SP bearbeitet Wähler per Telefon

Mit einer Telefonkampagne will die Partei ab November potenzielle Wähler erreichen.

Die Telefonkampagne hat schon erste Erfolge eingebracht. Was kommt nun? (Symbolbild)

Die Telefonkampagne hat schon erste Erfolge eingebracht. Was kommt nun? (Symbolbild) Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Mit einer Wahlkampfmethode, die in Ländern wie den USA und Grossbritannien längst üblich ist, möchte die SP nun ihre inaktive Wählerschaft in der Stadt Bern mobilisieren. Zwischen dem 5. und dem 25. November will die Partei im Rahmen ihrer «Basiskampagne» per Telefon rund 150 Freiwillige zum Hörer bitten.

Diese sollen in den drei Wochen vor den Stadtwahlen 5000 parteinahe Wähler davon überzeugen, an die Urne zu gehen – und SP zu wählen. Die letzten Erfahrungen mit dem Telefon-Marketing waren für die Partei durchzogen. Im Gegensatz zu den letztjährigen kantonalen Wahlen in Luzern und Zürich konnte die Partei soeben im Aargau und in Basel-Stadt mit einer gross angelegten Telefonkampagne deutliche Erfolge erzielen.

Im Aargau gewann die Partei fünf Parlamentssitze dazu, in Basel-Stadt immerhin einen («Bund» vom Montag). Ähnlich wie im US-Präsidentschaftswahlkampf 2008 nutzte die SP 2015 prominente Politiker als Zugpferd für die Telefonkampagne. Stadtpräsident Alexander Tschäppät griff höchstpersönlich zum Hörer.

In diesem Jahr werde man nicht in erster Linie öffentliche Personen für die Kampagne nutzen, sagt Michael Sutter, Parteisekretär der SP Stadt Bern: «Für die Anrufe haben wir alle Mitglieder und Unterstützer unserer Partei angefragt.» Ziel ist es laut Sutter, möglichst viele Listenstimmen zu bekommen und die zwei Sitze der SP im Gemeinderat zu verteidigen.

Zu diesem Zweck wolle man die Person am anderen Ende der Leitung vom Gang an die Urne und von den Kernthemen der SP im Wahlkampf überzeugen. In diesem Wahlherbst seien dies die Schaffung von günstigem Wohnraum und familienexternen Betreuungsangeboten sowie eine würdige Unterbringung von Menschen, die auf der Flucht sind.

Verspieltes Potenzial

Der Berner Politologe Mark Balsiger findet die Methode der SP innovativ. In der Schweiz sei sie noch relativ neu, in anderen Ländern dagegen seit Jahrzehnten gang und gäbe. Den Kontakt mit potenziellen Wählern per Telefon aufzunehmen, ist laut Balsiger ein effektives Mittel, um in der Schlussphase zu mobilisieren. Mitglieder und Sympathisanten würden damit persönlich und emotional an die Partei gebunden.

Den Wahlkampf über den Telefonhörer legt der Politikberater auch anderen Parteien ans Herz: «Eine Studie nach den Nationalratswahlen von 2011 hat gezeigt, dass CVP, FDP und SP nur 50 bis 60 Prozent ihrer jeweiligen Basis auch an die Urne bringen. Im Gegensatz dazu schöpft die SVP 81 Prozent ihres Potenzials aus.» Die meisten klassischen Wahlkampfaktivitäten verpufften, weil sie nicht auf bereits parteiaffine Zielgruppen ausgerichtet seien.

Keine klaren Listentipps

Dem Vernehmen nach stösst das Vorgehen der SP bei den grünen Bündnispartnern nicht auf eitel Freude. Sie befürchten, dass andere RGM-Kandidaten von der Wahlliste verdrängt werden, wenn die SP zum Kumulieren ihrer Kandidaten aufruft. Michael Sutter sagt, die Massnahmen seien jeder Partei selbst überlassen. Zwar gebe es auch innerhalb der Liste eine Konkurrenzsituation, man empfehle jedoch keine Streichung eines konkreten Kandidaten. (Der Bund)

Erstellt: 26.10.2016, 06:36 Uhr

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