Bern

Liebefeld verliert die Agrarforschung - und gewinnt wohl trotzdem

Von Marc Lettau. Aktualisiert am 03.11.2011

Die landwirtschaftliche Forschung, die bisher in Liebefeld erfolgte, wird nach Posieux FR verlegt. Längerfristig dürfte dies heissen: mehr Bundesarbeitsplätze fürs Liebefeld.

Die Agrarforschung wird künftig im freiburgischen Posieux betrieben.

Die Agrarforschung wird künftig im freiburgischen Posieux betrieben.
Bild: Keystone

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Der Bund bündelt die landwirtschaftliche Forschung. Die bisher auf zwei Standorte verteilte Arbeit der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP) wird bis im Jahr 2017 ganz im freiburgischen Posieux konzentriert. Diesen Entscheid von Bundesrat Johann Schneider-Ammann machte gestern das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) publik. Betroffen sind 150 Mitarbeitende.

BLW-Sprecher Jürg Jordi sagte auf Anfrage, Entlassungen seien keine vorgesehen. Die Betroffenen könnten ihre Forschungsarbeit in Posieux weiterführen. Damit will Jordi betont haben, dass der Zusammenzug in Posieux nicht als Schwächung, sondern als Stärkung der landwirtschaftlichen Forschung zu verstehen ist. Durch die Bildung von grösseren Zentren gewinne die Agrarforschung an Gewicht. Das Dezentrale bleibe dennoch prägend: Trotz der angekündigten Zusammenführung der Standorte Liebefeld und Posieux stütze sich die landwirtschaftliche Forschung, Bildung und Beratung im Raum Bern-Freiburg weiterhin auf «ein dezentrales Netzwerk mit nationaler und internationaler Ausstrahlung», sagt Jordi.

Forschung spielt Mittel frei

ALP-Direktor Michael Gysi stellt sich ohne Einschränkung hinter den strategischen Entscheid. Dieser sei auch aus der Sicht der Forschung naheliegend und keineswegs überraschend. Auf zwei Standorte verteilte Forschung ziehe nämlich zwangsläufig Doppelspurigkeiten nach sich. Diese könnten nun eliminiert werden - und zwar bei gleichbleibendem Forschungsbudget. Ergo profitiere unter dem Strich die landwirtschaftliche Forschung. Der Abschied vom Standort Liebefeld habe auch «etwas Zwangsläufiges». Der vergleichsweise kleine Forschungsstandort, an dem heute in den Bereichen Milch- und Fleischverarbeitung, Lebensmittelsicherheit und Bienen geforscht wird und wo Kulturen für die Käseherstellung produziert werden, sei zunehmend zum «Exoten» geworden. In Posieux profitiere die Forschung hingegen von der Nähe des dortigen landwirtschaftlichen Bildungszentrums. Ausserdem könne in Posieux ein landwirtschaftlicher Versuchsbetrieb geführt werden.

Hat Liebefeld verloren?

Hätte die Forschungstätigkeit nicht auch von Posieux ins Liebefeld verlegt werden können? Oder anders gefragt: Hat Bern im Werben um Bundesarbeitsplätze einen Zweikampf gegen Freiburg verloren? Die behördliche Antwort lautet: nein. Zwar sei die entsprechende Offerte Freiburgs eine der Voraussetzungen für den Zusammenzug der Forschung in Posieux gewesen, sagt BLW-Sprecher Jordi. Aber beide Kantone dürften sich als Sieger sehen. Freiburg profitiere vom Zuzug landwirtschaftlicher Forschungsarbeitsplätze. Bern und die Standortgemeinde Köniz profitierten davon, dass im Liebefeld künftig noch mehr Bundesarbeitsplätze angesiedelt werden können: Mit dem Wegzug der landwirtschaftlichen Forschung erhöhe sich das Potenzial, «das in den nächsten Jahren genutzt werden soll», am Standort Liebefeld auf 2700 Arbeitsplätze.

Die Standortgemeinde Köniz hat den sukzessiven Abschied von der landwirtschaftlichen Forschung übrigens längst schon vorweggenommen. Die einstige «Versuchsanstalt» prägt das Ortsbild kaum noch. Ihre weiten Äcker - das charakteristische Dreispitzareal eingeschlossen - sind längst schon vom urbanen Siedlungsraum umarmt und erobert worden. Wo einst Kulturen wuchsen, wird heute modern gewohnt. (Der Bund)

Erstellt: 02.11.2011, 18:08 Uhr

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