Bern

Mit dem Elektroauto von Tallinn nach Monaco

Von Adrian M. Moser. Aktualisiert am 10.06.2011

E-Fahrzeuge machten auf dem Weg nach Monaco Halt auf dem Bundesplatz.

1/3 Autodesigner Frank Loacker (rechts) lässt Stadtpräsident Alexander Tschäppät im Zerotracer Platz nehmen.
Bild: Valérie Chételat

   

Stichworte

Schnell sehen sie aus, die Boliden, die gestern Mittag auf dem Berner Bundesplatz vorfuhren. Zwei von ihnen sind auf den ersten Blick normale Sportwagen, der dritte mutet hingegen futuristisch an. Etwas haben die drei Fahrzeuge dennoch gemeinsam: Sie werden von einem Elektromotor angetrieben.

Die Fahrer der Elektroautos sind die Teilnehmer des Tallinn–Monte Carlo Electric Race Marathon 2011. Dieser führt in zehn Tagen von Estland über Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland in die Schweiz und von hier weiter über Italien nach Monaco. Zum einen handelt es sich dabei um einen Wettbewerb: Ein Auto des Organisators, der sogenannte Zero Car, startet jeweils zehn Minuten vor dem ersten Teilnehmer. Die Rennfahrer werden einzeln auf die Strecke geschickt und versuchen, möglichst genau an die Zeit des Zero Cars heranzukommen. Je weiter sie davon entfernt sind, desto mehr Strafpunkte erhalten sie. Zum anderen sind sie aber auch auf Mission: «Der Elektromobilität gehört die Zukunft», verkünden die Beteiligten einhellig.

Einer von ihnen ist Frank Loacker. Er ist stellvertretender Geschäftsführer der Designwerk GmbH aus Winterthur. Die Firma hat das futuristische Gefährt entwickelt, das sich optisch deutlich von den anderen Autos abhebt und sich Zerotracer nennt. «Es handelt sich bei unserem Fahrzeug nicht um ein Auto, sondern um ein Kabinenmotorrad», sagt Loacker. «Das ist im Moment das effizienteste Hochleistungsfahrzeug der Welt.» Es verbrauche umgerechnet nur 0,7 Liter Benzin auf hundert Kilometer und habe trotzdem die Leistung eines Ferraris, verkündet er nicht ohne Stolz. Im vergangenen Jahr haben Loacker und sein Team mit dem Zerotracer das Zero Emissions Race gewonnen. Dabei haben sie in 80 Tagen die Erde umfahren und gleichzeitig mit einer Solaranlage gleich viel Strom produziert und ins Netz eingespeist, wie sie verbraucht haben.

«Notwendiges Puzzleteil»

Die Bedingung, seinen Strombedarf – zumindest virtuell – selbst zu decken, fehlt beim Electric Marathon. Ist dieser somit letztlich ein ganz normales Autorennen unter dem Deckmantel des Umweltschutzes? «Nein», sagt Loacker. «Wir wollen zeigen, dass man mit Elektroautos auch sportlich unterwegs sein kann.» Bisher kenne man Elektroautos ja vor allem als langsame, dreirädrige Leichtfahrzeuge. Loacker denkt auch nicht, dass sich der Atomausstieg und die deswegen befürchteten Versorgungsschwierigkeiten negativ auf die Zukunftschancen der Elektromobilität auswirken könnten. «Im Gegenteil», sagt er. «Elektroautos sind ein notwendiges Puzzleteil in der Energielandschaft der Zukunft.» Sie könnten mit ihrer Batterie dereinst dazu beitragen, Netzschwankungen auszugleichen.

Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) hiess den Tross «in der schönsten Stadt der Welt» willkommen und überreichte den Teams ein Buch und ein kleines Taschenmesser. «Wäre das eine Rallye mit benzingetriebenen Autos, wäre es wohl nicht mein Ding», sagt er anschliessend gegenüber dem «Bund». Da es hier aber um Technologie und nicht um Geschwindigkeit gehe, finde er die Sache spannend – «besonders jetzt, wo so viel über Energie diskutiert wird».

Nach drei Stunden starten die Teams zur nächsten Etappe. In Lausanne laden sie ihre Batterien erneut auf. Das Tagesziel ist Genf. Morgen treffen die Rennfahrer in Monaco ein, wo der Fürst zum Galadinner lädt.

Das Electric Race wird heuer erstmals durchgeführt. Vorbild ist die Rallye Automobile de Monte Carlo, die in den 1930er-Jahren jeweils vom Norden Europas nach Monaco führte. Geht es nach den Organisatoren, findet das Rennen 2012 in grösserem Stil erneut statt. (Der Bund)

Erstellt: 10.06.2011, 08:25 Uhr

0

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.
Noch keine Kommentare

Bern

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen

DAS GELD und ich

Börsen auf Höchstständen: Wie weiter?

Fernstudentin an der FFHS

Award für beeindruckende Weiterbildungsbiografie

Genusswelt

Besuchen Sie unsere Genusswelt und entdecken Sie die Welt des Genuss!

WERBEN SIE ONLINE

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir beraten Sie gerne.

Alles für Abonnenten und Abonnentinnen

Laden Sie sich Ihr ePaper auf Ihren Computer und blättern Sie gratis und ab 5 Uhr früh in Ihrem "Bund".

Abopreise vergleichen

Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.