noch an Intensität gewinnen dürften. Die Niederschlagsmengen bleiben mit 20 Millimetern während zweier Tage im normalen Bereich. Zwar wurden die Niedrigstwerte bei der Temperatur gestern erreicht, wie Voisard weiter sagt. Eine deutliche Wetterbesserung prophezeit er indes erst für kommenden Sonntag &endash und auch dann zeichnet sich kein stabiles Hochdruckgebiet ab. Immerhin, die Chancen auf einen trockenen 1. August sind intakt. Für mitteleuropäische Verhältnisse liegen die aktuellen Werte im Bereich des Normalen, so Voisard.

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Von wegen Wetterflaute: Rund 40 bunte Zelte sind auf der Wiese des Campings Eichholz an der Aare in Wabern aufgeschlagen. Um die Pingpongtische scharen sich Kinder, manche liegen mit dem Bauch auf dem Strandtuch und sonnen sich. Gar ein paar tapfere Schwimmer sind in der rund 16 Grad warmen Aare zu sehen. Auf dem Camping ist von den Wetterkapriolen der vergangenen Wochen an diesem ausnahmsweise sonnigen Tag nichts zu spüren. Andere Campinganlagen berichten von ausbleibender Kundschaft wegen des schlechten Wetters. Im Eichholz herrscht Betrieb wie zur besten Sommerzeit. Um die nah beieinander gestellten Zelte diskutieren und lachen die Campinggäste. Und meist hört man Berndeutsch.

«Man geht so schnell nicht wieder»

Familie Bouquet aus Belp hat sich am Samstag im hinteren Teil der Anlage eingerichtet. Claudia Casto und Jörg Bouquet kommen seit rund zehn Jahren im Sommer zum Camping ins Eichholz. «Das Ambiente, die vielen bekannten Gesichter, die kinderfreundliche Anlage – das ist unser Eichholz», sagt Casto. Neben dem geräumigen Stoffzelt haben sie einen kleinen Pavillon aufgebaut. Ein Poulet gart über dem Grill. Einige Wochen zelten während der Sommerferien sind für die Familie jedes Jahr eingeplant. Heuer sind sie wegen des Regens aber ein paar Tage später gekommen. Letztlich sind sie dann trotz schlechter Prognosen losgezogen. «Der Start braucht immer einen Anstoss. Wenn man sein Zelt aber aufgestellt hat, geht man so schnell nicht wieder», sagt Jörg Bouquet. Letztes Jahr hat die Familie drei Wochen mit Regen im Zelt durchgestanden. Dagegen seien diese Ferien trotz einigem Niederschlag bislang harmlos. Einziger Wermutstropfen: «Die Aare ist noch kalt, aber Ende Woche sollte es ja wieder wärmer werden.»

Auf dem Campingplatz sind Bouquets unter Freunden – und unter Bernern. Da ist Michu, dessen Tochter mit Bouquets Kindern spielt. Mit nacktem Oberkörper hat er es sich mit einer Zeitung vor dem Zelt gemütlich gemacht und geniesst die Ruhe. «Sie haben hier so etwas wie ihren eigenen Stammplatz», sagt er von der Belper Familie, «wir schauen, dass er für sie frei bleibt.» Michu weiss es, weil die Ferien im Eichholz für ihn Ferien am Arbeitsplatz sind. Normalerweise kümmert er sich um die Pflege der Aussenanlage des Campings. Nächste Woche fängt die Arbeit wieder an, dann wird er sein Zelt zusammenräumen und für die Kollegen anpacken, die er heute aus dem Liegestuhl beobachtet. «Bis dahin wissen sie, dass sie mich in Ruhe lassen sollen», sagt er mit einem Lachen. Ein hartgesottener Zeltler ist Michu deswegen aber nicht. «Mein Zelt ist zwar wasserdicht», sagt er. Käme es «richtig schlimm» regnen, würde er jedoch nach Hause gehen. Weit hat er nicht: Er wohnt nur einige Hundert Meter weiter im Marzili.

Drei Kilometer in die Ferien

Stammgäste sind auch Manuel und Kathy. Das Paar lebt im Breitenrainquartier, kommt aber seit mehreren Jahren zum Camping an die nahe Aare. Fürs Feriengefühl genügten die drei Kilometer Distanz allemal, sagen sie. «Wenn du hier bist, ist es einfach anders», so Kathy. «Man lernt hier so viele Leute kennen. Man trifft Freunde wieder. Es ist friedlich und ‹multikulti›», sagt Manuel. «Bern hat im Sommer alles, was man braucht.» Mit dieser Einstellung sind die beiden nicht alleine. Ein Bekannter gehe gar zwei Wochen pro Jahr vom Zeltplatz aus in die Stadt zur Arbeit.

Nebenan zelten das Ehepaar Monika und Pix aus dem Fricktal. Sie sind seit 15 Jahren regelmässige Eichholz-Gäste. Einen Rückzieher wegen Regens hat es in dieser Zeit nie gegeben. «Wenn wir hier sind, sind wir hier», fasst Monika die Schlechtwetterphilosophie zusammen. Dennoch: Ganz absolut ist das Bekenntnis zum Zelten in der Gruppe nicht. «Dass du auch mal eine Nacht nach Hause gehen kannst, ist der Vorteil, wenn du so nah wohnst», sagt Manuel. Er erinnert sich an eine Regenepisode vor drei Jahren, als es nur geregnet habe. «Ich habe mir ein Bad zu Hause gegönnt», erzählt er und lacht. «Das hat gut getan.»

Auch das Campingleben müsse bei Schlechtwetter nicht auf der Strecke bleiben. Die Berner Zeltler haben ihre eigenen Strategien, um die Zeit zu nutzen. Letzthin hätten sie den Vorplatz ihres Zelts mit Blachen zugedeckt, berichtet Manuel, und im Trockenen bis in alle Nacht Gesellschaftsspiele gespielt. Für Familie Bouquet liegt bei Schlechtwetter auch ein Ausflug in die Stadt drin, zum Shoppyland, ins Westside oder ins Museum. Ihren Kindern spielt das Wetter keine Rolle. «Man braucht ihnen nur die Pelerine und die Stiefel anzuziehen, damit sie sich einen Tag lang vergnügen können», sagt Jörg. Und wann würde die Familie die Zelte abbrechen und heimkehren? «Wenn es hagelt – oder schneit», sagt Claudia Casto. (Der Bund)

Erstellt: 26.07.2011, 06:42 Uhr

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1 Kommentar

Hofstetter Peter

26.07.2011, 07:42 Uhr
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Die AntiAKW-Camper sollten da mal in die Schule gehen. Da ist es friedlich, keine grausigen Transparente, keine Belästigung der Leute. Und im Eichholz zahlt man auch für den Platz. Antworten



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