Langfinger klauen Gemüse aus Urban-Gardening-Beeten

Frust bei Stadtberner Hobby-Gärtnern: Passanten lassen deren Grünzeug mitgehen. Nun reagiert die Stadt.

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«Leider verschwindet auf unerklärliche Weise reifes Gemüse, sodass die Ernte teils kärglich ausfällt»: Stadtgrün Bern warnt auf Hinweistafeln vor Langfingern beim Urban-Gardening-Projekt «Hängende Gärten» im Berner Breitenrain-Quartier.

Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) höchstpersönlich lancierte das Hobbygärtner-Projekt an der Ecke Kasernen-/Beundenfeldstrasse vor gut einem Jahr als «kleine Oase in der Stadt». Seither hegen und pflegen über 25 Anwohner auf einem mehrstöckigen Gerüst in Gemüsekisten ihre Broccoli, Cherry-Tomaten oder Kopfsalate und entrichten dafür eine kleine Jahresgebühr. Besonders während der Erntezeit im vergangen Herbst kam aber viel Gemüse weg.

Nach der ersten Saison ist einigen Hobby-Gärtnern die Lust etwas vergangen, neue Setzlinge zu pflanzen. «Sie haben den Verleider bekommen, weil sich permanent Leute an ihren Beeten bedient haben. Einige wollten gar aussteigen», sagt Projektkoordinator Martin Hofer, der selbst ein Beet bewirtschaftet. Seine Frau hat im vergangen Jahr einen Passanten in flagranti ertappt, als dieser am helllichten Tag eine Aubergine einsteckte. Sie sprach ihn sofort an. Das Gemüse sei doch öffentliches Gut, habe der Mann geantwortet. «Eine faule Ausrede!», glaubt Hofer. Er hat beobachtet, dass besonders viel Gemüse wegkommt, das auf Griffhöhe wächst. «Das ist schon ernüchternd, wir stecken schliesslich viel Zeit und Herzblut in das Projekt.»

Wo man in Bern überall auf öffentlichem Grund gärtnern kann:

«Mundraub» von Beeren

Ob im Nordquartier oder beim alten Tramdepot Burgernziel: Gemüse verschwindet bei fast allen Urban-Gardening-Standorten in der Stadt Bern mehr oder weniger regelmässig. «Am häufigsten sehen wir den Mundraub. Also wenn Passanten etwa Beeren oder Cherry-Tomaten an Ort und Stelle verspeisen», sagt Walter Glauser, Bereichsleiter bei Stadtgrün Bern. Er will nicht explizit von Diebstahl sprechen. «Einige Leute denken wohl, Urban Gardening ist eine Gratis-Selbstpflückanlage.»

Nichtsdestotrotz sei es für die Besitzer natürlich sehr ärgerlich, wenn ihr selbst gezogenes Gemüse einen Tag vor der geplanten Ernte plötzlich verschwinde. Dank den milden Temperaturen kann man in diesen Tagen richtiggehend zusehen, wie Pflanzen erblühen. Die Hobby-Gärtner im Breitenrainquartier versuchen sich derweil selbst vor Gemüse-Dieben zu schützen. Einige hätten Warnschilder in ihren Beeten aufgestellt. «Die Polizei kann man ja wohl kaum rufen wegen eines geklauten Broccoli», so Hofer.

Die Tipps des Profis

Hinweistafeln hin oder her: Es ist kaum zu verhindern, dass Gemüse weiterhin verschwindet. Walter Glauser hat denn auch einige Tipps für die Berner Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner auf Lager. Er empfiehlt, schnell wachsende Gemüse wie Fenchel, Radisli oder Cherry-Tomaten zu pflanzen. Diese Kulturen könne man bei guten Bedingungen innerhalb von zwei Monaten ernten. Dies im Gegensatz etwa zu Rosenkohl, der eine ganze Saison bis zur Erntereife benötige. (Der Bund)

(Erstellt: 30.03.2016, 06:30 Uhr)

Urban Gardening

Neue Standorte in der Stadt Bern

Im Breitenrain spriessen Urban-Gardening-Projekte aus dem Boden: Hobby-Gärtner können neu ihre Pflanzen im Hof der alten Feuerwehrkaserne Viktoria setzen. Es ist dies der vierte Urban-Gardening-Standort im Nordquartier. Ende März ist zudem am Egelsee eine neue Anlage für Freizeit-Gärtner eröffnet worden. Stadtgrün Bern hat eigens eine neue Tragkonstruktion ausgetüfelt, an der zehn Gemüsekisten befestigt werden können. Die Stadt Bern plant einen weiteren Standort am Wärmbächliweg. Noch fehlt aber die nötige Baubewilligung. Punkto Urban Gardening weiterhin ein weisser Fleck auf der Landkarte ist die Länggasse. «Wir haben bislang schlicht keinen geeigneten Platz gefunden», sagt Walter Glauser von Stadtgrün Bern. Entweder habe es zu viel Schatten wie beim Spielplatz Seidenweg, oder die Fläche gehöre nicht der Stadt. Warum macht die Stadt nicht einfach Gartenbeete im Falkenplatz-Park? «Das ist durchaus eine Möglichkeit. Erschwerend ist, dass das Gelände nur teilweise eben ist», so Glauser.

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