Bern

Länggassquartier kämpft um einen Spielplatz

Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 08.12.2011 7 Kommentare

Bei einer Sanierung des Länggass-Schulhaus soll die Aula auf dem heutigen Schulhof-Spielplatz gebaut werden. Die Quartierbewohner fühlen sich brüskiert. Nun vermittelt der Stadtpräsident im Streit.

1/3 Bei einer Sanierung des Länggass-Schulhaus soll die Aula auf dem heutigen Schulhof-Spielplatz gebaut werden.
Bild: Manu Friederich

   

In einem Punkt sind sich alle einig: Das Grosse Länggass-Schulhaus muss saniert werden und braucht eine Aula. Umstritten ist aber der Aula-Standort, der laut dem Siegerprojekt eines von den Berner Stadtbauten (Stabe) durchgeführten Wettbewerbs auf dem heutigen Schulhof-Spielplatz zu stehen käme. Der mögliche Verlust eines der grössten Spielräume im Quartier stösst auf heftigen Widerstand.

Und aus dem Aula-Projekt einer Quartierschule ist ein Fall für den Stadtpräsidenten geworden: Alexander Tschäppät (SP) wird demnächst einen runden Tisch moderieren, an dem es zu einer Aussprache zwischen der Quartierkommission einerseits und den beiden Gemeinderätinnen Edith Olibet (SP) und Barbara Hayoz (FDP) sowie den zuständigen Dienststellen ihrer Direktionen andererseits kommt. Dabei sollen «die Hintergründe der heutigen Planung dargelegt und Alternativen ausgeleuchtet werden», wie der Gemeinderat in seiner Antwort auf eine Interpellation der Fraktion GB/JA schreibt, die nächste Woche im Stadtrat traktandiert ist. Interpellantin Monika Hächler traut der Verhandlungsbereitschaft aber nicht. «Der runde Tisch dient wohl nur dazu, das bestehende Projekt mehrheitsfähig zu machen», sagt die Stadträtin des Grünen Bündnisses (GB). Gemeinsam mit SP und GFL hat Hächler daher eine Motion eingereicht, die unter anderem die Sistierung der Aula-Planung zwecks Prüfung von Alternativstandorten fordert.

Brüskierte Quartierbewohner

Hächler befürchtet, dass die Stadt das Projekt «auf Biegen und Brechen» durchziehen wolle. In ihrer Motion schlägt sie daher mögliche Alternativen wie den Einbau der Aula in den Dachstock des Länggass-Schulhauses oder den Umbau der bestehenden Turnhalle in eine Aula und den Bau einer neuen Turnhalle im Untergrund vor. Falls diese Varianten nicht realisierbar sind, verlangt Hächler zumindest einen gleichwertigen Ersatz für die Spielfläche.

Der Widerstand gegen den Aula-Neubau ist auch deshalb so stark, weil sich viele Bewohner des Quartiers übergangen fühlen. So hat ein Anwohner eine Petition für den Erhalt der Spielfläche im Quartier lanciert. Und die Quartierkommission Länggasse (QLä) hat in einem Schreiben an Tschäppät moniert, dass sie in das Wettbewerbsverfahren nicht einbezogen worden sei. «Für uns war es am Anfang schwierig, überhaupt Informationen zum Projekt zu erhalten», sagt QLä-Geschäftsführer Konrad Guggisberg. Die Stadt habe das Projekt offenbar ohne Quartier-Mitsprache durchziehen wollen. Der vorgesehene Standort für die Aula sei für die Quartierkommission inakzeptabel. Er erwarte, dass am runden Tisch ernsthaft über Alternativstandorte diskutiert werde, sagt Guggisberg.

Stadt hält am Aula-Projekt fest

Der Widerstand im Quartier hat Jurypräsident und Stabe-Manager Stefan Dellenbach überrascht. Schliesslich hätten in der Jury auch eine Expertin für Freiraumplanung und ein Aussenraum-Gestalter der Stadtgärtnerei Einsitz genommen. «Ich ging davon aus, dass das Projekt quartierverträglich ist.»

Dellenbach gibt zu bedenken, dass die Stadt eine rechtliche Verpflichtung gegenüber den Bieler Spaceshop-Architekten als Sieger des Wettbewerbes habe. «Wir können nicht ein anderes Projekt nehmen oder die Aula des Siegerprojekts an einem anderen Ort realisieren.» Werde andernorts gebaut, brauche es einen neuen Wettbewerb, sagt Dellenbach.

Ein solches Szenario will die Direktion für Bildung, Soziales und Sport (BSS) wenn möglich verhindern. «Damit hätten wir 300'000 Franken Projektkosten in den Sand gesetzt und die nötige Sanierung des Schulhauses verschoben», sagt Generalsekretär Sven Baumann. Bei einem Einbau der Aula in den Dachstock müsste nämlich ein neues Schulhaus-Sanierungsprojekt in Angriff genommen werden. Und der Umbau der Turnhalle in eine Aula habe sich als unmöglich erwiesen. Für Baumann kommt allenfalls eine Verschiebung der Aula innerhalb des Schulhofs infrage. «Damit würde der Spielplatz nicht so stark tangiert wie beim bestehenden Projekt», sagt Baumann. Immerhin hat der Streit bis anhin eine positive Folge gehabt: «Zurzeit wird diskutiert, ob und wie die Quartiere bei der Sanierung von Schulanlagen einbezogen werden können», sagt Baumann. (Der Bund)

Erstellt: 08.12.2011, 09:07 Uhr

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7 Kommentare

René Kernen

08.12.2011, 09:35 Uhr
Melden 6 Empfehlung

am unerträglichsten ist ja die "Überraschung" über den Widerstand im Quartier. und dann werden noch irgendwelche rechtliche Verpflichtungen als Ausrede vorgeschoben. Antworten


Roland Anker

08.12.2011, 09:56 Uhr
Melden 4 Empfehlung

es braucht die aula, keine frage. aber wie kommt es, dass herr dellenbach meint, eine experte aus der stadtgärtnerei sei gleichzusetzen mit einer vertetung aus dem quartier? der leiter stabe war lange zeit für den kanton im quartier tätig, als begleiter der uniplanung von roll. erstaunt deshalb die geringe quartiersensibilität? wohl nicht! in zukunft: mehr kommunikation + fähige vertreter, bitte! Antworten



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