Pflege befürchtet schlechtere Versorgung der Insel-Patienten

Insel-Spitze beharrt auf der neuen Konzernleitung ohne Vertretung der Pflege.

Der Fachbereich Pflege soll nicht mehr in der neuen Konzernleitung der Insel-Gruppe vertreten sein. Das Pflegepersonal ist verunsichert und verstimmt. (Symbolbild)

Der Fachbereich Pflege soll nicht mehr in der neuen Konzernleitung der Insel-Gruppe vertreten sein. Das Pflegepersonal ist verunsichert und verstimmt. (Symbolbild) Bild: Gaetan Bally / Keystone

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Der Streit zwischen der Konzernleitung der Insel-Gruppe und dem Pflegepersonal spitzt sich zu: «Die geplante Führungsorganisation der Insel-Gruppe kann nicht akzeptiert werden», heisst es in einer gestern verabschiedeten Resolution des Schweizerischen Berufsverbandes der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK).

Grund für den Protest ist der Umstand, dass das Pflegepersonal in der neuen Konzernleitung der Insel-Gruppe nicht mehr direkt Einsitz nehmen darf. Für den SBK ist eine eigenständige Vertretung der Pflege in der strategischen Unternehmensführung aber die «grundlegende Voraussetzung für interprofessionelle Zusammenarbeit in der Patientenversorgung», wie es in der Resolution heisst.

«Nach eingehender Prüfung»

Eine Lanze für die «Interprofessionalität» in der Patientenversorgung bricht auch der Verwaltungsrat der Insel-Gruppe. Er hat aber andere Vorstellungen, wie diese erreicht werden kann. «In der neuen Organisation werden Ärzteschaft und Pflege noch enger zusammenarbeiten», heisst es in einer Mitteilung. Konkret bedeutet dies, dass die Pflege in der Konzernleitung nicht mehr vertreten sein wird. Sie muss sich künftig durch einen Mediziner mitvertreten fühlen. Die Insel-Spitze betont, dass sie die Anliegen der Pflegefachkräfte durchaus ernst nehme. «Nach eingehender Prüfung» halte sie aber an der geplanten Konzernstruktur fest. «Der Bereich Medizin wird vom Patienten als Ganzes gesehen, und dem müssen wir entsprechen», wird Konzernchef Holger Baumann in der Mitteilung zitiert.

«Unüberlegter Entscheid»

Beim Pflegeverband ist die Betroffenheit gross. «Verwaltungsrat und Konzernspitze der Insel-Gruppe haben uns eine Abfuhr erteilt», sagt Cornelia Klüver, Präsidentin der Sektion Bern des Berufsverbandes. Sie weist darauf hin, dass neben der Pflege auch das medizinische Kerngeschäft als Ganzes in der Konzernleitung krass untervertreten sein werde. «So können die Herausforderungen der Zukunft nicht angepackt werden.» Halte der Verwaltungsrat an seinem Entscheid fest, müssten die Patienten der Insel-Gruppe mit einer Verschlechterung ihrer Versorgung rechnen.

Klüver weist darauf hin, dass im Bereich Pflege ein landesweiter akuter Fachkräftemangel besteht und dieser in den nächsten Jahren noch zunehmen wird. Mit den Absolventen der Schweizer Pflegefachschulen könne nur rund die Hälfte des landesweiten Bedarfes abgedeckt werden. «Alle fachlichen Argumente sprechen für einen Einbezug der Pflege in die Konzernleitung.» Der Verwaltungsrat habe einen «unüberlegten Entscheid» gefällt. Nun gehe es ihm offenbar nur noch darum, sein Gesicht wahren zu können, sagt Klüver.

Bald werden Proteste beschlossen

Die Berufsverbände und die Gewerkschaften haben ihre Forderungen in einem Brief an den Verwaltungsrat formuliert. Nächsten Dienstag werden sie sich treffen, um über weitere Massnahmen zu befinden. Die Bereitschaft dazu ist gross, wie eine Pflegefachperson der Insel-Gruppe diese Woche gegenüber dem «Bund» gesagt hatte. Dies nicht nur bei der Pflege, sondern bei allen nichtärztlichen Medizinalangestellten wie zum Beispiel Physiotherapeutinnen. Gemeinsam machen sie rund die Hälfte der gut 10'000 Personen umfassenden Belegschaft der Insel-Gruppe aus. Welche Protestmassnahmen nun in Erwägung gezogen werden, will Klüver nicht sagen. Sie hält dazu lediglich fest: «Wir wollen nicht, dass Patienten davon betroffen sein werden.» (Der Bund)

Erstellt: 19.05.2017, 19:10 Uhr

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