Bern
Oprandi: «Ich bin ein grosszügiger Arbeitgeber»
Von Mathias Morgenthaler. Aktualisiert am 06.03.2012
Roberto Oprandi: «Für 50'000 Franken hole ich mir keine Probleme ins Haus.»
Als grössten Kader-Personalvermittler der Schweiz bezeichnet er sich schon länger, vor 10 Tagen hat er die Präsenz im Ausland, namentlich in Osteuropa, verstärkt: Roberto Oprandi, Chef und Inhaber von Oprandi & Partner, ging eine Kooperation mit dem österreichischen Unternehmen Hill International ein – mit dem Ziel, einer der bedeutendsten Anbieter von Personal- und Managementlösungen im mitteleuropäischen Raum zu werden. Oprandi ist ein hervorragender Verkäufer und kein Mann falscher Bescheidenheit. So sagt er beispielsweise unverblümt, die Konkurrenz bekomme feuchte Augen, wenn sie die Lebensläufe seiner Partner sehe. Mit 70 Partnern und 10 Niederlassungen in der ganzen Schweiz gehört der Berner zu den Schwergewichten der Personalberater.
Dass jedes Jahr ein paar Partner abspringen, gehört zum Geschäft. Drei langjährige Partner erheben nun aber schwere Vorwürfe gegen den 57-Jährigen, wie die «SonntagsZeitung» berichtete. Oprandi betreibe seit einigen Jahren einen regelrechten «Partnerhandel», heisst es dort, er werbe Manager mittleren Alters, die auf dem Abstellgleis stünden, an und kassiere von ihnen 50'000 Franken Eintrittsgebühr. Beim Austritt erhalte er nochmals Geld, weil in den Verträgen festgehalten sei, dass jeder Partner, der im Umkreis von 120 Kilometern als Personalberater tätig werden wolle, eine Konventionalstrafe von 200'000 Franken zahlen müsse. Weiter kritisiert einer der Ex-Partner, Oprandi verlange von seinen Partnern so hohe Abgaben, dass man «selbst bei Bruttoeinnahmen von 300'000 Franken auf keinen grünen Zweig kommt».
Hört man sich in der Branche und bei ehemaligen Partnern um, wird weitere Kritik laut am System Oprandi. Solche Einstiegshürden seien eher unüblich, sagt der Niederlassungsleiter eines grossen Personalvermittlers, das sei höchstens für Branchenneulinge verlockend. Manche bereuten den Eintritt bald, weil der Gegenwert zu gering sei und es angesichts der hohen Abgaben an den Franchisegeber schwierig sei, sich ein profitables Geschäft aufzubauen. Verbreitet sind im Markt zwei Modelle: Angestellten-Status mit Fixlohn und Bonuskomponente oder Arbeit auf eigene Rechnung und Umsatzabgabe sowie Beitrag an Infrastruktur.
«Null Unterstützung erhalten»
Einer der Partner, der aus einer Geschäftsleitungsfunktion den Quereinstieg in die Personalberatung bei Oprandi gewagt hat, sagt gegenüber dem «Bund», er habe sich kein eigenes Netzwerk aufbauen können, weil Oprandi zu viele Partner akquiriert habe, sodass man sich dauernd in die Quere gekommen sei. Zudem habe er als Neuling kaum Unterstützung vom Niederlassungsleiter erhalten. Ein anderer Partner, der zu den erfolgreicheren Franchise-Nehmern gehört hatte, resümiert: «Das System ist attraktiv für Roberto Oprandi und die Niederlassungsleiter, für alle anderen nicht.» Er habe «null Unterstützung bekommen» beim Quereinstieg, ja sogar Formulare erarbeitet, die dann in der ganzen Gruppe gebraucht worden seien. Leider sei «Quantität vor Qualität» gegangen, sodass sich Partner gegenseitig konkurrenziert hätten. Zwar habe er beim Einstieg in die Personalvermittlung sicher vom Namen Oprandi profitiert, er sehe aber in der Organisation Parallelen zu einem Schneeball-/Multilevel-Marketing-System und würde deshalb niemandem empfehlen, bei Oprandi einzusteigen.
Vorwürfe «völlig absurd»
Roberto Oprandi weist diese Vorwürfe zurück. «Wir machen hier seit 24 Jahren einen sehr guten Job, das werden Ihnen Partner und Kunden bestätigen», sagt der 57-jährige Patron. Dass er quasi einen «Partnerhandel» betreibe, um Geld zu verdienen, bezeichnet er aus zwei Gründen als «völlig absurd». Erstens liege die Fluktuation in seiner Gruppe bei rund 8 Prozent, die durchschnittliche Verweildauer der Partner betrage 9 Jahre, manche seien seit 14, 15 oder 17 Jahren dabei, der eine Partner, der ihn nun über die Medien angreife, habe sogar 18 Jahre mit ihm gearbeitet. «Warum bleiben all diese ausgewiesenen Fachleute so lange, wenn das System so schlecht ist und sie so wenig verdienen?»
Zweitens stimme es nicht, dass er und die Niederlassungsleiter ein Interesse daran hätten, möglichst viele Partner zu akquirieren. Er hätte in den letzten Jahren auch 200 statt 70 Partner ins Boot holen können, sagt Oprandi, habe die Anzahl aber aus Qualitätsgründen beschränkt. Im letzten Jahr seien 15 neue Partner zur Gruppe gestossen, andere hätten sie verlassen. «Glauben Sie im Ernst, wie würden unfähige Partner akquirieren wegen der 50'000 Franken Eintrittsgebühr? Für diesen Betrag hole ich mir doch nicht Probleme ins Haus und riskiere einen Reputationsverlust gegenüber dem Kunden.» Es stimme auch nicht, dass der Markt zu klein sei für 70 Partner. «Wir haben vielleicht ein Prozent Marktanteil im Vermittlungsbusiness, und in unserem System ist klar hinterlegt, wer mit welchen Kunden arbeitet. Da gibt es genug Platz für neue Partner.»
Oprandi sagt, im Vergleich zur Konkurrenz sei er ein grosszügiger Arbeit- respektive Franchisegeber. Man habe ihm sogar schon nahegelegt, die Eintrittsgebühr auf 100'000 zu erhöhen und somit gewissen Konkurrenten anzupassen. Er biete jedem Partner volle fünf Tage Ausbildung, bis jetzt habe sich noch kein einziger direkt bei ihm beklagt. Er wundere sich, wie manche Partner über Jahre 400'000 Franken und mehr bei ihm in der Gruppe verdienten und ihn dann nach Jahren plötzlich aufs Schärfste kritisierten. Der durchschnittliche Umsatz seiner Franchisepartner liegt tiefer, das gibt Oprandi zu, «irgendwo zwischen 250'000 und 300'000 Franken». Oprandi rechnet vor: Bei einem Umsatz von 300'000 Franken bleibt einem Partner nach Abzug von 25 Prozent (Franchisegeberanteil) und 48 000 Franken (Infrastrukturbeitrag) noch immer 177'000 Franken für sich – «ist das denn so wenig?» Bei hohem Umsatz müsse der Partner nicht 25 Prozent, sondern nur 15 Prozent abgeben.
Das Problem sei nicht, dass er von den Partnern zu viel Geld einfordere, sondern dass nicht jeder die unternehmerischen Fähigkeiten und den erforderlichen Einsatz mitbringe. «Man kann nicht hier anfangen und denken, mit sechs Stunden Arbeit am Tag sei es getan.» Zehn Stunden und viel Kundenkontakt brauche es schon, sagt Oprandi, er selber habe die ersten zehn Jahre «täglich 16 bis 18 Stunden gearbeitet».
Suche nach Nachfolger im Gang
Auf die juristischen Auseinandersetzungen angesprochen, sagt Oprandi, im Schnitt müsse er etwa alle zwei Jahre einmal juristisch gegen ehemalige Partner vorgehen, die ihn konkurrenzierten. «Was soll ich machen, wenn langjährige Partner noch in meinen Büroräumlichkeiten das neue Unternehmen gründen und unsere Unterlagen einfach weiterverwenden?» In solchen Fällen müsse er seine Marke und seine Partner schützen und auf juristischem Weg intervenieren.
Letzten Herbst hat Roberto Oprandi damit begonnen, eine Nachfolgelösung zu suchen. Sechs Partner hätten bis jetzt Interesse angemeldet, sagt der 57-Jährige. Er will die Firma verkaufen und sich aus der operativen Leitung zurückziehen. «Das Beste wäre, wenn langjährige Partner das Unternehmen weiterführen könnten.» (Der Bund)
Erstellt: 06.03.2012, 14:23 Uhr
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