Bern

Polizei hofft, bei Risikospielen jeden vierten Beamten einsparen zu können

Von Dölf Barben. Aktualisiert am 09.08.2010

Günstiger Maschendraht statt teurer Polizisten: Zwischen Stadion und S-Bahn sollen Zäune dafür sorgen, dass die Fans nicht vom rechten Weg abkommen.

Spielen im Stade de Suisse zwei Mannschaften gegeneinander, deren Fans sich nicht mögen, spricht die Polizei von Hochrisikospielen. Die Spiele gegen Basel und die beiden Zürcher Mannschaften gelten als Hochrisikospiele; dazu kommen einzelne Begegnungen im Cup sowie gegen europäische Teams. Dann stehen jeweils «mehrere Hundert» Polizisten im Einsatz. Genaue Zahlen werden nicht mitgeteilt. Laut Dieter Schärer, Stellvertreter des Regionenchefs Bern und zuständig für grosse Sportanlässe und Demonstrationen, wird ein Drittel bis die Hälfte der Einsatzkräfte für die Sicherung des Korridors vom Stadion zur S-Bahn-Station Wankdorf benötigt. Der gesicherte Korridor soll in erster Linie verhindern, dass die Fangruppen aneinandergeraten.

Das Problem: Dort, wo die Quartierstrassen in den Korridor einmünden, muss die Polizei mit Sperrgitterfahrzeugen auffahren oder personalintensive Menschenketten bilden. Die Lösung: Die Quartierstrassen sollen mit mobilen Zäunen abgesperrt werden können. Die Stadt Bern hat für die Installation solcher Zäune ein Baugesuch eingereicht. Initiiert worden ist die Einzäunung von der Kantonspolizei. Diese will primär den Personaleinsatz reduzieren können. Wie hoch die Einsparung sein werde, lasse sich im Voraus nicht sagen, sagt Schärer. Man hoffe, sie werde ungefähr ein Viertel betragen.

Bei rund einem Dutzend Hochrisikospielen pro Jahr würde diese Entlastung ins Gewicht fallen. «Es gäbe etwas Luft», sagt Schärer: dem Polizeikorps als Ganzes, aber auch den einzelnen Leuten, «die an Wochenenden zum Teil fast nie mehr freihaben». Ein weiterer Aspekt: Bisher stehen die Polizisten jeweils «relativ nahe» bei den Fans, wenn diese vorüberziehen; da besteht die Gefahr, dass einige Fans sich provoziert fühlen. Zäune würden es der Polizei erlauben, «weniger massiert» aufzutreten und sich vermehrt im Hintergrund zu halten.

Am Ende bleibt mehr für die Stadt

Für den Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause sind die fehlenden Zäune nicht nur das letzte Element, das für einen durchgängigen Fankorridor noch fehlt, sie sind «eine der effizientesten Massnahmen», um Kosten zu senken. Bisher habe man die Sicherheit beim Stade de Suisse gut im Griff, allerdings sei der Aufwand dafür zu hoch. Die Einsätze der Kantonspolizei beim Stadion sind durch den Ressourcenvertrag abgegolten. Deshalb ist die Rechnung einfach: Wenn die Polizei beim Stadion weniger leisten muss, bleibt für den Rest der Stadt mehr, wie Nause sagt. (Der Bund)

Erstellt: 09.08.2010, 08:37 Uhr

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