YB ist: Träumen und rechnen
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In «YB ist . . .» lässt «Der Bund» vor jedem Spiel eine Person zu Wort kommen, die sich mit Haut und Haaren mit den Young Boys identifiziert. Die schreibenden YB-Fans sind: Christa Hostettler (Vize-Stadtschreiberin und Rechtskonsulentin der Stadt Bern), Re Wilk (Werber und Musiker/Ray Wilko) und Ex-YB-Stürmer Thomas Häberli.
Sie haben Ihrem Lieblingsspieler persönlich gratuliert, Ihrer Familie Ferien im Pazifik versprochen und Frieden mit dem Sitznachbarn in Ihrem Sektor geschlossen. Ich beneide Sie um diese Momente. Ich träume nämlich nie von irgendwelchen Titeln und ihren angenehmen Begleiterscheinungen. Es ist ja nicht so, dass ich gar nicht von YB träume. Doch sind meine Träume vom Meistertitel weit entfernt. Ich träume comicmässig (zu Ehren des Ladies-Days beschliessen die YB-Würste, auf das Verspritzen frisch gebügelter Hemden zu verzichten), transzendent (ich schwebe stundenlang im gelben Tülljupe von Comme des Garçon und der schwarzen Bluse von Akris 40 Zentimeter über dem Wankdorf-Kunstrasen) oder heroisch-völkerverbindend (Emiliano Dudar und Hannu Tihinen machen sich im Minibus auf eine Reise nach Libyen, um Max Göldi zu befreien).
Meinen Mangel an Meisterträumen muss ich folglich mit anderen Methoden kompensieren. Eine davon ist Titelrechnen. YB hat seine Titel 1903, 1909, 1910, 1911, 1920, 1929, 1957, 1958, 1959, 1960 und 1986 errungen. Nehmen wir Subtrahieren: Zwischen dem ersten und dem sechsten Titel vergingen 26 Jahre. Nach dieser Serie musste YB 28 Jahre auf den nächsten Titel warten. Nach einer weiteren Serie bis 1960 betrug die Wartezeit 26 Jahre. Nun sind wir seit 1986 bei 24 Wartejahren. Sie sehen, es kann bis zum nächsten Titel nicht mehr lange dauern. Oder Dividieren: Die zusammengezählten Jahrzahlen der Titel 1-8 dividiert durch 8 ergeben gerundet die Zahl 1925. Die Jahrzahlen der Titel 1-9 dividiert durch 9 ergeben 1925+3. Titel 1-10/10 ergibt 1925+3+4. Titel 1-11/11 ergibt 1925+3+4+5. Was kommt als Nächstes? Genau, 1925+3+4+5+6. Und dies entspricht exakt dem Titel 1-12/12 im Jahr 2010.
Wahnsinn, oder? Im Ernst, Sie sind zu beneiden, denn erträumte Titel sind leichter verdaulich als errechnete Titel. Ein Vorteil hat das Rechnen allerdings: Man muss nicht aufwachen. Man hat sich höchstens verrechnet.
(Der Bund)
Erstellt: 12.04.2010, 08:59 Uhr
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