Bern
Warum es in der Stadt Bern keinen Flüchtlingstag gibt
Von Marc Schiess. Aktualisiert am 18.06.2011
Der Flüchtlingstag im Kanton
In Spiez wird auf dem Terminusplatz von 9 Uhr an Gipsy-Swing-Folk gespielt. Mit den Kindern geht Captain Krakebein auf Schatzsuche. Biel steht im Zeichen von kulinarischen und exotischen Köstlichkeiten (Zentralplatz, am Abend im Le Pavillon). Im Zentrum Migros Neumarkt in Burgdorf spielt um 10 Uhr die Steelband Effalum and Friends. In Bern hält Walter Kälin zur Situation von intern Vertriebenen einen Vortrag – um 15.15 Uhr im Zentrum5 an der Flurstrasse 26b. Anschliessend wird der Film «Nachi Palem Khere /Never back home» gezeigt. Am Montag lässt das UNHCR das Münster von 22 bis 23 Uhr vom Künstler Gerry Hofstetter in UNHCR-Blau beleuchten.
Nicht nur wird heute der 75. Geburtstag der Schweizerischen Flüchtlingshilfe gefeiert, auch Anlässe zu 60 Jahre Genfer Konvention und UNHCR fallen auf dieses Wochenende. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet in diesem jubiläumsträchtigen Jahr der schweizweit durchgeführte Flüchtlingstag in der Stadt Bern selbst nicht stattfindet. In den letzten Jahren war jeweils der Bundesplatz Ort der Völker verbindenden Aktivitäten.
Mit dieser Tradition wird dieses Jahr nun gebrochen. Dafür werden dezentrale Anlässe in Biel, Burgdorf und Spiez auf die Anliegen der Flüchtlinge aufmerksam machen (siehe Box). Wie «Bund»-Recherchen zeigen, führten vor allem mangelhaft funktionierende Kommunikationskanäle zwischen den Akteuren zum jetzigen Resultat. Geplant war ursprünglich, dass – wie in den vorherigen Jahren – die Firma Integration BE (IBE) das Flüchtlingstagfest auf dem Bundesplatz organisiert.
Die Rolle der Integration BE
Die IBE, eine im Handelsregister als «aktiv» aufgeführte Aktiengesellschaft, gibt es jedoch gemäss ihrem damaligen Geschäftsführer Aldo Milani bereits seit letztem Herbst nicht mehr. Die IBE wurde im Jahr 2001 laut Milani für die kantonale Gesundheitsdirektion GEF gegründet. Diese wollte für die Zusammenarbeit mit den vier Hilfswerken Heks, Caritas, Arbeiterhilfswerk und Rotes Kreuz nur eine Schnittstelle – die IBE. Letztes Jahr beschloss der Kanton, mit den Hilfswerken wieder direkte Geschäfte zu tätigen – die IBE wurde überflüssig.
Gemäss Milani wurde als Nachfolgerin für die Organisation des Flüchtlingstags die Kirchliche Koordinationsstelle für Flüchtlingsfragen (KKF) einbezogen. Ihr habe man auch das nötige Know-how weitergegeben. Zudem habe die IBE ihre Partner «mehrfach orientiert, dass es uns nicht mehr gibt». Bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) kam diese Information erst im Februar 2011 an – gemäss Mediensprecher Adrian Hauser «zu knapp, um eine andere Organisation zu finden, welche die Planung und die Durchführung des Flüchtlingstags übernimmt». Versendet wurde der Brief vom kantonalen Sozialamt. Dessen Leiterin Regula Unteregger verteidigt das Vorgehen des Kantons: «Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion hat zuerst versucht, mit der KKF eine Lösung zu finden.» Gescheitert seien die Verhandlungen hauptsächlich am Wunsch der KKF nach einem längerfristigen Auftrag und den Kosten – Milani spricht von rund 30 000 Franken Nettokosten für die Organisation des Flüchtlingstags.
Konzept des Flüchtlingstags
Die Sozialamtsleiterin gewinnt dem Ganzen aber auch positive Seiten ab: «Da wir als Kanton mitfinanzieren, finden wir es im Ergebnis richtig, wenn andere Regionen auch mal profitieren können.»
Im von ihr zur Verfügung gestellten Brief vom Februar nimmt Unteregger die neue Situation zum Anlass, «das Konzept des Flüchtlingstages zu überdenken, da die Wirkung und der Wirkungskreis des Flüchtlingstages im bisherigen Rahmen nicht mehr als optimal beurteilt wird». Bald sollen verschiedene «interessante, alternative Modelle» geprüft werden. Vorstellbar seien zum Beispiel auch ein Zusammenspannen mit einem anderen Kanton und der verstärkte Einbezug von Sponsoren. Im Juli wird die kantonale Gesundheitsdirektion gemäss Projektleiter Thomas Strübel zusammen mit involvierten Organisationen ein «Brainstorming-Event» durchführen. Unter anderem gehe es darum, wie die breite Öffentlichkeit am besten erreicht werden könne. (Der Bund)
Erstellt: 18.06.2011, 09:43 Uhr
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