Bern
Laub nicht um jeden Preis entfernen
Von Lisa Stalder. Aktualisiert am 10.11.2010 2 Kommentare
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
(Rainer Maria Rilke)
So rein die Poesie des grossen Dichters Rilke, so profan geht es zu und her, wenn die Blätter auf dem Boden (der Tatsachen) gelandet sind. Sie werden weggewischt, mit dem Rechen gesammelt oder mit dem umstrittenen Laubbläser (siehe auch Zweittext) aus ihrer Liegeposition aufgewirbelt.
Während Private selber zu Rechen, Schaufel oder Laubbläser greifen oder aber einen Gärtner oder Hauswart anheuern müssen, werden diese Aufgaben im öffentlichen Raum von der Stadt übernommen. So sorgen Angestellte des städtischen Tiefbauamts dafür, dass Strassen und Gehwege stets frei von Laub sind. In Parks und Grünanlagen sowie auf Friedhöfen, Wiesen und Spielplätzen ist seit je die Stadtgärtnerei für das Entfernen des Blätterchaos verantwortlich.
Laub wird «regional kompostiert»
Zwischen 25 und 35 Angestellte sind seit Ende Oktober unterwegs, um die gefallenen Blätter mit dem Rechen zu sammeln oder sie mit Laubbläsern und Saugmaschinen zu entfernen. Ihr Einsatz dauert bis spätestens Ende Dezember, wie Max Jaggi, Bereichsleiter Grünflächenpflege bei der Stadtgärtnerei, sagt. Die Angestellten seien praktisch täglich im Einsatz, einzig bei Schnee oder sehr starkem Regen werde auf das Einsammeln von Laub verzichtet. In den verschiedenen Grünanlagen und Parks wird das Laub laut Jaggi ein- bis dreimal pro Herbst entfernt. An gewissen Stellen würden die welken Blätter bewusst liegen gelassen und schliesslich auf einen Schlag weggeräumt. «Dies nicht zuletzt, damit Kinder und auch Erwachsene den Herbst so richtig geniessen können.»
Jeden Herbst sammelt die Stadtgärtnerei rund 1800 Kubikmeter Laub ein. «Das sind zwischen 220 und 250 Lastwagen voll», sagt Jaggi. Der grösste Teil des eingesammelten Laubes werde «regional kompostiert». So beispielsweise bei Bauern und Baumschulen in den Gemeinden Zollikofen oder Köniz und auch in Lobsigen. Das Laub wird gehäckselt und an Feldrändern niedergelegt, wo es sich langsam zersetzen kann. Später wird der Kompost auf Feldern verteilt oder aber der Stadt und Gartenbaubetrieben zurückgegeben.
Nur das Laub der Rosskastanienbäume wird separat kompostiert. Der Grund: Viele dieser Bäume sind von der Miniermotte befallen (siehe «Bund» vom 29.9.2010). Im Larvenstadium frisst sich dieser winzige Schädling durch die Blätter der Rosskastanie und lässt diese schneller braun werden. Um den Mottenbefall im nächsten Jahr einzudämmen, muss das Laub entfernt und heiss kompostiert werden. Dies, damit die Larven, die jeweils im Laub überwintern, nicht überleben können und «so nur ein kleiner Erstbefall im Frühling stattfindet».
Parks erscheinen «aufgeräumter»
Wäre es denn nicht auch auf der Kleinen Schanze oder im Monbijoupärkli möglich, die Natur sich selbst zu überlassen? «Liessen wir das Laub auf Rasen oder Wiesen liegen, trügen diese Schaden davon», sagt Jaggi. Die Stadtgärtnerei habe dies bei der Schütte am Aarehang einst getestet. Das gesamte Laub wurde über längere Zeit liegen gelassen. Dabei habe sich gezeigt, dass wegen der dicken Laubschicht die Wiesengräser abgestorben seien. Dies hatte zur Folge, dass der Hang erodierte. Ein weiterer Grund, weshalb das Entfernen des Laubes in Parks nötig ist: «Sind Plätze und Wege von den Blättern befreit, stärkt dies das Sauberkeits- und Sicherheitsgefühl.» Gerade älteren Leute sei es viel wohler, wenn sie nicht ständig Angst haben müssten, auf dem nassen Laub auszurutschen. Zudem sehe der Park «aufgeräumter» aus.
Ökologie an oberster Stelle
Die Angestellten der Stadtgärtnerei entfernen das Laub allerdings nicht um jeden Preis, wie Jaggi betont: «An jenen Stellen, an denen wir es liegen lassen können, tun wir dies natürlich.» Denn das Laub diene Igeln und anderen Kleintieren als Unterschlupf. Und: «Die Ökologie hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert.» (Der Bund)
Erstellt: 10.11.2010, 10:20 Uhr
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2 Kommentare
«Die Ökologie hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert.» Eben nicht! Dass der Park «aufgeräumter» aussieht, hat Priorität! Man geht aber nicht des «Sauberkeits- und Sicherheitsgefühls» wegen in den Park sondern weil es dort anders ist, als im Büro oder im Spital. Auf Kieswegen muss man nicht Angst haben, auf dem Laub auszurutschen, immer die gleichen Ausreden. Antworten
Niemand hat etwas dagegen, dass die Stadt Laub von Strassen, Trottoirs und Velowegen(!) entfernt. An lärmigen Strassen stören auch die Bläser und Sauger nicht gross. Aber im Friedhof, wo man Trost sucht. Am Ort der Stille, der Zwiesprache. Mir verschlägt es die Sprache... Und zur Effizienz: http://www.youtube.com/watch?v=BPFrCaDToP Antworten
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