Bern

Musikalische Boten der Toleranz

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 04.05.2012

Ein türkischer Chor aus Antakya (Antiochia) singt in Bern. Das Besondere daran: Er besteht aus Muslimen, Christen und Juden. Organisiert wird das Konzert von Berner Muslimen und Christkatholiken.

35 Männer und Frauen aus Antakya werden Musik aufführen in einer seltenen Breite: islamische, alevitische, jüdische und christliche Lieder, gesungen auf Türkisch, Armenisch, Kurdisch, Hebräisch, Arabisch und Deutsch.

35 Männer und Frauen aus Antakya werden Musik aufführen in einer seltenen Breite: islamische, alevitische, jüdische und christliche Lieder, gesungen auf Türkisch, Armenisch, Kurdisch, Hebräisch, Arabisch und Deutsch.
Bild: zvg

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Sa, 5. Mai, 20 Uhr, Kirche St. Peter und Paul, Platzreservation empfohlen: reservation.cdz.bern@gmail.com

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Ein interreligiöser Chor aus der Türkei: Die Affiche lässt aufhorchen. Muslime, Christen und Juden haben den Antakya Medeniyetler Korosu (Chor der Zivilisationen) 2007 gegründet. Hinter Antakya verbirgt sich das antike Antiochia, das für die ersten Christen sehr bedeutend war und noch heute eine grosse religiöse Vielfalt aufweist. In Antiochia kam es zu einem Konflikt zwischen den Aposteln Petrus und Paulus, von dem Paulus im Galaterbrief berichtet.

Kein Eklat - interreligiöser Friede

Das pure Gegenteil soll sich abspielen, wenn der Chor aus Antiochia in der Kirche mit dem passenden Namen St. Peter und Paul auftritt - im christkatholischen Kirchenbau, den ein soeben publizierter Kunstführer würdigt. 35 Männer und Frauen aus Antakya, darunter 8 Instrumentalisten, werden Musik aufführen in einer seltenen Breite: islamische, alevitische, jüdische und christliche Lieder, gesungen auf Türkisch, Armenisch, Kurdisch, Hebräisch, Arabisch und Deutsch.

Ist der von der türkischen Botschaft mitorganisierte Anlass eine PR-Aktion, um die Toleranz des Landes zu demonstrieren, das der EU beitreten will? Nein, sagt Botschaftsrat Emre Ozigci. Koexistenz von Religionen und Kulturen in seinem Land sei «ein historisches und zeitgenössisches Faktum». Nicht muslimische Religionsangehörige hätten «genau die gleichen Rechte und Freiheiten» wie alle türkischen Bürger. Ozigci führte weiter aus, bei einst umstrittenen Besitzverhältnissen kirchlicher Gebäude habe sich in den letzten Jahren vieles geklärt, und das Singen kurdischer Lieder sei «in der Türkei nie verboten» gewesen.

Erprobte interreligiöse Zusammenarbeit

Für den christkatholischen Kirchgemeinderat Reto Bachmann ist der Anlass ebenfalls keine PR-Aktion, sondern die Frucht einer erprobten Zusammenarbeit mit dem Türkisch-Islamischen Verein in Ostermundigen. So sieht es auch dessen Präsident Hasan Irmak. Als die Botschaft auf ihn zukam wegen des Konzertorts, war für Irmak bald klar, wo er anklopfen würde: bei den Christkatholiken.

(Der Bund)

Erstellt: 04.05.2012, 15:21 Uhr

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