Puff sorgt für Zoff in der SVP

Der SVP-Gemeinderatskandidat Stefan Hofer verdiente sein Geld mit Prostituierten. Die SVP-Spitze sieht trotzdem keinen Grund, dessen Geschäfte zu durchleuchten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

SVP-Gemeinderatskandidat Stefan Hofer führte von 2004 bis 2006 den Saunaclub Kleopatra in Bargen bei Aarberg, bis 2014 verdiente er als Liegenschaftsbesitzer Geld mit dem Freudenhaus. Gabriela Burri, aktuelle Geschäftsführerin des Bordells, erhebt derweil Vorwürfe gegen ihren früheren Vermieter. Hofer habe bei ihnen immer noch Rechnungen von Reparaturen offen. «Wir prüfen nun, ob wir ihn betreiben sollen.»

Auf Nachfrage sagt Hofer, mit dem neuen Eigentümer sei eine Vereinbarung unterzeichnet worden. «Die noch offenen Punkte werden bis Ende März 2016 erledigt sein.» Bei der von Frau Burri beschriebenen Rechnung handle es sich um einen Teil dieser Vereinbarung.

Parteikollegen reiben sich die Augen ob der Rotlichtvergangenheit des künftigen Grossrats: «Das sind neue Erkenntnisse. Diese rechtfertigen, dass man die Sache in der Parteileitung nochmals genau anschaut», sagt SVP-Stadtrat Henri Beuchat, der in der internen Ausmarchung für die Gemeinderatsliste gegen Hofer unterlegen war. Die Glaubwürdigkeit der Partei dürfe durch die frühere Tätigkeit von Hofer keinen Schaden nehmen. «Die SVP darf nicht als Bordell-Liste zum Stadtgespräch verkommen.»

Hofer als Vorbild

Für Rudolf Friedli, Präsident der SVP Stadt Bern, spielt in den Aussagen Beuchats Enttäuschung über dessen Nichtnomination mit. Er sieht keinen Grund, das Engagement von Hofer im Kleopatra-Bordell nochmals genauer anzuschauen. Solange er sich ans Gesetz gehalten habe, sei diese Tätigkeit kein Problem für die Partei. Im Gegenteil: «Hofer ist Unternehmer, und diese sind Vorbilder, wenn sie – wie Hofer – nichts Verbotenes tun. Er glaubt nicht, dass die Partei dadurch Schaden nimmt.

Innerhalb der SVP gibt die Bordellgeschichte zu reden. Peter Brand, Chef der SVP-Grossratsfraktion, will mit Hofer das Gespräch suchen. Klar sei, dass alle «Fakten auf den Tisch müssen». Kein Problem sieht Erich Hess, Neonationalrat und SVP-Gemeinderatskandidat. «Hofer hat, soweit ich weiss, nichts Illegales getan. Darum hat er für mich kein Glaubwürdigkeitsproblem.» Bei allen Kandidaten finde man irgendeine Sache, die nicht ganz stubenrein sei. «Ausser bei mir. Meine Fehltritte landen ja immer sofort in den Medien. Ich habe nichts zu verbergen», so Hess mit einem Augenzwinkern.

«Nie mein Wunschbusiness»

«Ein Bordell ist kein Betrieb wie jeder andere. Da werden Menschen ausgenützt», sagt Philippe Müller, Grossrat und Präsident der FDP Stadt Bern. Er glaubt, dass Hofer mit seiner Vergangenheit als Bordell-Betreiber der SVP-Liste schadet. Umso mehr, als sein Engagement in dieser Liegenschaft erst kürzlich geendet hat.

Hofer entgegnet, das Gewerbe sei «sauberer, als viele denken». Es sei aber bestimmt nie sein «Wunschbusiness» gewesen. Darum habe er der Branche auch den Rücken gekehrt, so der Mitgründer des Berner Barstreet-Festivals.

Für den Berner Politikberater Mark Balsiger hat es die SVP-Parteispitze verpasst, Hofer vor der Kandidatur zu durchleuchten und sich über die Millieu-Geschäfte ins Bild setzen zu lassen. Keine Partei wünsche sich im Wahlkampf solche Schlagzeilen. «Die SVP-Liste kann deswegen schlechter abschneiden, zumal Puff-Betreiber nicht unbedingt als gutbürgerlicher Beruf gilt.» Hofers politische Karriere trage aber kaum einen Schaden davon. «Er hat sowieso nicht den Hauch einer Chance, gewählt zu werden, sondern ist ein klassischer Listenfüller.» Eklats und Rohrkrepierer

Die Quereinsteiger auf den SVP-Listen sorgten in der Vergangenheit mehrmals für Unruhe in der Partei. 2012 kam es zu einem Eklat. Die SVP nominierte die frühere FDP-Politikerin Sylvia Lafranchi als Gemeinderatskandidatin. Nur zwei Tage später zog sich diese zurück, da sie von der SVP «völlig unerwartet» nominiert worden sei. Die Ex-Freundin von Erich Hess trat zudem mit sofortiger Wirkung aus der SVP aus. Als Rohrkrepierer erwies sich auch die erste Gemeinderatskandidatur von Tierparkdirektor Schildger. 2012 machte er ebenfalls einen Rückzieher. Jetzt will es der Paradiesvogel aber nochmals wissen. (Der Bund)

(Erstellt: 03.02.2016, 21:46 Uhr)

Artikel zum Thema

SVP-Kandidat verdiente Geld mit Prostituierten

Die SVP tritt mit fünf Kandidaten für die Gemeinderatswahlen an. Darunter ist ein ehemaliger Bordellbetreiber. Mehr...

Schmidt allein auf weiter Flur

Der Stadtberner Wahlkampf ist lanciert: Die Kandidatur von Tierparkdirektor Schildger als SVP-Gemeinderat könnte Finanzdirektor Alexandre Schmidt den Sitz kosten. Mehr...

«Ich will auf dem Schlachtfeld der Worte streiten»

Der Paradiesvogel will ausgerechnet für die SVP in die Stadtregierung: Tierparkdirektor Schildger sagt, warum es ihn in die Politik zieht. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Werbung

Kulturell interessiert?

Bizarre Musikgenres, Blick in Bücherkisten und das ganze Theater. Alles damit Sie am Puls der Zeit bleiben.

Die Welt in Bildern

Panzerparade in Weissrussland: In der Nähe der weissrussischen Stadt Minsk probt das Militär den Auftritt am Tag der Unabhängigkeit am 3. Juli. (31. Mai 2016)
(Bild: Sergei Grits (AP, Keystone)) Mehr...