Bern
Studie attestiert der Velobrücke einen hohen Nutzen
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Die Autoren der «Nachfragebeurteilung» für die vom Kanton auf Eis gelegte Fussgänger- und Velobrücke Breitenrain–Länggasse sind des Lobes voll: Sowohl für die städtischen als auch die regionalen Velobeziehungen würde mit dem Bau der Verbindung «eine attraktive Alternative zur stark belasteten Zentrumsachse Lorrainebrücke–Schützenmatte–Bahnhofplatz–Bubenbergplatz geschaffen», heisst es in der vom Kanton in Auftrag gegebenen Studie, die dem «Bund» vorliegt. Die verwaltungsexternen Verkehrsexperten errechnen ein Potenzial von «mindestens 2500 Veloquerungen pro Tag».
Bis im Jahr 2020 sei mit einem Wachstum von 50 bis 100 Prozent zu rechnen. Die Brücke würde nicht «nur» vom Pendler-, sondern auch vom Freizeitverkehr in einem Einzugsgebiet von 70'000 bis 75'000 Personen beansprucht. Schliesslich könnte eine Brücke auch die S-Bahn-Haltestelle Wankdorf bezüglich der kombinierten Mobilität Bahn-Velo aufwerten. «Von einer Fussgänger- und Velobrücke kann eindeutig eine Signalwirkung für die angestrebte Förderung des Langsamverkehrs ausgehen», halten die Autoren fest.
«Nutzen wäre noch grösser»
Die Studie stammt aus dem Jahr 2008 und bezieht sich auf ein erstes Brückenprojekt auf dem Niveau Tiefenaustrasse/Lorrainestrasse. Die Kosten für dieses Projekt wurden auf 6 Millionen Franken veranschlagt, wobei der Bund bereits 2,1 Millionen Franken an die Finanzierung zugesichert hatte. Da die Baufelder beim Brückenkopf Lorraine anderweitig verwendet werden, wurde das Projekt 2008 neu gestartet.
Das neue Projekt zwischen Viererfeld und Polygonbrücke liegt sowohl geografisch als auch finanziell «eine Etage höher», da es mit 14 Millionen Franken zu Buche schlagen würde. «Der Nutzen der neuen Brücke wäre noch grösser als derjenige des ersten Projekts», sagt Ueli Weber, Oberingenieur des Kreises Bern-Mittelland. Allerdings seien auch die Anforderungen zur Errichtung eines solchen Bauwerkes grösser. Es mache aber keinen Sinn, die Planung weiterzutreiben, «bis klar ist, ob der Bund auch das neue Projekt unterstützt». Der Kanton hat den Bau der neuen Brücke aus finanziellen Gründen von 2014 auf 2021 bis 2028 verschoben (siehe «Bund» vom 27. April).
Pro Velo will Druck machen
Stefan Jordi, Präsident Pro Velo Bern, stellt sich die Frage, «ob nicht die Stadt die Planung an die Hand nehmen sollte». Dadurch könnte der Kanton unter Druck geraten, wieder mitzuziehen. Jordi fasst die Einreichung eines entsprechenden Vorstosses im Stadtparlament ins Auge. «Wenn der Nutzen der Brücke derart unbestritten ist, muss man mit der Planung jetzt beginnen», sagt Jordi. Oberingenieur Weber kann diese Ungeduld nachvollziehen. «Es wäre sicher nicht falsch, wenn die Stadt die Planung übernähme.»Aber das kantonale Tiefbauamt müsse seine knappen Ressourcen zurzeit für «grosse Brocken» wie den Umbau des Wankdorfplatzes, die Umfahrung von Worb oder das Tram Region Bern einsetzen.
Den von Jordi jüngst erhobenen Vorwurf, primär bei Projekten des Langsamverkehrs zu sparen, weist Weber von sich. «Für uns ist der Wankdorfplatz ein Projekt des Langsamverkehrs.» Schliesslich werde dort durch die unterirdische Führung des Autoverkehrs Platz für Velos und Trams an der Oberfläche geschaffen. Für einen Anteil an die Finanzierung der Velobrücke wolle der Kanton noch in diesem oder im nächsten Jahr beim Bund vorstellig werden. «Ist die Finanzierung durch den Bund gesichert, wären wir die Letzten, die sich bei der Planung sperren würden», sagt Weber.
Ein Komitee für die Brücke?
Das erste Brückenprojekt habe beim Bund als «Paradebeispiel» für ein Vorhaben des langsamen Agglomerationsverkehrs gegolten, sagt Oskar Balsiger, der einstige Fachstellenleiter Verkehrsplanung beim kantonalen Tiefbauamt. «Um die Blockade zu lösen, müsste man halt ein Komitee zur Realisierung der Brücke gründen», sagt Balsiger. (Der Bund)
Erstellt: 07.05.2012, 13:14 Uhr
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