Bern
Orell Füssli sagt Bern Adieu, Thalia will im Loeb abspecken
Von Christoph Lenz. Aktualisiert am 28.08.2012 5 Kommentare
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«Orell Füssli nach 489 Jahren endlich in Bern» – so selbstbewusst betitelte das Zürcher Verlagshaus 2008 die Mitteilung zur Eröffnung ihrer Westside-Filiale, der ersten in Bern. Vier Jahre später ist die Euphorie dahin: Noch 2012 will Orell Füssli seine 1600 Quadratmeter Ladenfläche im Westside um zwei Drittel reduzieren.
Wo die Zahlen nicht stimmen, werden die Pforten geschlossen
Spätestens Ende 2013 gehen im mit Eichenböden und Ledermöbeln ausgestatteten Buchtempel die Lichter aus. Nachdem die 2008 eingerichtete Spitalgasse-Filiale bereits 2010 wieder aufgegeben wurde, zieht sich Orell Füssli also aus Bern zurück. Endgültig. «Ein alternativer Standort im Raum Bern wird zurzeit nicht ins Auge gefasst», schreibt Orell Füssli im Halbjahresbericht 2012.
«Wir überprüfen die Rentabilität unserer Filialen laufend», erklärt András Németh, Leiter Kommunikation bei Orell Füssli. «Bei Filialen mit ungenügender Umsatzentwicklung prüfen wir Flächenverkleinerungen bis hin zu Schliessungen.» Orell Füssli beschäftigt derzeit rund 20 Mitarbeiter im Westside. Das Unternehmen verfolge das Ziel, die Schliessung der Filiale so sozialverträglich wie möglich zu gestalten, wo immer möglich werden den Mitarbeitenden Stellen in anderen Filialen angeboten, so Németh.
Loeb sucht Nachmieter für Thalia
So überraschend der Abschied aus Bern – Orell Füssli ist kein Einzelfall. Wie der «Sonntag» berichtet, legt auch Thalia, der zweite «Grosse» auf dem regionalen Buchmarkt, den Rückwärtsgang ein. «Thalia will die Ladenfläche im Loeb reduzieren», sagt Loeb-Marketingchef Ronald Christen.
Die Suche nach Nachmietern sei angelaufen. «Der Ball liegt aber bei Thalia», so Christen. Der Umfang der Reduktion sei noch nicht klar. Möglicherweise werde aber eine ganze Etage frei. In der Basler Thalia-Zentrale wollte man sich gestern gegenüber dem «Bund» nicht zur Reduktion der Ladenfläche äussern.
Online-Geschäft und Euro-Kurs
Hintergrund der Strukturbereinigungen im Berner Buchhandel ist eine anhaltende Branchenkrise. Seit vier Jahren befinden sich die Umsätze im Schweizer Buchhandel im Sinkflug. Allein 2011 betrug der Rückgang gemäss Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband (SBVV) rund 7,4 Prozent. Bis Juli 2012 schrumpften die Umsätze um weitere 4,5 Prozent.
SBVV-Geschäftsführer Dani Landolf sieht zwei Ursachen für den Rückgang: «Erstens verlieren die Buchhändler Marktanteile an ausländische Online-Anbieter wie Amazon. Zweitens haben die Händler ihre Preise an den tieferen Euro-Kurs angepasst.» Die Folge dieses Preisabschlags um rund 20 Prozent: Auch Händler, die mehr Bücher verkaufen als früher, verzeichnen mitunter rückläufige Umsätze.
«Es ist kein Berner Problem»
Ein Ende dieses Abwärtstrends ist nicht in Sicht. Branchenkenner vermuten gar, dass sich die Entwicklung noch verschärft. «Die E-Books haben sich in der Schweiz noch nicht durchgesetzt. Das dürfte sich in den kommenden Jahren ändern», so Landolf. «Der Druck auf die Händler wird sich also eher noch akzentuieren.»
András Németh von Orell Füssli sagt: «Der Buchhandel leidet derzeit weltweit unter schwindenden Umsätzen, insofern handelt es ich nicht um ein Berner Problem.» Zur Frage, ob auch der Standort im Westside für die Schliessung mitverantwortlich ist, will sich Németh aber nicht äussern.
Westside hat viele Interessenten
Westside-CEO Anton Gäumann bedauert zwar den Weggang von Orell Füssli. Er bezweifelt aber, dass im Westside zu wenig Kundschaft verkehrt. «Der Buchhandel ist im Moment einfach ein schwieriges Marktumfeld.» Gemäss Gäumann gibt es bereits verschiedene Interessenten für die frei werdende Ladenfläche im Westside. «Im Moment finden Gespräche statt. Wir sind überzeugt, dass wir unseren Gästen auch in Zukunft einen attraktiven Mietermix bieten können.»
Dass der Ladenflächen-Rückgang nicht allein auf die Branchenkrise zurückzuführen ist, deutet auch Dani Landolf vom SBVV an. Angesprochen auf Orell Füssli und Thalia sagt er: «Beide haben ihre Ladenflächen in den Jahren vor 2008 stark ausgebaut. Jetzt folgt die Korrektur.» (Der Bund)
Erstellt: 28.08.2012, 09:59 Uhr
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5 Kommentare
Wer geht schon ins Westside ein Buch kaufen, wenn der Thalia direkt am Bahnhof ist, und der viel breiter aufgestellte Stauffacher ebenfalls gleich in der Innenstadt ist? Eine Hand voll Personen aus Fribourg und dem Seeland, aber that's it. Antworten
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