«Vom sexuellen Missbrauch muss die ganze Familie gewusst haben»

Die Mutter liebenswert, der Vater streng und misstrauisch: So beschreibt László Tolvaj die Eltern Kneubühls.

László Tolvaj, ehemaliger Nachbar von Kneubühls Schwester.

László Tolvaj, ehemaliger Nachbar von Kneubühls Schwester. Bild: Manu Friederich

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Herr Tolvaj, Sie sitzen seit Tagen in den Zuschauerreihen im Regionalgericht Biel. Warum verfolgen Sie den Prozess gegen Peter Hans Kneubühl so genau?
Einerseits aus persönlichem Interesse, weil ich die Familie Kneubühl kenne. Andererseits, weil ich die Interessen unseres Schützenvereins wahren möchte. Die Polizei hat mich im September 2010 kontaktiert, nachdem sie im Keller von Kneubühls Haus nebst den vielen Waff en eine Plakette mit der Aufschrift unseres Schützenvereins gefunden hatte. Ich musste klarstellen, dass Peter Hans Kneubühl nie Mitglied unseres Schützenvereins gewesen ist. Die Waffen und die Auszeichnungen stammten von seinem Vater. Ich wollte nicht, dass wir als Mörderbande hingestellt werden. Deshalb habe ich damals auch mehrere Artikel über Peter Hans Kneubühl geschrieben.

Woher kennen Sie die Familie Kneubühl?
Peter Hans bin ich am vergangenen Montag erstmals begegnet. Er weiss, wer ich bin und beschimpft mich im Gericht als Hetzer. Wohl, weil ich seine Schwester gut gekannt habe. Zusammen mit ihrem damaligen Ehemann und ihrem Vater hat sie 1975 den Schützenverein Civil Combat Club Biel (CCCB) gegründet. Als Student bin ich dem Verein beigetreten. Mittlerweile bin ich Vorstandsmitglied. In den 1980er-Jahren zog die Schwester in ein Bauernhaus im Kanton Fribourg, gleich neben meiner Partnerin und mir. Später wanderte sie nach Frankreich aus und versuchte sich als Bäuerin. Dort haben wir sie mehrmals besucht. Sie beschreiben die Familie Kneubühl als überkorrekt und gutbürgerlich.

Ja, nach aussen hin wirkte alles bestens, das Haus am Mon-Désir-Weg im Bieler Lindenquartier war ansehnlich. Doch es herrschte Enge im Elternhaus. Peter Hans und seine Schwester mussten sich bis zur Volljährigkeit eine kleine Mansarde teilen. Nur einen Tag nach ihrem 18. Geburtstag ist die Schwester dort ausgezogen und hat früh geheiratet. Die Mutter war eine liebenswürdige Person, die den Anschein einer glücklichen Familie wahren wollte und vor allem stolz darauf war, dass die Tochter später einen Chiropraktiker geheiratet hatte. Der Vater war streng, auch misstrauisch. Er stand politisch eher rechts und war ein begeisterter Armeeanhänger. Er wollte mich damals etwa nicht im Schützenverein aufnehmen, weil er in mir einen linken Studenten vermutete. Peter Hans, der selbst von der Armee ausgemustert wurde, hatte wohl das Gefühl, überall abgelehnt zu werden.

Sie hatten immer den Eindruck, dass etwas nicht stimmte. Warum?
Stutzig machte mic h immer wieder, wie bruchstückhaft Details aus der Familie ans Licht kamen. Nach Jahren erst erfuhr ich etwa, dass es noch einen Bruder gab, eben Peter Hans. Einmal hiess es über ihn, er sei Physiker und züchte Schafe in Schottland. Dabei hat er wohl nie studiert. Ein andermal war er in einem Kellerloch abgetaucht und unauffindbar. Wie plausibel halten Sie die Inzestvorwürfe der Schwester gegenüber ihrem Vater? Ich halte das für sehr plausibel. Schon früh habe ich darüber nachgedacht. So hatte die Schwester bewusst keine Kinder. Sie hatte immer wieder Probleme mit Männern. Als wir nebeneinander wohnten, hat sie uns schliesslich anvertraut, dass sie von ihrem Vater vergewaltigt worden ist. Weil ich nach dem Vorfall 2010 Auskunft über ihre Familie gegeben habe, hat sie den Kontakt zu mir abgebrochen. Sie redet nur noch mit meiner Freundin.

Wie war das Verhältnis zwischen den Geschwistern?
Die Schwester hatte zunehmend Angst vor ihrem Bruder. Vom sexuellen Missbrauch muss die ganze Familie gewusst haben. Deshalb soll auch Peter Hans stets ein gestörtes Verhältnis zu Frauen und nur flüchtige Bekanntschaften gehabt haben. Off ensichtlich anerkennt er jetzt auch die Autorität der Gerichtspsychiaterin nicht. Wie auch immer das Urteil aussieht: Kneubühl wird immer ein Gefangener seiner Gedanken bleiben.

Als Chefredaktor des Schweizer Waffenmagazins preisen sie neue Waffen an, als Vertreter des Schützenvereins kämpfen Sie gegen schärfere Waffengesetze. Kneubühl besass ein Waffenarsenal, aber keinen Waffenerwerbsschein. Was sagen Sie dazu?
Ich war überrascht über die Menge der Waffen, die in Kneubühls Keller gefunden wurden. Als Waffenarsenal würde ich das aber nicht bezeichnen. Es waren wohl fünf Faustfeuerwaff en, eine Armbrust und ein altes Bajonett. Sie stammten von seinem Vater und waren nicht auf ihn registriert. Aber solche Gewalttaten können auch durch die Erstellung eines nationalen Waffenregisters nicht verhindert werden. Absolute Sicherheit gibt es nicht. Zudem hat jeder Bürger ein Recht auf Selbstverteidigung. (Der Bund)

(Erstellt: 12.01.2013, 10:08 Uhr)

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