Bern

Kriegsverbrecher an der Fassade

Von Matthias Ryffel. Aktualisiert am 21.04.2012

Über Nacht sind in der Stadt Bern zahlreiche Plakate aufgehängt worden, die auf den Kriegsverbrecher Joseph Kony aufmerksam machen. Die Organisation Invisible Children hatte weltweit zu der Aktion aufgerufen.

1/10 Der Kriegsverbrecher Joseph Kony soll zur Strecke gebracht werden. Zu diesem Zweck will man ihn auf der ganzen Welt bekannt machen.
Matthias Ryffel

   

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Über Nacht wurden in der ganzen Stadt Bern Plakate aufgezogen, die den Kriegsverbrecher Joseph Kony neben Osama Bin Laden und Adolf Hitler abbilden. Die nichtstaatliche Organisation Invisible Children hatte unter dem Slogan «Cover The Night» weltweit zu der Plakat-Aktion aufgerufen – dies vornehmlich über neue Medien wie Facebook.

Ziel der Kampagne ist es, den Kampf der Organisation gegen den Kriegsverbrecher Joseph Kony populär, und ihn selber selber dingfest zu machen. Kony ist Anführer der ugandischen Rebellengruppe Lord's Resistance Army (LRA), die sich seit Jahren im zentralafrikanischen Dschungel versteckt. Die LRA ist berüchtigt für Morde, Vergewaltigungen und die Zwangsrekrutierung von Kindern. Die Organisation hatte dank einem Videofilm über die Plattform Youtube international Aufmerksamkeit erregt: Der Film über die Kampagne zur Verhaftung Konys wurde nahezu 100 Millionen Mal angeklickt.

Ruhig und problemlos

Über die Kampagne wurde dazu aufgerufen, Städte in der ganzen Welt mit dem Bildnis Konys regelrecht vollzupflastern – auf dass dieser in aller Munde wäre. In der Stadt Bern ist dies wohl nicht gelungen: Gerade in der Innenstadt war die Zahl der Plakate am Morgen eher bescheiden. Ob die Stadtreinigung zu diesem Zeitpunkt bereits einen Teil der Plakate entfernt hat, ist indes noch unklar.

Klar ist hingegen dies: 352 Personen hatten auf dem Berner Ableger der Facebook-Kampagne ihre Teilnahme angekündigt. «Ernsthaft» mitgewirkt haben laut der Aussage eines der Organisatoren nur rund 20 Leute. Der junge Mann, der lieber anonym bleiben will, führt die schwache Beteiligung auch auf die Kritik an der Kampagne zurück. Er selber stehe nach wie vor dahinter.

Auch die Kantonspolizei hatte die Aktion auf dem Radar, wie Polizeisprecher Andreas Hofmann bestätigt: «Wir waren im Bilde und haben die Plakat-Aktion im Rahmen der normalen Tätigkeit überwacht.» Die Sache sei aus Sicht der Polizei «ruhig und problemlos» verlaufen. Bis heute Vormittag sind bei der Polizei keine Schadensmeldungen eingegangen.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.04.2012, 09:00 Uhr

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