Klares Resultat, unklares Projekt

Nach hartem Ringen gibt der Berner Stadtrat grünes Licht für die Sanierung des Stadttheaters. Das deutliche Ergebnis trügt: Die Kritiker gaben zwar klein bei, überzeugt sind sie aber nicht.

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Die Stadt Bern soll sich mit 19,05 Millionen Franken an der Sanierung des Stadttheaters beteiligen. Das Stadtparlament, das für einmal im Kursaal tagte, hat am Donnerstagabend einen umstrittenen Kredit genehmigt.

Der Stadtrat stellte sich nach ausführlicher Debatte dann doch klar mit 59 Ja- zu 5 Nein-Stimmen hinter den Sanierungskredit. Einen gemeinsamen Rückweisungsantrag der FDP, der BDP und der Grünliberalen schickte er zuvor mit 43 zu 27 Stimmen bachab.

Im Grunde genommen ist die Sache klar. Mit 55 zu 5 Stimmen hat der Berner Stadtrat gestern Abend im Kursaal den 19-Millionen-Franken-Kredit für die Sanierung des Stadttheaters Bern bewilligt. Ein Resultat, das nach dem Wirbel um den Mängelbericht von Emch + Berger so deutlich nicht erwartet worden war. Ein Resultat auch, das durch Ja-Mehrheiten aus allen politischen Lagern zustande kam. Eine klare Sache. Im Grunde genommen.

Denn obwohl im Stadtparlament unbestritten war, dass das Theatergebäude instand gesetzt werden muss, war der Schlussabstimmung ein hartes Ringen vorausgegangen. Es entzündete sich am Rückweisungsantrag der Fraktionen GLP, FDP und BDP/CVP. Sie wollten die Stadtregierung beauftragen, das Projekt zu aktualisieren und Klarheit zu schaffen über den Inhalt der Sanierung. Dieser ist aufgrund des «Design to cost»-Ansatzes, bei welchem Sanierungsmodule im Verlaufe der Arbeiten gestrichen werden können, weiterhin offen. Beim Rückweisungsantrag fiel das Ergebnis denn auch wesentlich knapper aus: Er wurde mit 43 zu 27 Stimmen abgelehnt. Und in dieser Debatte wurden auch jene Argumente geäussert, die in der Volksabstimmung über den Sanierungskredit, die im November ansteht, noch für einige Unruhe sorgen könnten.

«Nachhaltig ist anders»

Etwa jenes, dass das Bauprojekt keine nachhaltige Lösung sei, wie FDP-Vertreter Pascal Rub erklärte. Die Kosten des Gesamtprojekts von 45 Millionen Franken entsprächen nicht dem Sanierungsbedarf, sagte er. Vielmehr sei dies der «politische Preis», den Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) mit Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne) ausgehandelt habe. Nun werde nur saniert, was mit diesen Mitteln möglich sei. Die Folge: «Einige Arbeiten werden aufgeschoben und müssen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Zudem steigen die Unterhaltskosten», so Rub. «Nachhaltig ist anders.»

Für Michael Köpfli (GLP) war das Sanierungsprojekt noch nicht reif, um vom Parlament genehmigt zu werden. Die Planer seien nicht in der Lage, zu definieren, welche Projektbestandteile sakrosankt seien und welche allenfalls noch gestrichen würden. «Das ist eine Katze im Sack.» BDP/CVP-Fraktionspräsident Kurt Hirsbrunner übte derweil Kritik am Gemeinderat und der Verwaltung. Sie hätten die Kommission nicht mit allen wichtigen Grundlagen beliefert und damit eine Diskussion des Geschäfts verunmöglicht. Wie seine Mitstreiter wünschte sich Hirsbrunner «Transparenz». Selbst auf linker Ratsseite fanden Rub, Hirsbrunner und Köpfli Zustimmung. Ihr fehle das Vertrauen, dass das Geschäft reif sei und den Segen des Stadtrates verdiene, erklärte Stadträtin Nicola von Greyerz. Mit einer kleinen Gruppe von SP-Vertretern enthielt sie sich der Stimme.

Stadtrat ist nicht Projektamt

Eine Mehrheit des Parlaments entschied sich jedoch dafür, «das Risiko einzugehen», wie Stefan Jordi (SP) es ausdrückte. Die Forderung nach mehr Detailtiefe beim Projekt sei nicht angemessen. «Wir im Stadtrat sind nicht das Projektamt», so Jordi. Bei komplexen Bauvorhaben sei es normal, dass während der Realisierung noch Anpassungen vorgenommen würden.

GFL-Sprecher Lukas Gutzwiller bekräftigte zwar, dass bis im November mehr Transparenz über das Projekt nötig wäre. Für seine Fraktion überwog die Dringlichkeit der Sanierung jedoch den Mangel an Informationen. GB/JA-Vertreterin Christine Michel wiederum erinnerte an die schwierige Arbeitsplatzsituation der rund 500 Stadttheater-Mitarbeiter. Dieser Missstand könne durch die Sanierung behoben werden.

Zuletzt war es Stadtpräsident Tschäppät selbst, der die Komplexität des Vorhabens nochmals zusammenfasste: Das Haus sei alt, das Kostendach tief und die Finanzierungssituation mit den vielen Geldgebern schwierig. Gerade deshalb sei eine Rückweisung «ein Spiel mit dem Feuer, ein unglaublich hohes Risiko». (Der Bund)

Erstellt: 30.08.2013, 06:58 Uhr

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