Bern
Velo- und Fussgängerlobby ortet Schwachstellen im Tramprojekt
Von Marc Lettau. Aktualisiert am 02.02.2012 1 Kommentar
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Das Projekt für eine neue Tramlinie zwischen Ostermundigen und Köniz beschäftigt Quartierorganisationen, Interessengruppierungen und Parteien durchaus: Im Laufe der öffentlichen Anhörung zum Vorprojekt – sie endete am Montag – sind laut den Projektverantwortlichen rund 130 Stellungnahmen eingegangen. Bis klar wird, welche Anregungen ins Bauprojekt aufgenommen werden, wird es freilich noch Monate dauern. Die Auswertung der Eingaben und die Prüfung ihrer Umsetzbarkeit dürften bis Mitte Jahr dauern.
Gleichwohl zeichnet sich ab, wo der Schuh drückt, haben doch etliche der Mitwirkenden ihre Stellungnahme auch den Medien zugestellt. Das Fazit, das sich aus der umfangreichen Post ziehen lässt: Das Vorprojekt wird mehrheitlich wohlwollend aufgenommen. Aber knifflige Detailfragen entscheiden jeweils über Sympathie oder Antipathie dem ganzen Projekt gegenüber.
Skeptische Velo-Lobby
Recht skeptisch äussert sich etwa Pro Velo Bern, der Verband für die Interessen der Velofahrenden in der Region Bern. Werde das Projekt in der jetzigen Form umgesetzt, entstünden für die Velofahrenden viele neue Gefahrenstellen und Behinderungen. Das könne Pro Velo Bern nicht akzeptieren. Die Organisation macht die Unterstützung des Tramprojekts davon abhängig, dass das Projekt in etlichen Detailpunkten «grundlegend» überarbeitet wird. Der öffentliche Verkehr und der Veloverkehr seien die Pfeiler für eine nachhaltige Mobilität. Mit dem Tram den Veloverkehr in Bedrängnis zu bringen, bedeute, einen der Trümpfe nachhaltiger Mobilität aufs Spiel zu setzen.
Irritierte Fussgängerinnen
Fussverkehr Bern, der Fachverband der Fussgängerinnen, attestiert dem Tramprojekt, es bringe «eine massive und erwünschte Qualitätsverbesserung» mit sich. Nicht zufrieden ist der Fachverband, dass er bis anhin seine Anliegen gar nicht explizit habe einbringen können. Das sei irritierend, «zumal die Fussgängerinnen die eigentliche Nutzergruppe des Trams sind». Im Detail verlangt Fussverkehr Bern, dass mit dem Tram gute Fusswegverbindungen geschaffen und die Querungen von Strassen sicher ausgestaltet werden. Das Tram trage auch zur neuen Entwicklung ganzer Stadträume bei. Ein wichtiges Fussgängeranliegen sei deshalb, dass ganz grundsätzlich für «sichere öffentliche Räume» gesorgt werde.
Ähnliche Anliegen bringt der Verein QM3 ein. Er vertritt die Interessen der Quartiere Holligen, Weissenstein, Mattenhof, Monbijou, Weissenbühl und Sandrain-Marzili und erhofft sich die Entschärfung der heutigen Konflikte zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern. Dazu müssten aber optimale Querungsmöglichkeiten für Fussgänger geschaffen werden. Eine Chance sei die Neugestaltung des Eigerplatzes.
Zweite Tramachse auf dem Wunschzettel
Für den Verein Läbigi Stadt ist das Tramprojekt auf seiner ganzen Länge «sinnvoll und die gewählte Linienführung grundsätzlich sinnvoll». Begrüssen würde Läbigi Stadt aber die Entlastung der Innenstadt durch eine zweite Tramachse. Die zweite Tramachse figuriert auch auf dem Wunschzettel des Grünen Bündnisses, das zudem mahnt, in der Diskussion um die Alleebäume entlang der Ostermundigenstrasse sei ein Umdenken seitens der Stadt nötig. Der Widerstand der Quartierbevölkerung sei gross, eine Baumfällaktion gelte es wenn immer möglich zu vermeiden. Auf diesen Konflikt hatte am Wochenende bereits Quavier, der Verein der Quartiere des Stadtteils IV, hingewiesen.
Punkto zweite Tramachse äussert sich die SP der Stadt Bern apodiktisch: Für die erfolgreiche Realisierung des Projekts bedürfe es «zwingend einer zweiten Tramachse zur Entlastung der Innenstadt». «Im Grossen und Ganzen» ist die SP mit dem Projekt aber zufrieden. Die erwartete Qualitätsverbesserung für den öffentlichen Verkehr sei «massiv». Noch ungenügend berücksichtigt seien die Interessen des Langsamverkehrs. Ungenügend geklärt seien ferner die Möglichkeiten zum Umsteigen auf die S-Bahn im Weissenbühl.
Die EVP von Bern, Köniz und Ostermundigen hat das Tramprojekt gemeinsam beraten und würdigt die Partizipationsmöglichkeiten. Diese seien vorbildlich gewesen. Weil aber Kritik an Details oft zu genereller Ablehnung führen könne, seien weitere Informationsanstrengungen nötig. In der Sache selbst bittet die EVP, die Planung der Tramwendeschlaufen zu verbessern. Entweder seien Optimierungen nötig, oder der Landverbrauch sei zu gross. (Der Bund)
Erstellt: 01.02.2012, 11:14 Uhr
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1 Kommentar
Ich finde, dass in diesem Artikel die "Skepsis" zu sehr zur "Ablehnung" aufgeblasen wird. Ich gehe davon aus, dass erwähnten Organisationen dem Tram Region Bern positiv gegenüberstehen und die Kritik vor allem als Anmerkungen zur Optimierung verstanden haben möchten - nicht aber als Einverständnis mit und Munition für die Tram-Gegner, die das ganze Projekt komplett abschiessen möchten. Antworten
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