Per Du mit dem Erfinder des Buskers-Höllenhundes

Fasziniert vom Leben der Strassenkünstlerinnen und -künstler, hilft Sonja Blum seit sechs Jahren am Strassenmusikfestival Buskers.

Sonja Blums Hauptmotiv als Helferin ist der Idealismus.

Sonja Blums Hauptmotiv als Helferin ist der Idealismus. Bild: Valérie Chételat

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Sonja Blum kennt als Helferin auch andere Musikfestivals, etwa das Open Air Gampel und das Gurtenfestival. «Aber dort melden sich viele Helferinnen und Helfer nur wegen des Geldes oder des geschenkten Eintritts.» Am Strassenmusikfestival Buskers bekommen jene, die helfen, zwar auch Verpflegung und Festivalbändel für die Partys im Kornhaus. Entscheidend sei aber die Freude an der Sache, der Idealismus: «Ich will den Anlass persönlich unterstützen», sagt die 44-jährige Sozialpädagogin aus Zimmerwald. Seit sechs Jahren ist sie freiwillige Helferin am Buskers. Das Festival findet seit 2004 in der Altstadt von Bern statt; die zwölfte Ausgabe beginnt am Donnerstag (siehe Kasten).

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Bisher hat Sonja Blum am Buskers vor allem Künstler betreut, Programme und Festivalbändel verkauft, Bier ausgeschenkt oder Auskunft gegeben am Infostand. Immer wieder fragen Besucher, warum das Programmheft nicht gratis sei. Blum erklärt, das Festival sei auf die Einnahmen aus dem Verkauf von Programmen und Bändeln angewiesen. Laut den Organisatoren finanziert sich das Buskers zu 90 Prozent selber. Dies sei ihr erst durch die Mitarbeit bewusst geworden. Ebenso wie die Tatsache, dass die Künstlerinnen und Künstler als Gage allein das Hutgeld des Publikums bekommen. Obwohl unfreundliche Reaktionen gegen Bändeliverkäufer vorkommen, arbeitet Blum ebenso gern an der Front wie hinter den Kulissen: «Hauptsache, ich komme mit Leuten in Kontakt.»

Es sind kreative Menschen, die den Mut haben, ihre Ideen in die Tat umzusetzen.Sonja Blum, freiwillige Helferin

Vor der Ausbildung zur soziokulturellen Animateurin arbeitete die gelernte Kauffrau in Reisebüros, im Gastgewerbe, als Jazztanz- und Gymnastiklehrerin sowie im Buchhandel. Zusätzlich zu ihrer 70-Prozent-Beschäftigung in einer therapeutischen Wohngemeinschaft hilft die alleinerziehende Mutter im Hammam in Bern aus. «Ich langweile mich keineswegs schnell», sagt Sonja Blum und lacht. «Vielmehr bin ich vielseitig interessiert. Zudem mag ich es, wenn sich etwas bewegt.» Der Trubel fasziniert sie auch am Strassenmusikfestival. Das Buskers gebe Einblick in Leben, die ständige Bewegung und Freiheit versprechen. Die umherziehenden Künstler verkörpern für Blum eine Sehnsucht. «Es sind kreative Menschen, die den Mut haben, ihre Ideen auch in die Tat umzusetzen, und dabei Risiken eingehen.» Von Strassenkunst lebe man schliesslich eher bescheiden.

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Die Spielfreudigkeit kann allerdings überborden. Denn das Schwierigste in der Künstlerbetreuung ist laut Blum, Auftritte pünktlich beginnen und aufhören zu lassen. Manche Bands vergässen die Zeit. Das Kennenlernen der Künstler findet sie etwas vom Spannendsten. «So extrovertiert wie auf der Bühne sind die Künstler im Privaten nicht immer.» 2013 etwa begleitete sie den englischen Cyborg-Künstler Lyle Rowell. Der Engländer, der unter dem Namen Doghead auftritt, spazierte mit einem Höllenhund aus Schrott durch Berns Altstadt. Im Gegensatz zu seiner lauten und auffälligen Erfindung ist Rowell eher ruhigen, zurückhaltenden und höflichen Charakters, erinnert sich Blum.

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Zu den Aufgaben der Helferin gehört es auch, aufzupassen, dass nichts passiert bei den Walking Acts, die durch das Publikum führen. Blums gefährlichster Moment am Buskers ging allerdings von einem Besucher aus. Dieser wollte Feuerwerk zünden. Die Helferin kann Konflikte selber zu lösen versuchen oder beim Festivalzentrum im Schlachthaus-Theater Hilfe holen.

Dieses Jahr wird sie als Springerin ihre Aufgaben kurzfristig zugeteilt bekommen. Zum ersten Mal engagieren sich Blums Söhne Joël (14) und Florian (11) als Bändelverkäufer am Festival. Dafür seien sie jetzt alt genug, findet sie. Ihren Partner holte sie bereits vor ein paar Jahren ins Team. Die Belohnung, als Besucherin mit der Familie durch die Gassen zu schlendern, spart sie sich für Samstagabend auf. Wie geht Sonja Blum, die erfahrene Festivalgängerin, mit dem Gedränge am Buskers um, das letztes Jahr 70?000 Leute anzog? Sie habe zwei Strategien: «Wenn ich primär die Stimmung geniessen will, lasse ich mich treiben. Wenn ich bestimmte Nummern nicht verpassen möchte, stehe ich früh vor der Bühne.»

Wieder Montag Begegnungen mit Menschen: www.montag.derbund.ch (Der Bund)

Erstellt: 03.08.2015, 13:53 Uhr

Neu auch hinter dem Schlachthaus

Rund 300 freiwillige Helferinnen und Helfer sind am 12. Berner Strassenmusikfestival Buskers im Einsatz. Sie arbeiten unter ande- rem an den Infoständen und Festivalbars, in der Küche, im Auf- und Abbau, in der Betreuung der Künstlerinnen und Künstler oder im Verkauf von Programmen und Festival­bändeln. Ein Bändel mit Programm kostet 10 Franken, Gönner bezahlen das Doppelte, Kinder die Hälfte. Diese Einnahmen machen rund ein Viertel des Festivalbudgets aus, das insgesamt rund 750 000 Franken beträgt.

Von Donnerstag bis Samstag treten 42 Acts an 28 Spielorten auf. Eine neue Bühne ist hinter dem Schlachthaus zu entdecken. Die 145 Künstlerinnen und Künstler stammen aus 18 Nationen. Womöglich benötigt man bereits nach den Schweizern eine Pause, wenn nämlich der Wechsel von Tessiner Worldmusic (Saltamontes) auf Appenzeller Volksmusik (Geschwister Küng) zu schnell erfolgt. Die Organisatoren empfehlen zur Entspannung einen Besuch in der Kur-Oase Scharlatown auf dem Münsterplatz. Seriöser entspannen lässt sich beim Upcycling, dem Basteln und Spielen mit Schrott (Katakrak). Die Vorstellungen dauern von 18 bis 24 Uhr.

www.buskersbern.ch

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