Schlechte Noten für die Kulturverträge
Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 27.08.2010 1 Kommentar
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Pascal Rub (FDP) war verärgert: «Das Stadttheaterschiff ist seit zwei Jahren führungslos», sagte er zu Beginn der Sonderdebatte zum Thema Kultur im Berner Stadtrat. Für die Sanierung des Gebäudes würden immer höhere Kosten veranschlagt. Niemand sei bereit, Verantwortung zu übernehmen. «Es geht aber um Menschen, es geht um die Mitarbeitenden der Kulturinstitutionen und um die Steuerzahler.» Rub verlangte, dass der Kanton beim Stadttheater die Führung übernehmen solle. Für die Positionierung des neuen Musiktheaters, das aus der Fusion von Stadttheater und Symphonieorchester hervorgehen soll, brauche es ein breit abgestütztes Konzept. Der FDP-Politiker drohte schliesslich mit einer Ablehnung der Leistungsverträge 2012 bis 2015 für die fünf grossen Stadtberner Kulturinstitutionen, über die das Parlament 2011 befinden wird.
Region soll sich stärker beteiligen
Angesichts des hohen Sanierungsbedarfs des Stadttheater-Gebäudes verlangte Daniela Lutz (GFL) «zwingend kostendeckende Mietzinse». Michael Köpfli (GLP) kritisierte die Regionalkonferenz, die mit dem bisherigen Finanzierungsschlüssel fortfahren wolle. «Der Finanzierungsschlüssel widerspricht dem Verursacherprinzip.» Nach wie vor trügen der Kanton 50, die Stadt 39, die Regionsgemeinden aber lediglich 11 Prozent der Kosten. Dabei stamme die Hälfte des Publikums aus der Agglomeration. Auch Köpfli drohte mit einer Ablehnung der Leistungsverträge. Insbesondere Köniz als Standort der Vidmarhallen müsse sich stärker an den Kosten beteiligen. «Die Stadt muss endlich richtig Druck aufsetzen.» Falls sich die Regionsgemeinden nicht stärker beteiligten, drohe ein Abbau bei Qualität oder Quantität. Köpfli hat gestern einen Vorstoss eingereicht, in dem er günstigere Tarife für Stadtbernerinnen und Stadtberner im Stadttheater fordert.
Hofer will Volk abstimmen lassen
Auch Henri-Charles Beuchat (CVP) bemängelte den Kostenverteiler zuungunsten der Stadt und sprach sich für kostendeckende Mietzinse im Stadttheater aus. Die Stadt habe bei der Ausarbeitung der neuen Kulturverträge schlecht verhandelt. Sie gebe mehr Geld und erhalte weniger Kultur.
Nicola von Greyerz (SP) mochte nicht in diesen Chor einstimmen. «Es geht nicht an, dass die Stadt den Regionsgemeinden das Messer an den Hals setzt.» Von Greyerz lobte die grössere künstlerische und kaufmännische Freiheit, welche die Verträge den Institutionen ermöglichten. Christine Michel (GB) bemängelte das Fehlen einer Gesamtschau. «Wir möchten wissen, wie viel Geld für die kleinen Kulturinstitutionen übrig bleibt.» Jimy Hofer (parteilos) stellte ebenfalls grundsätzliche Fragen. Er verlangte eine gesonderte Volksabstimmung zum Stadttheater. Hofer befürchtete, dass die Sanierungskosten fürs Stadttheater-Gebäude bis auf 65 Millionen Franken steigen könnten. «Macht es Sinn, in einer Provinzstadt ein Vierspartenhaus zu betreiben?» Das Stadttheater sei ein «absoluter Luxus», sagte Hofer.
«Es gibt kein Notfallszenario»
Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) bedauerte, dass sich niemand zum neu ausgearbeiteten Konzept des Musiktheaters geäussert habe, wie dies Rub in seinem Antrag zur Einberufung der Sonderdebatte ursprünglich verlangt hatte.
Über die Kulturverträge werde der Stadtrat im Januar 2011 befinden können. Im Mai 2011 könne das Stadtberner Volk an der Urne sein Votum abgeben. «Falls die Verträge abgelehnt werden, gibt es kein Notfallszenario.» Es sei allenfalls eine Verlängerung der laufenden Kulturverträge möglich. Finde man danach keinen Konsens, «wird man im Endeffekt die Häuser wohl schliessen müssen», sagte der Stadtpräsident. (Der Bund)
Erstellt: 27.08.2010, 08:45 Uhr
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1 Kommentar
Toll was da unter "Kultur" so getrieben und verdient wird. Neue Definitionen sind: - Kultur ist was andere bezahlen - Kultur ist wenn man trotzdem lacht Ich meine dass die "Konsumenten und Verursacher" solcher Kulturanlässe und -institutionen mehr zur Kasse gebeten werden müssen . Denn Kultur hat seinen Preis und soll nicht auf dem Buckel aller unbeteiligten Steuerzahler gemacht werden. Antworten
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