Bern
Wundertüte BEA
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 30.04.2012
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Die BEA Pferd ist wie eine Wundertüte: Immer wieder kommt etwas Unerwartetes zum Vorschein. Lüpfige Schwyzerörgelimusik? Damit rechnet man. Doch ein paar Schritte weiter steht man vor einem Saloon mit Country-Sound, fast wie im Wilden Westen. Pferde können da nicht fern sein. Richtig. Schon sind wir in einem Zelt, in dem es ledrig riecht: nach Zaumzeug und Reitstiefeln. Wir lernen die Persönlichkeit Luciano vom Kreiswald kennen. Sagt Ihnen das nichts? Sein Vater heisst Laio de Hotelzinho, die Mutter Lavanda do Lagoa Serra. Sehr nobel: ein Wallach der Rasse Mangalarga Marchadores. Aufmerksam blickt das Pferd aus der Box, als wollte es sagen: «Kerlchen, schreib bloss meinen Namen richtig.»
Messerabatt – aber nur jetzt
Der Begriff Ausstellung trifft die BEA-Wirklichkeit nur unzureichend. Oft ist es eine Mitmachung, etwa auf jener Teststrecke, die ins Kellergeschoss und wieder hinauf aufs Dach führt. Mit einem Velo fährt der BEA-Besucher mühelos die Rampe hoch und fühlt sich fit wie ein Turnschuh. Aber seien wir ehrlich: Der Verkäufer hat am Elektrovelo die stärkste Motorenstufe eingestellt. Das Töchterchen übt Sportarten ohne Hilfsmotor aus, sei es an der Kletterwand oder auf einem Balanceboard. Auf diesem Brett, das auf einer Rolle liegt, trainiert sie den Gleichgewichtssinn. «Du machst das schon viel besser», sagt der Verkäufer. Händler sagen gerne solche Sachen, und es gibt zudem Messerabatt – aber nur jetzt.
Die Ersparnisse, die man mit Schnäppchen erzielt, sind bald wieder weg. Das merkt auch der Vater mit den drei Buben, die am SCB-Stand die Pucks in einem kleinen Loch zu versenken versuchten. Nun sind sie dort, wo man sich neue Kräfte zuführt: am Verpflegungsstand. Hamburger, Bratwurst, Hotdog? Jeder nennt seine Wünsche, einer will nur trinken, das Wässerli zu Fr. 4.50, und der Dritte antwortet auf die Frage, ob er den «heissen Hund» mit Senf, Ketchup oder Mayonnaise haben möchte: «Mit nüt.» Am Schluss zückt Papa das Portemonnaie. Da läppert sich einiges zusammen.
«Vater von 1000 Ferkeln»
Es gibt Orte, wo sich Erlebnisse mit Tieren und Verpflegungsfreuden sehr nahe kommen. Bloss gut, können die Säuli, die mit ihren Ferkeln umherspazieren und «Jöh»-Rufe provozieren, nicht lesen, was auf dem Metzger-Plakat gegenüber steht: «Schwein: die beliebtesten Stücke.» Rund um die Sägemehlarena bestellen die Gäste im Biergarten Haxen und XXL-Schweinsschnitzel. Ein Trost: Eber Arnold, der in vier Wochen dreijährig wird, ist laut Info-Tafel «Vater von 1000 Ferkeln». Er hatte wenigstens seinen Spass.
Essen, Trinken, Musik? Schon gut, aber etwas Bildung schadet nichts. In einem Lift fahren wir 600 Meter in die Tiefe der Erde. Jedenfalls fühlt es sich so an: Raffinierte Mechanik und Projektionen an den Wänden erzeugen die perfekte Illusion. Zwischen den geologischen Schichten begegnet man Pfahlbauern, Mammuts und Dinosauriern. Schliesslich erreichen wir eine Schicht, wo während 180 Millionen Jahren nichts passiert ist: den Opalinuston. An jenem sicheren Ort – nun kommen wir der Sache näher – will die Entsorgungsfirma Nagra Atommüll endlagern. Nicht jeden Hardcore-Gegner dürfte das überzeugen, doch etwas bleibt haften. Zudem bekommt man ein Schöggeli. Die Scherze der Besucher, ob das Müpfeli strahle, kontert eine Nagra-Mitarbeiterin locker lächelnd: «Ja, und das, was sich wie Krokant anfühlt, ist gemahlener Atomabfall: Irgendwie müssen wir ihn ja loswerden.»
Geschichten aus dem «Hasli»
Ein gemächlicher Lift bietet einigen zu wenig Thrill: Lange nach der Abschaffung der Folter in unseren Breitengraden bezahlen junge Menschen sechs Franken Eintritt, um sich auf einer grässlichen Chilbibahn namens Roller freiwillig malträtieren zu lassen. Beim Anblick der rotierenden und rückwärts absackenden Sitzreihen in der Luft sind viele Zuschauer heilfroh, festen Boden unter den Füssen zu haben.
Selbst die grössten BEA-Maniacs sind reif für die Halle mit den Angeboten für Wohnen und Haushalt. Besonders für den weichen Sessel, auf dem man sich entspannt zurücklehnen kann. Oder den Whirlpool mit den Massagedüsen. Eigentlich hätte man die Telefonhörer hier montieren sollen. Jene Hörer in der Ausstellung zum «Gastland» Berner Oberland, mit denen man Geschichten im Haslitaler Dialekt lauscht. (Der Bund)
Erstellt: 30.04.2012, 09:34 Uhr
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