Bern
Nause ist nicht glücklich über die Fanmärsche
Von David Naef. Aktualisiert am 10.05.2012 14 Kommentare
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Am nächsten Mittwoch werden Fussballfans die Berner Innenstadt bevölkern. Bevor am Mittwochabend um 20.30 Uhr der Cupfinal zwischen dem FC Basel und dem FC Luzern angepfiffen wird, werden rund 1000 Luzern- und 2000 Basel-Fans vom Hauptbahnhof zum Stade de Suisse marschieren.
Damit haben sie sich einmal mehr gegen Stadt, Polizei und SBB durchgesetzt. Diese hatten sich für eine Anreise mit Extrazügen via Ostermundigen und Wankdorf starkgemacht. Für die Fans gehöre es einfach dazu, sich zuerst in der Stadt aufzuhalten und dann gemeinsam zum Stadion zu marschieren, erklärt Luzern-Fanarbeiter Christian Wandeler. «Sie sagen, der Cupfinal muss gefeiert werden.»
Nause hat keine Freude
Gemeinderat und Sicherheitsdirektor der Stadt Bern, Reto Nause, ist nicht glücklich über die Fanmärsche. Er bedauert, dass die guten technischen Voraussetzungen beim Stade de Suisse zur Trennung der Fans so nur teilweise genutzt werden können. «Wenn die Fans durch die Innenstadt marschieren, ist ein viel grösseres Polizeiaufgebot nötig.» Im letzten Jahr habe die Polizei dank dem Sicherheitszaun beim Stadion rund 10'000 Einsatzstunden gespart. Aufkommen für die Kosten des grossen Polizeiaufgebots am Cupfinal müssen die Berner Steuerzahler – während der Schweizerische Fussballverband laut Nause keine Beiträge zu leisten hat.
Auch Michael Fichter, Mediensprecher der Berner Kantonspolizei, bestätigt, dass diese Situation für die Polizei alles andere als optimal ist. Man sei von Seiten der Fans vor vollendete Tatsachen gestellt worden und habe einlenken müssen. Laut Fichter waren es vor allem zwei Gründe, welche die beiden Märsche durch die Innenstadt problematisch erscheinen lassen: die Beeinträchtigung unbeteiligter Dritter sowie die Gefahr, dass die beiden Gruppen aneinandergeraten.
Einschränkung von Dritten
Insbesondere beim Bahnhof, in der Innenstadt und beim Stade de Suisse müssen Passanten mit grösseren Einschränkungen rechnen – aber auch im öffentlichen Verkehr. Der Cupfinal ist am Mittwochabend vor Auffahrt zu einem äusserst ungünstigen Zeitpunkt angesetzt. SBB-Mediensprecher Reto Kormann weiss aus Erfahrung, dass kurz vor dem verlängerten Wochenende nebst den Pendlern viele Leute auf dem Weg in die Ferien seien. Deshalb versuchten die SBB, die Fussballfans «getrennt von den Regel-Reisenden zu transportieren».
17 Extrazüge von SBB und BLS stehen vor und nach dem Match zur Verfügung. Auch der Berner Bahnhof wird an seine Kapazitätsgrenze stossen. Bereits am Nachmittag, kurz nach 15 Uhr, wird der erste Extrazug mit rund 1000 Luzernfans in Bern eintreffen. Sie werden den Bahnhof über die «Welle» verlassen und dann via Schauplatzgasse, Bärenplatz und Amtshausgasse durch die untere Altstadt und via Aargauer Stalden zum Stade de Suisse marschieren. Nach 18 Uhr folgen schliesslich zwei weitere Extrazüge aus Basel mit rund 2000 Fans.
Gesperrter Bahnhof
Damit diese den Reiseverkehr nicht länger als nötig blockieren und möglichst schnell durch den Bahnhof geschleust werden können, werden Teile des Bahnhofs zwischen 18 Uhr und 18.30 Uhr gesperrt, so die Personenunterführung ab Höhe der Gleise eins und wwei bis zur Bahnhofshalle. Weiter wird voraussichtlich der RBS-Bahnhof für kurze Zeit nicht zugänglich sein, da die Baselfans den Bahnhof via Aufgang Neuengasse verlassen werden. Der Basler Fanmarsch wird via Waisenhaus-, Kornhaus- und Viktoriaplatz zum Stadion führen.
Michael Fichter von der Kantonspolizei rät, an diesem Nachmittag und Abend mehr Zeit einzurechnen: «Die Passanten müssen weitere Wege in Kauf nehmen.» SBB und BLS werden mit einem Grossaufgebot von Kundenbetreuern für Reisende am Bahnhof präsent sein. Die Sperrung des Bahnhofs ist unter anderem eine Konsequenz der Ereignisse vor drei Jahren. Damals blockierten Sion-Fans vor ihrem Marsch zum Cupfinal im Stade de Suisse den Bahnhof für längere Zeit.
Ausschreitungen verhindern
Nebst den Einschränkungen für Dritte stellt für die Polizei auch die Trennung der beiden Lager ein zentrales Problem dar: «Mit der aktuellen Ausgangslage können wir ein Zusammentreffen und eine mögliche Konfrontation zwischen den Fangruppen nicht ausschliessen», erklärt Michael Fichter. Bei einem Cupfinal könnten die Emotionen auch mal hochgehen. Um dem Problem soweit möglich vorzubeugen, sollen die Fangruppen nicht nur zeitverschoben im Berner Bahnhof eintreffen, sondern auch über zwei unterschiedliche Routen zum Stadion gelangen.
Zudem will die Polizei wieder auf sogenannte Dialogteams setzen, Polizisten in normaler Uniform mit orangefarbenen Westen. Unterdessen werden sich die normalen Einheiten im Hintergrund halten.
Friedliches Sportfest
Der Basel-Fanarbeiter Thomas Gander kann die Aufregung im Vorfeld des Spiels nicht verstehen: «Ein Fanmarsch ist in seiner Sache mal grundsätzlich nicht ein Ausdruck von Gewalttätigkeit», erklärt er. «Es ist klar, dass die Toleranzgrenze durch einen solchen Anlass tangiert werden kann.»
Trotz allen Sicherheitsbedenken glaubt auch Sicherheitsdirektor Nause, dass der Cupfinal ein friedliches Sportfest werden kann. Er hoffe, dass sich die beiden Fan-Lager verantwortungsvoll verhielten und ein friedliches Fussballfest ermöglichten. (Der Bund)
Erstellt: 10.05.2012, 07:41 Uhr
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14 Kommentare
Sobald es um politische Anliegen geht und man auch nur ein Fünkchen Zoff erwartet, wird man eingekesselt und ins Neufeld verfrachtet, stundenlang festgehalten und gebrandmarkt, möglicherweise wegen Landfriedensbruch angezeigt. Aber ja natürlich, bei Fussballumzügen nehmen ja nur Mauerblümchen und Chorknaben teil... Antworten
Ich finde das absolut eine Zumutung, dass die Fans durch den Bahnhof Bern ziehen dürfen: die Reisenden sind den SBB wohl egal. Warum sagt man ein Spiel nicht ab, wenn sie die Vorgaben nicht einhalten?
Auch dass die Ultras Pyros abschiessen und andere gefährden ist eine Schweinerei. Wir Steuerzahler berappen die Zeche dieser pubertierenden Randalierer!
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