Bern

Tschäppäts heimliche Schwäche für Blocher

Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 04.03.2010 67 Kommentare

Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät (sp) hat am Samstag nach dem YB-Spiel wüste Lieder über Christoph Blocher gesungen und damit eine kleine Affäre ausgelöst.

Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (sp) ist in letzter Zeit fast in Vergessenheit geraten. Die lokale Bühne wird von FDP-Stadtrat Philippe Müller und seiner Initiative zur Erhöhung der Polizeipräsenz dominiert. Aber Tschäppät hat sich zurückgemeldet – und sorgt mit einem fulminanten Auftritt gleich für nationales Aufsehen, wie gestern auf den Newsnetz-Webseiten (zu der auch derbund.ch gehört) nachzulesen war.

Offensichtlich trunken – natürlich vor Euphorie über den YB-Sieg gegen den FCZ –, ist er letzten Samstag auf die Bühne des linken Quartierschuppens «Luna Llena» gestolpert, um dort in einer Art Heimspiel Lieder von nicht zitierfähigem Inhalt über SVP-Aushängeschild Christoph Blocher zu singen. Assistiert wurde er dabei von der komödiantischen Trashband Mani Porno, die auf die Enthemmung des Stadtpräsidenten spezialisiert ist. So tanzte Tschäppät vor zwei Jahren an einer Late-Night-Show spontan zu den Klängen des Duos auf. Die Show stand unter dem Motto «Elder Statesmen».

Vom Staatsmännischen ist nach dem letzten Samstag allerdings nicht mehr viel übrig. Tschäppäts Auftritt sei «unwürdig» und schade dem Ansehen der Stadt, liess ebenjener Philippe Müller verlauten, der zurzeit nicht nur eine Abstimmung gewinnen, sondern auch ins Kantonsparlament gewählt werden will.

Dankbar für den Steilpass zeigte sich auch SVP-Grossratskandidat Erich Hess, der Tschäppät zum Rücktritt aufforderte. Die SP tut, was sie tun muss, und gibt sich zerknirscht ob der «unüberlegten Aktion». Tschäppäts Partei vermutet, dass ihr Aushängeschild der Euphorie anheimgefallen sei, die im «Luna Llena» geherrscht habe. Schliesslich nahm sogar Blocher selber Stellung und liess über sein Sekretariat ausrichten, dass er keine «primitiven Aussagen» kommentiere.

Tschäppät selber bekannte, er habe «teilweise mitgesungen», und entschuldigte sich schon mal präventiv. Dabei hat Berns starker Mann doch seit Jahren eine heimliche Schwäche für den starken Mann der SVP. Als Tschäppät der Eröffnungsfeier der Hodler-Ausstellung im Kunstmuseum Bern fernblieb, weil Hodler-Sammler Blocher im Patronatskomitee sass, stimmte die Tonlage, und der Applaus kam vom «richtigen» Publikum.

Hodler sei «kein Reaktionär» gewesen, wetterte Tschäppät und brach eine Lanze für die Kunstförderung, die im rot-grünen Bern doch so vorbildlich gepflegt werde. «Diese Haltung unterscheidet uns von jener Partei, die für sich Respekt verlangt und den anderen Respekt verweigert», sagte der Berner Stadtpräsident. (Der Bund)

Erstellt: 04.03.2010, 16:20 Uhr

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67 Kommentare

Markus Zürcher

04.03.2010, 06:55 Uhr
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@felix gerber: Sie bringen es auf den Punkt. Über den Stil von Herrn Tschäppät kann man sich streiten, aber im Vergleich zu dem was sich anderen Politikern so erlauben (dürfen) ist dies ja wohl ein kleines Übel. Es wäre doch wünschenswert, dass sich diejenigen die nun laut aufschreien, bei anderen, wirklichen Problemen auch so einsetzen und sich lautstark äussern würden. Antworten


Walter Sahli

03.03.2010, 11:46 Uhr
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Wer austeilt, muss auch einstecken können. Das gilt für einen nationalen Politiker, wie auch für einen Stapi! Allerdings wäre es natürlich wünschenswert, wenn die Art des Austeilens ein Mindestmass an Niveau hätte... Antworten



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