Was als unbewilligtes Fest begann, endete als Krawallnacht

In der Nacht auf Sonntag endete eine Demonstration in Krawallen. Dabei war die Stimmung am vorangehenden Fest am Warmbächliweg noch friedlich, sagen Besucher.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Jetzt gehts los: Die interplanetar-kosmosolidarische Sauvage beginnt!!!»: Mit dieser SMS-Nachricht wurden am Samstagabend junge Bernerinnen und Berner auf das Warmbächli-Areal bei der ehemaligen Kehrichtverbrennungsanlage gelotst. Bereits im Laufe des Tages hatte sich das Gerücht verbreitet, wonach es am Abend zu einer «Sauvage» kommen werde, einem unbewilligten Fest an einem noch unbekannten Ort, zu dem man per Mund-zu-Mund-Propagana eingeladen wird. Das Ketten-SMS war ein Erfolg: Mehrere Hundert Personen fanden nach zehn Uhr abends den Weg zur Brache.

Verschiedene linksautonome Gruppierungen sprechen in ihren Mitteilungen gar von über tausend Personen. «Friedlich», «laut und ausgelassen» sei es gewesen, sagen Besucherinnen und Besucher. Dass es später am Abend zu Strassenschlachten, eingeschlagenen Fensterscheiben, Gummischrot und Tränengas kommen würde, daran dachten viele von ihnen nicht.

Viele «normale Partybesucher»

Auf dem Warmbächliareal erwarteten die Besucher Konzerte, verschiedene Bars und ein grosses Lagerfeuer. Das Bier war für drei Franken zu haben, die jungen Besucher brachten ihre Getränke teils auch selbst mit. Gewisse Brüche in der Festlaune gab es dennoch. «Manche Bierverkäufer waren vermummt», sagt eine Besucherin. Auch sei den Eintretenden beim Einlass ein Merkblatt verteilt worden, auf dem geschrieben stand, wie man sich im Falle einer Festnahme zu verhalten habe. Die Polizei spricht in ihrem Mediencommuniqué von Vermummten, die die Zugänge bewacht hätten, ausgestattet mit Funkgeräten.

Gegen ein Uhr kam schliesslich Bewegung in die Gesellschaft, es formierte sich ein Demonstrationszug, angeleitet von Soundmobilen. Mehrere hundert Personen folgten den Wagen und der Demospitze, die sich zwischenzeitlich mit Transparenten ausgestattet hatte. «Walk of Shame» stand darauf zu lesen. Im Vorfeld war kommuniziert worden, die Erlöse der Party würden Flüchtlingen auf Griechenland zugutekommen. Inzwischen erinnerte aber die Szenerie an den Anlass «Tanz dich frei», bei dem Jugendliche auf der Strasse Party machten und Freiräume einforderten. «Tanz dich frei» fand zwei Mal friedlich statt, bevor der Umzug 2013 in schweren Ausschreitungen mündete.

Das Video eines Reporters von «Radio Neo1» zeigt den Umzug.

Krawall am Bühlplatz

Zu massiven Sachbeschädigungen kam es bereits am Loryplatz. Es wurden Scheiben eingeschlagen, Böller gezündet und Wände versprayt. Die Polizei berichtet von besorgten Anrufern, unter anderem aus dem Frauenspital und einem Altersheim. «Es hat sich bald abgezeichnet, dass es einer kleinen Minderheit darum ging, die Situation in der Masse auszunutzen», sagt SP-Stadtrat und Parteisekretär Michael Sutter, der mitgelaufen war, um die Geschehnisse zu verfolgen. Als sich die Konfrontation mit der Polizei abzeichnete und Sutter den Schauplatz verliess, hätten es ihm viele andere Demonstranten gleichgetan. Sie seien keine linksautonomen Chaoten gewesen, sondern «normale Partybesucher.»

Mit den übrigen kommt es am Bühlplatz vor zwei Uhr morgens zur Auseinandersetzung. Um die Demonstranten davon abzuhalten, in die Stadt zu gelangen, hatte die Polizei mehrere Sperren errichtet. Gewaltbereite Demonstranten zünden Feuerwerk und werfen Steine auf die Polizisten, auch Feuerwehrleute werden angegriffen. Ein Stein, gemäss Foto der Polizei mit einem Durchmesser von 13 Zentimetern, durchschlägt das Beifahrerfenster eines Feuerwehrautos und trifft einen Mitarbeiter. Die Polizei setzt Tränengas und Gummischrot ein, ein Wasserwerfer kommt zum Einsatz. Ein Teil des Demozugs splittet sich auf, mehrere Sperren an der Laupen- und Effingerstrasse sorgen dafür, dass die Randalierenden scheitern und sich schliesslich verziehen.

Keine Massenpanik riskiert

Für Polizeichef Manuel Willi verlief der Einsatz insofern erfolgreich, als dass der Demozug die Innenstadt nicht erreichte. Der Einsatz sei «äusserst anspruchsvoll» gewesen. Und anders geplant. Denn nachdem bei der Polizei um 22 Uhr Lärmklagen eingegangen waren, hatte die Polizei Verstärkung bestellt. «Wir waren in den Vorbereitungen begriffen, um zu intervenieren und die Situation betreffend Lärmklagen zu verbessern. Dann kam es aber bereits zum Umzug.» Die Intervention hätte sich ohnehin schwierig gestaltet, sagt Willi. «Fakt ist, dass man eine unbewilligte Party mit so vielen Beteiligten, dazu noch in einer Bausenke und im Dunkeln, nicht einfach so auflösen kann. Die Gefahr einer Massenpanik ist zu gross.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.05.2016, 20:39 Uhr

Artikel zum Thema

Aktivisten an christlicher Tanz-Demo festgenommen

Die christliche Tanzdemonstration auf dem Bundesplatz verlief ohne grösseren Zwischenfall. Die Polizei nahm Gegendemonstranten fest. Mehr...

Reclaim-the-Streets-Demo: Mitläufer verurteilt

Ein zur Tatzeit 19-Jähriger ist wegen Landfriedensbruchs zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden. Er war bei einer äusserst gewalttätigen Demonstration vor Ort. Mehr...

Das Warmbächli-Brachland sucht Pioniere

Bevor am Warmbächliweg Wohnungen entstehen, soll die Brache belebt werden, findet ein Quartierverein. Einige Projekte sind bereits angedacht, doch Ideen für zusätzliche Projekt sind weiterhin gefragt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Die Welt in Bildern

Abgetaucht: In Zürich geniesst man die sommerlichen Temperaturen mit einem Bad im See. (26. Mai 2017)
(Bild: Walter Bieri) Mehr...