Bern

«Schlöfle» und dann in die Aare hüpfen

Von Léa Zürcher. Aktualisiert am 05.10.2011 1 Kommentar

Die Kunsteisbahnen der Stadt Bern eröffnen die neue Saison bei ungewöhnlich warmen Temperaturen. Ein energieaufwendiges Unterfangen.

Bei den momentanen Temperaturen wird das Eis sorgfältig gepflegt.

Bei den momentanen Temperaturen wird das Eis sorgfältig gepflegt.
Bild: Adrian Moser

Neue Solarduschen gefordert

Ein weiteres Kapitel reiht sich in die Geschichte rund um Solarduschen im Marzilibad ein. Das Grüne Bündnis und Greenpeace fordern, dass bei einem Umbau des Marzilibads, mit welchem wohl nicht vor Ende 2012 zu rechnen ist, Solarduschen eingeplant werden. Diese sollen einen Wärmespeicher mit entsprechender Kapazität besitzen.

2003 hatte Greenpeace bereits drei solarbetriebene Duschen installiert, diese mussten jedoch wegen fehlender Wärmespeicher vor zwei Jahren wieder deinstalliert werden. Ob neue Solarduschen installiert werden, steht und fällt laut Thomas Mathis von Greenpeace mit dem Willen des Sportamts Bern. Unter anderem wird deshalb eine Kartenaktion ans Sportamt Bern lanciert. Bei der Finanzierung hofft Greenpeace auch auf die Unterstützung durch EWB.

Die Sonne scheint und wärmt. Temperaturen deutlich über 20 Grad lockten bis vergangenen Sonntag die Bernerinnen und Berner ins Wasser. Das Sportamt entschied aufgrund des spätsommerlichen Wetters, das Bad eine Woche länger geöffnet zu haben. Daneben muten die Marronistände in der Stadt noch ein wenig komisch an. Doch sie erinnern daran: Eigentlich ist Herbst. Auch die Kunsteisbahnen der Stadt Bern öffnen dieser Tage ihre Tore. Allen voran die Kunsteisbahn Weyermannshaus, die am Samstag, den 1. Oktober, die diesjährige Schlittschuhsaison einläutete.

Zu warm für lange Hosen

Viele sind es nicht, die sich an diesem Dienstagmorgen auf den Eisfeldern des Weyermannshaus tummeln. Ein paar angefressene Eishockeyspieler liefern sich ein spannendes «Plauschmätschli». Einer davon ist Christoph Stadelmann. Er ist mit seinem Sohn und Freunden hergekommen. Dies tut er eigentlich jeden Herbst, sobald die Eisbahn geöffnet ist. Dass es dieses Jahr so warm ist, freut ihn besonders: «Es gehört für mich eigentlich zu einem perfekten Herbst, aufs Eis zu können und danach noch in die Aare zu hüpfen», erklärt er und wischt sich den Schweiss von der Stirn.

Das Spielen bei diesen Temperaturen gibt warm – selbst im T-Shirt. Dieser Meinung ist auch Urs Schärer, der mit seinem Sohn Loui aufs Eis kam: «Eigentlich hätte ich kurze Hosen anziehen sollen», lacht er. «Aber es macht Spass, jetzt am Saisonanfang und bei diesen Temperaturen ist man fast allein und kann sich austoben.» Laut Ueli Hachen, Anlagechef der Kunsteisbahn Weyermannshaus, sind die Besucherzahlen bis jetzt im normalen Bereich, aber das warme Wetter mache sich schon bemerkbar: «Die Leute kommen eher gegen Abend.» Dies wohl auch, weil sie während der Herbstferien andere Tagesprogramme hätten.

Keine einfache Aufgabe

Das Weyermannshaus macht es vor, am kommenden Samstag zieht die Ka-We-De und eine Woche darauf die Aussenanlage der Postfinance-Arena nach. Die Kompressoren der Ka-We-De wurden bereits vergangenen Freitagabend angeworfen und laufen auf Hochtouren. Das Eishockeyfeld und das Feld für alle anderen Schlittschuhlaufenden sollen bis am Samstag, 8. Oktober, perfekt präpariert sein. Zurzeit keine einfache Aufgabe. Jetzt bei Saisonstart im Herbst ist das Prozedere deutlich energieaufwendiger als etwa im Frühling, weil der Boden durch die Sommermonate stark aufgeheizt ist.

Man kämpft also zugleich gegen die im Boden gespeicherte Wärme und die Wärme der Sonneneinstrahlung. Doch Bernhard Zumbrunn vom Sportamt Stadt Bern versichert: «Wir werden mit beiden Feldern bis Samstag fertig werden.» Zwar habe das Eishockeyfeld wegen der geplanten Matches Priorität, doch auch das Feld für die normalen Kufenläufer soll am Samstag bereit sein. Denn gegen Ende Woche wird das Wetter drehen – zum Glück: «Direkte Sonneneinstrahlung und warme Luft sind die beiden grössten Feinde einer Kunsteisbahn, die kommende Kälte kommt der Eisbahn-Präparation daher sehr gelegen.»

Gewaltiger Energieverbrauch

Im Moment wird nachts gearbeitet. Sobald die Sonne abends verschwindet, beginnt die Bespritzung der Felder. Unter dem Betonboden der Felder verlaufen im Abstand von zehn Zentimetern Rohre, durch die CO2 strömt, das dem Boden die Wärme entzieht. Ist die Temperatur tief genug, werden mehrere Lagen Wasser aufgetragen, dazwischen ein Gemisch aus Kreidemehl und Wasser, das den Boden weiss aussehen lässt. Der Stromverbrauch für die Eisherstellung «ist gewaltig», sagt Zumbrunn, genaue Zahlen könne er aber nicht nennen. Wäre es denn nicht ökologischer, die Eröffnung der Kunsteisbahn um ein paar Wochen zu verschieben? «Dies ist nicht machbar, weil die Spielpläne der unteren Ligen schweizweit koordiniert sind und die Saison nun beginnt.»

Im Weyermannshaus spielt der Heimklub EHC Rot-Blau Bern-Bümpliz heute Abend bereits das erste Freundschaftsspiel, gegen die Huttwil Falcons. Und mit dem Temperatursturz Ende Woche hält der Herbst nun wohl auch wettertechnisch in Bern Einzug. Ob es jedoch diesen Winter genug kalt wird, damit die Natureisbahn der Stadt Bern, das Egelmösli, überhaupt befahrbar ist, dürfte indes ungewiss bleiben. (Der Bund)

Erstellt: 05.10.2011, 11:25 Uhr

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1 Kommentar

Manuel Heiniger

05.10.2011, 14:57 Uhr
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Im moment versuchen sich ja fast alle Politiker mit Schlagwörter wie "nachhaltig" oder "umweltbewusst" zu profilieren. Aber kommt von denen niemand in den Sinn das dieses Vorgehen ein ökologischer Unsinn ist?! Genau hier sollten wir genug intelligent bzw. flexibel sein und uns auch den Umständen entsprechend anpassen. Antworten



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