Bern
Viel Kritik und wenig Lob fürs Tram
Von Martin Zimmermann. Aktualisiert am 24.11.2011 2 Kommentare
Artikel zum Thema
Um ein Haar wäre die gestrige Tram-Informationsveranstaltung in Köniz Makulatur geworden: Vor zehn Tagen stand der 860 000 Franken teure Projektkredit zum Tram Region Bern im Gemeindeparlament auf der Kippe. Nur dank des Stichentscheids der grünen Ratspräsidentin Ursula Wyss setzten sich die mehrheitlich linken Kreditbefürworter mit 21 zu 20 Stimmen gegen die bürgerlichen Gegner durch. Ein Nein hätte wohl das vorläufige Ende des 550-Millionen-Projekts bedeutet.
So weit kam es aber nicht, und somit konnten Verkehrsvorsteherin Katrin Sedlmayer (SP) und Bernmobil-Direktor René Schmied anlässlich des Beginns der Bauprojekt-Phase die Könizer im Gemeindehaus über den Stand der Dinge informieren – und den Puls der Bevölkerung fühlen.
Schlierner gegen Tram
Der knappe Entscheid des Parlaments hat allem Anschein nach nicht dazu beigetragen, das Tram den rund 60 Zuhörern schmackhafter zu machen. Zeitweise drohten bürgerliche Parlamentarier im Publikum die mehrstündige Veranstaltung zudem in eine Verlängerung des Schlagabtauschs im Grossen Gemeinderat zu verwandeln. Moderator Fritz Kobi musste die Anwesenden daran erinnern, dass es darum gehe, Anregungen und Kritik zum Tram zu sammeln. Die politischen Würfel seien bereits gefallen.
Positive Äusserungen gab es gestern nur vereinzelt. Kritisiert wurde insbesondere der Streckenabschnitt von Köniz nach Schliern. Man solle lieber die Verlängerung des 9er-Trams nach Wabern forcieren, fand etwa der Schlierner Ueli Stähli, Präsident des Vereins zum Schutze des Kulturlands und Tram-Kritiker der ersten Stunde. Dort lebten 7000 Einwohner, die «sehr schlecht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen» seien – im Könizer Vorort, wo das 10er-Tram wenden soll, lebten dagegen bloss 4000. Stähli berief sich dabei auf eine kürzlich veröffentliche Studie der ETH, welche das Tram begrüsst, den fraglichen Abschnitt indes als vergleichsweise unwichtig einstuft.
Gemeinderätin Sedlmayer setzte sich vehement für die Anbindung von Schliern ein. «Dort leben fast 5000 Leute, für die das Angebot des öffentlichen Verkehrs ohne Tram deutlich schlechter wäre», sagte sie. «Als wir vor ein paar Jahren das Gartenstadt-Quartier vorübergehend vom Bus abhängen mussten, gab es einen Sturm der Entrüstung. Das darf sich nicht wiederholen.»
Ein Könizer Unternehmer regte an, man solle doch auf der S-Bahn-Linie zwischen Bern und dem Könizer Ortskern den Viertelstundentakt einführen, statt auf das Tram zu setzen. «Für die Feinverteilung in den Quartieren sind Bus und Tram besser geeignet», entgegnete Bernmobil-Direktor Schmied. Man könne niemanden zwingen, auf die S-Bahn umzusteigen. Das zeige das Beispiel der Buslinie 20 ins Berner Nordquartier. Sie sei auch nach der Eröffnung des S-Bahnhofs beim Wankdorfplatz nicht weniger ausgelastet als davor.Die Gemeindeparlamentarier von Bern und Ostermundigen hatten dem Projektkredit bereits vor ihren Könizer Kollegen zugestimmt. Die Bevölkerung der drei Gemeinden hat nun bis zum 31. Januar Zeit, im Rahmen des Anhörungsverfahrens, dem verkehrspolitischen Pendant zum Mitwirkungsverfahren, Vorschläge und Kritik anzubringen. Diese sollen in das Bauprojekt einfliessen.
Abstimmung 2014
An den Urnen können sich die Stimmbürger im Jahre 2014 zum «Tram Region Bern» äussern. Bei einem Ja wird das 10er-Tram frühestens ab 2018 von Köniz-Schliern nach Ostermundigen rollen; wahrscheinlicher ist derzeit indes eine Bauzeit von sechs bis acht Jahren. (Der Bund)
Erstellt: 24.11.2011, 07:46 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
2 Kommentare
Wenn Schliern das Tram nicht will, gibt es Abhilfe: Das Tram wird nur bis ins Zentrum von Köniz geführt, das spart Kosten. Schliern wird neu mit dem Bus 17 oder 19 erschlossen, der entsprechend verlängert wird. Dies bringt zwar längere Fahrzeiten für Schliern, aber sie wollen ja unbedingt die Buserschliessung behalten. Den Status Quo erhalten macht keinen Sinn, das Tram wäre absolut sinnvoll. Antworten
Bern
- 15:02«Bis tausend Stellen gehen verloren»
- 14:12Mode am Laufmeter
- 14:02Kulturförderung: Ziele nicht erreicht – Stadt zahlt trotzdem
- 13:13Polizei und Retter sehen «erhebliche Risiken»
- 11:07«Tanz dich frei»: Gewerbe fürchtet Vandalen und ungebetene Gäste
- 09:53Energiewende: Erste Gemeinden eilen energisch voraus
Flugpreise vergleichen
Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.

Bitte warten



























