Bern

Nach der Fasnacht war Schluss

Von Matthias Raaflaub. Aktualisiert am 28.02.2012

Vincent von Wattenwyl hat am Wochenende die Pery-Bar am Berner Schmiedenplatz geschlossen und den Mietvertrag nach 13 Jahren gekündigt – weil das Wirten seit dem Brand von 2010 kaum möglich war.

Vincent von Wattenwyl: neu im Schwellenmätteli an der Aare.

Vincent von Wattenwyl: neu im Schwellenmätteli an der Aare.
Bild: Adrian Moser

Der ausgebrannte Dachstock wenige Tage nach dem Brand. (Bild: Adrian Moser)

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Dachstockbrand in der Berner Innenstadt

Dachstockbrand in der Berner Innenstadt
Seit Sonntag sind die Räblus und die Pery Bar geschlossen. Weil die Sanierung seit dem Brand vor 17 Monaten nicht vorwärtsgeht, steigt Wirt Vincent von Wattenwyl sofort aus dem Mietvertrag aus.

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Zu lauter Musik feierten und tanzten am vergangenen Fasnachtswochenende noch mehr als hundert Menschen auf dem Schmiedenplatz. Die Aussendisco hat Geschäftsführer Vincent von Wattenwyl mit seinen Angestellten der Pery-Bar organisiert. «Wir haben das wie jedes Jahr gemacht», sagt er. Heute ist klar: Das Fest war von Wattenwyls letztes mit der Pery-Bar. Am Wochenende schloss er die Bar und das Restaurant Räblus im selben Haus für immer. Der Mietvertrag ist gekündigt. Von Wattenwyl ist seit Montag Betriebsleiter der beiden Restaurants im Schwellenmätteli, er bestätigte einen Bericht der «Berner Zeitung».

13 Jahre lang führte von Wattenwyl Bar und Restaurant im über 270 Jahre alten Altstadthaus. Am 3. Oktober 2010 wurde die Liegenschaft zum Schauplatz des verheerendsten Brands in der Stadt Bern seit dem Feuer in der Junkerngasse von 1997. Der Brand zerstörte den Dachstock der denkmalgeschützten Liegenschaft und beschädigte das Restaurant Räblus im Obergeschoss schwer. Als Grund für das nun erklärte Ende führt von Wattenwyl an, dass es mit den Renovationen seit dem Brand kaum vorwärtsgehe.

Private Eigentümer in der Pflicht

Zwar wurde das Gebäude nach einem Jahr neu überdacht, im Innern aber kam die Wiederinstandhaltung nicht voran. «Es war nicht tragbar, ständig eine Baustelle zu haben», sagte ein hörbar enttäuschter von Wattenwyl am Telefon.

Der städtische Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross bestätigt auf Anfrage, dass die Instandstellung im Innern des Gebäudes noch nicht abgeschlossen sei. «Die Baubewilligung ist schon lange erteilt worden.» Die fällige Renovation muss der private Eigentümer der Liegenschaft durchführen. «Die Bauherrschaft bestimmt, welche Arbeiten zu welchem Zeitpunkt ausgeführt werden», erklärt Gross. Die Liegenschaft der Räblus gehört der Berner Bauunternehmung Ghielmetti’s J. Söhne. Nach dem Brand hatte deren CEO Freddy Ghielmetti gesagt, die Instandsetzung der oberen Geschosse werde sehr schwierig und darum lange dauern. Offenbar könnte es aber schneller gehen. Ghielmetti antwortete gestern nicht auf eine Anfrage des «Bund».

Vor einem Jahr zügelte das Restaurant ins Erdgeschoss, gekocht wurde aus wirtschaftlichen Gründen zuletzt nicht mehr, die Bar war nur noch samstags und sonntags geöffnet. Das Warten auf die Renovation ging dem Geschäft an die Substanz. Von Wattenwyl ist jetzt offenbar zur Ansicht gelangt, dass ein rentables Weiterführen der Lokalität unter diesen Bedingungen kaum möglich ist.

«Extrem schwerer Schlag»

Erst am vergangenen Samstag hat von Wattenwyl seine Angestellten über die endgültige Schliessung informiert. Ganz so überraschend war der Entscheid für diese aber offenbar nicht. «Meine Leute wussten seit langem, dass es so weit kommen könnte», sagt von Wattenwyl. Seit Juni 2011 war die Mannschaft nur noch im Zwischenverdienst beschäftigt. Der letzte Entscheid sei nach erfolglosen Verhandlungen mit dem Eigentümer der Liegenschaft gefallen. «Ich habe keine andere Wahl gehabt», sagt von Wattenwyl. «Es ist traurig.» Auch für ihn selbst und seine Familie sei das «ein extrem schwerer Schlag». Wie es mit der Pery-Bar und der Räblus weitergeht, ob etwa ein neuer Pächter gefunden werden soll, ist noch nicht klar.

Schon gestern hat von Wattenwyl jedoch eine neue Arbeit aufgenommen. Er ist jetzt Betriebsleiter der Schwellenmätteli-Restaurants Terrasse und Casa an der Aare. Drei bis vier Mitarbeiter aus seinem Team werde er mitnehmen können, sagt er. Laut Auskunft der Medienstelle der Kantonspolizei Bern sind die Ermittlungen wegen des Brandes noch nicht abgeschlossen. Fest steht seit letztem Oktober, dass es sich um Brandstiftung handelte. (Der Bund)

Erstellt: 28.02.2012, 08:53 Uhr

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