Bern

Rückfallgefahr der Florapark-Täterin «hoch»

Aktualisiert am 13.08.2010

Im November 2008 lebte eine junge Frau ihre Gewaltphantasien aus und tötete im Berner Florapark einen Mann. Die psychiatrische Gutachterin schätzt nun vor Gericht das Rückfallrisiko der Täterin als hoch ein.

Nach der Tat: Die Polizei sucht den Florapark ab.

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Der eigentliche Prozess gegen die heute 24-jährige, mutmassliche Täterin beginnt erst am 7. September 2010. Da die Gutachterin dann aus terminlichen Gründen nicht an der Verhandlung teilnehmen kann, lud sie das Kreisgericht bereits heute Freitag zu einer vorgezogenen Beweisaufnahme ein.

Die geständige Täterin leide an einer schweren, kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotionaler Instabilität und einer narzisstischen Komponente. Dazu kämen ausgeprägte Gewaltphantasien, kam die Gutachterin zum Schluss. Alle Therapien hätten bisher nicht das gewünschte Ergebnis erzielt.

Lange Krankengeschichte

Die Frau hat bereits eine lange Krankengeschichte. Gemäss der Gutachterin sind derart ausgeprägte Gewaltphantasien ein Einzelfall und diagnostisch schwer einzuschätzen. Therapieansätze, die verlässlichen Erfolg versprächen gibt es ihrer Ansicht nach momentan nicht.

Als Kind und Jugendliche habe die Täterin die Gewaltphantasien noch als störend empfunden. Nach und nach habe sie aber gemerkt, dass sich negative Erlebnisse oder mangelndes Selbstwertgefühl mit den Phantasien kompensieren liessen.

Diese Prozesse hätten sich in der Persönlichkeit der Frau sehr tief eingegraben. Die junge Frau habe ihr gegenüber seinerzeit geschildert, sie habe die Tat im Florapark positiv erlebt. Die Gutachterin schätzt deshalb die Rückfallgefahr als hoch ein.

Absichtlich provoziert?

Der Anwalt der mutmasslichen Täterin zitierte aus einem Schreiben der jungen Frau vom Mai dieses Jahres. Darin schrieb sie, sie habe seinerzeit gegenüber der Gutachterin provokante Aussagen gemacht, «weil ich damals dachte, mir sei egal, was mit mir passiert». Heute sehe sie das anders.

Diese Äusserungen seien spontan schwierig einzuschätzen, entgegnete die Gutachterin. Der Verlauf der Krankengeschichte lege indessen nahe, dass die Aussicht, die Gewaltphantasien dauerhaft zu kontrollieren, eher gering sei, blieb die Expertin bei ihrer Einschätzung.

Der Polizei bekannt

Die zur Tatzeit 22-jährige Schweizerin hatte in der Nacht auf den 18. November 2008 mit einem 52-jährigen Mann aus Sri Lanka sexuelle Kontakte im Florapark. Plötzlich zückte sie ein Messer und begann auf ihr Opfer einzustechen. Die Polizei nahm die junge Frau vor Ort fest.

Der Polizei war die Frau bekannt, weil sie verschiedentlich aus psychiatrischen Institutionen ausgebrochen war. Als 16-Jährige hatte sie zudem versucht, ihren Bruder mit einem Messer zu töten.

Nach der Tat entbrannte eine heftige Debatte, warum die Frau trotz ihrer offensichtlichen Gefährlichkeit vor der Tat in einer betreuten Wohngemeinschaft leben konnte. Laut einer Untersuchung hatten die Universitären Psychiatrischen Dienste Bern die Gefährlichkeit der Frau offenbar unterschätzt.

Die mutmassliche Täterin war am Freitag im Gerichtssaal anwesend. Eine zierliche, junge Frau, die braunen Haare adrett zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Einzig die Hand- und Fussfesseln, die sie während der gesamten Verhandlung nicht ablegen durfte, deuteten auf ihr Gewaltpotenzial hin. (met/sda)

Erstellt: 13.08.2010, 14:12 Uhr

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