Kocherpark wird zum Festival-Gelände

Auf dem Berner Kocherpark soll ab Freitag während dreier Wochen das Festival «Parkonia» stattfinden. Es wurde äusserst kurzfristig auf die Beine gestellt – noch fehlt das Programm.

Der Kocherpark als Veranstaltungsort wurde von der Stadt vorgeschlagen.

Der Kocherpark als Veranstaltungsort wurde von der Stadt vorgeschlagen. Bild: Franziska Rothenbühler

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Am Freitag startet im Kocherpark das Festival «Parkonia». Noch nie davon gehört? Kein Wunder: Das Gratis-Festival wurde innerhalb von nur drei Wochen auf die Beine gestellt. Die Festival-Organisatoren möchten vom 7. bis zum 29. Juli den verschlafenen, aber zentral gelegenen Kocherpark in eine «blühende Sommeroase voller kultureller Darbietungen, spannender Begegnungen und rauschender Nächte» verwandeln, «ohne Eintritt und Konsumzwang», wie sie mitteilen.

«Oase zum Verweilen»

Es wird viel versprochen: Konzerte soll es geben, Filme, Theater, Lesungen und durch den Tag ein familienfreundliches Programm. Das Wichtigste fehlt trotzdem: ein Gesamtprogramm. Das liege an der «Kurzfristigkeit» der Planung, sagt Co-Organisator Manuel Michel vom Verein «Ohne Bourdieu». Das Festival-Programm werde aber ab Donnerstag laufend aufgeschaltet, verspricht er. Hat man in so kurzer Zeit überhaupt Musiker für einen Auftritt gefunden? Michel bejaht: Das Festival sei auf grosses Interesse gestossen, und viele Künstler hätten sich bereits verpflichtet – mehr will er aber noch nicht verraten. Michel und seine Mitstreiter sind der Meinung, dass es während dieser Zeit in der Stadt insgesamt zu wenig nicht kommerzielle Veranstaltungen gibt: «Vor allem für Junge gibt es in dieser Stadt nicht viele Orte, wo etwas läuft ohne Eintritt und Konsumzwang», sagt Michel. Deshalb habe man die Idee zu diesem Festival gehabt.

Wird der Kocherpark also im Juli zu einem zweiten Vorplatz? Eher nicht. Am Wochenende ist mit Musik auf der Bühne bereits um 22 Uhr Schluss, und unter der Woche soll es hauptsächlich unverstärkte Konzerte geben. «Wir wollen die Nachbarn ja nicht verärgern.» Aber grundsätzlich sei der Park öffentlich, sagt Michel. «Die Jungen könnten ja schon jetzt die ganze Nacht dort verbringen.» Er möchte aber festhalten, dass «Parkonia» nicht nur ein Musikfestival sei: «‹Parkonia› soll nicht nur Festzone, sondern durch den Tag vor allem eine Oase zum Verweilen werden.»

Stadt hat Kocherpark vorgeschlagen

Im Gegensatz zu öffentlichen Parks wie der Grossen Schanze ist der Kocherpark bislang bei den Jugendlichen grösstenteils verschmäht worden. Das war früher anders. Der Park hatte Anfang der 90er Jahren weltweit für Schlagzeilen gesorgt: Er war vorübergehend Heimat der zweitgrössten Drogenszene in Europa geworden. 1992 wurde der Park geräumt. Seitdem ist dort Ruhe. Auch die Organisatoren hatten für das Festival ursprünglich einen anderen Park vorgesehen. «Wir wollten das Festival eigentlich im Hirschenpark veranstalten», sagt Michel. Dieser Ort kam aber dann wegen des Bahnhofsumbaus nicht infrage. Die Stadt habe deshalb dem Verein den Kocherpark als Ort vorgeschlagen.

Norbert Esseiva, Leiter der Orts- und Gewerbepolizei kann dies bestätigen. Der Gemeinderat habe schliesslich mehrmals betont, dass er nichtkommerzielle Veranstaltungen im öffentlichen Raum unterstützen will, sagt er auf Anfrage. Der Kocherpark sei dafür durchaus geeignet. Obwohl die Bewilligung für Musik nur bis 22 Uhr erteilt wurde, ist die Bewilligung des Festivals für die Orts- und Gewerbepolizei auch ein Experiment. Auf jeden Fall werde man allfällig Reklamationen der Anwohner ernst nehmen, sagt Esseiva.

Falls das Festival erfolgreich sein wird, will Michel bereits die zweite Ausgabe angehen – falls. Denn das ganze Unternehmen ist nicht ohne Risiko: Die Ausgaben der Organisatoren belaufen sich derzeit auf fast 100’000 Franken. Sponsoren gibt es ebenso wenig wie Einnahmen aus Eintrittskarten. Ihre Ausgaben müssen die Veranstalter nun ausschliesslich mit dem solidarischen Verkauf von Bändeli und dem Getränkeausschank wieder reinholen.

Die Mitglieder des Vereins «Ohne Bourdieu» (der Name ist eine Anspielung auf den französischen Soziologen Pierre Bourdieu) sind nicht die Einzigen, die heuer den Kocherpark beleben wollen. Das «Kino im Kocher» wird vom 23. bis zum 26. August und vom 30. August bis zum 2. September stattfinden. Das Open-Air-Kino ist ebenfalls gratis. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.07.2017, 10:30 Uhr

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