SP nominiert Tschäppät und Wyss
Von Philipp Schori. Aktualisiert am 14.02.2012 3 Kommentare
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«Einstimmig, ohne Enthaltungen»: So lautete das Abstimmungsresultat an der SP-Nominationsversammlung am Montagabend. Es war zu erwarten: Alle rund einhundert SP-Delegierten der Stadt Bern sprachen sich für das Zweierticket Wyss/Tschäppät aus. Die beiden treten damit für die Sozialdemokraten zu den Gemeinderatswahlen vom 25. November 2012 an; Wyss soll den Sitz der abtretenden Gemeinderätin Edith Olibet verteidigen.
Mit Nationalrätin Ursula Wyss und Stadtpräsident Alexander Tschäppät verfügt die SP über zwei Kandidaten mit nationaler Ausstrahlung. Gleichwohl wurden die beiden den SP-Delegierten vor der Nomination kurz vorgestellt – von der Komikerin Alexandra El Khoury. Zunächst knöpfte sie sich den Stadtpräsidenten vor: Er sei ein Sunnyboy mit Dreitagebart, der auf Cüpli stehe und seinen Bundeshaus-Badge einem «grossen FDP-Mädchen» geschenkt habe – gemeint war Tschäppäts Gemeinderatskollegin Barbara Hayoz. Ursula Wyss hingegen trinke lieber Campari orange anstatt Cüpli. Und nach dem Apéro esse sie am liebsten Fertigpizzen; diese backe sie jeweils in einer Mikrowelle auf, die in der Parteifarbe rot gehalten sei.
Doch es ging auch ernster zu und her gestern an der SP-Versammlung: Nachdem sich die beiden Kandidaten auch noch selbst vorgestellt hatten, erhob sich Verena Zimmermann von der SP Süd von ihrem Stuhl: «Es ist schad», sagte sie, Ursula Wyss sei derart vorgeprescht, dass alle anderen SP-Frauen ihre Ambitionen auf einen Gemeinderatssitz rasch hätten begraben müssen. Somit sei eine Chance vertan worden: «Keine andere Frau hat sich innerhalb eines Nominationsverfahrens profilieren können. Stattdessen wurden sie von der Presse herabgewürdigt.»
Quereinsteigerin in Stadtpolitik
Hat die Kandidatur Wyss der einen oder anderen verdienten Stadtberner Politikerin ein Bein gestellt? Klar ist: Wyss’ Nomination durch die Stadtberner SP stand praktisch schon fest, als sie im letzten November ihre Kandidatur bekannt gab. Dies, obwohl Nationalrätin Ursula Wyss in Sachen Stadtpolitik eine Quereinsteigerin ist. Gegen das Polit-Schwergewicht, das seit 2006 die SP-Bundeshausfraktion leitet und bei der Abwahl Blochers die Fäden zog, mochte intern niemand antreten. Evi Allemann etwa, die andere Berner Nationalrätin, sagte von Anfang an: «Mein Entscheid hängt von Ursula Wyss ab.» Trete Wyss an, werde sie verzichten, so Allemann.
«Klar, es gab auch andere gute Leute», sagte Thomas Göttin, Co-Präsident der Stadtberner SP gestern im Vorfeld der Nominationsversammlung. Aber das Zweierticket Wyss/Tschäppät sei «eine gute Sache für die SP». Das sagt Göttin wohl nicht zuletzt, weil Wyss der Partei möglicherweise behilflich sein könnte, im Stadtrat endlich wieder einmal zuzulegen. Schliesslich hat die promovierte Ökonomin bei den letzten Nationalratswahlen ein Glanzresultat erzielt: Mit fast 95'000 Stimmen ist Wyss die bestgewählte Nationalrätin ausserhalb von SVP und BDP. Zum Vergleich: Alexander Tschäppät kam mit 43'000 Stimmen gegenüber Wyss nicht einmal aus dem Schneider.
Erringt Wyss Ende Jahr den angestrebten Gemeinderatssitz – wovon auszugehen ist –, wird sie ihr Nationalratsmandat aufgeben. Das kündigte sie gestern an. Freuen kann sich Nadine Masshardt, die in diesem Fall in die Grosse Kammer nachrutschen würde.
«Für weniger Schwingfest und mehr Gurten sozusagen»
«Ich bin auch jetzt noch nervös», begann Tschäppät sein kurzes Statement vor den Delegierten, «auch nach zwölf Jahren im Gemeinderat und acht Jahren als Stadtpräsident.» Bald kam er auf die «Verdienste von Rot-Grün» zu sprechen: Die Stadt Bern habe es geschafft, den Haushalt zu sanieren und den Bevölkerungsschwund zu stoppen. Zudem sei Bern der Wirtschaftsmotor des Kantons – «auch wenn der Kanton das noch nicht begriffen hat.» Das zeige etwa die Installation des Hauptsitzes der Postfinance – «der einzig rentablen Schweizer Bank» – in der Bundesstadt: «Da können wir auf CS und UBS gut verzichten.»
Für eine Partei sei es wichtig, sich stets personell zu erneuern, sagte der 59-Jährige weiter. «Das ist uns im Gegensatz zu den Bürgerlichen mit der 39-jährigen Ursula Wyss geglückt.» Er freue sich zusammen mit ihr für ein urbanes Bern zu kämpfen: «Für weniger Schwingfest und mehr Gurten sozusagen.» Tschäppät kandidiert in diesem Jahr zum letzten Mal und freue sich, so Tschäppät zum Schluss, «Ursula Wyss 2016 das Stadtpräsidenten-Büro zu übergeben.»
(Der Bund)
Erstellt: 13.02.2012, 20:37 Uhr
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