Bern

Klare Fakten noch vor Abstimmung

Von Brigitta Niederhauser. Aktualisiert am 18.03.2011

Die neue Stiftung Musik Theater Bern arbeitet auf Hochtouren: Der Findungskommission, die den künftigen Direktor wählt, gehört auch Georges Delnon an, Intendant des Theaters Basel.

Mit Weitsicht in die Zukunft: Blick vom Schnürboden des Stadttheaters hinunter auf die Bühne. (Franziska Scheidegger)

Mit Weitsicht in die Zukunft: Blick vom Schnürboden des Stadttheaters hinunter auf die Bühne. (Franziska Scheidegger)

«Das Projekt macht sehr viel Freude und sehr viel Arbeit», sagt Hans Lauri, Präsident der neuen Stiftung Musik Theater Bern, in der das Stadttheater und das Berner Symphonieorchester (BSO) zusammengeführt werden (der «Bund» berichtete). Vor allem die Detailarbeit erweise sich als äusserst aufwendig. «Doch wir werden in den zentralen Bereichen unseren ehrgeizigen Zeitplan einhalten können.»

Eine erste wichtige Etappe ist die städtische Abstimmung über die Subventionsverträge, die am 15. Mai stattfindet. «Rund drei Wochen vor dem Abstimmungssonntag werden wir der Öffentlichkeit klare Fakten zu unserer Arbeit in den letzten Monaten präsentieren.» Was die Abstimmung betrifft, so ist Lauri zuversichtlich, dass eine Mehrheit der Stadtbevölkerung Ja sagen werde zum Leistungsvertrag und den damit verbundenen Subventionen für die neue Organisation Musik Theater Bern. Seine Zuversicht schöpft Lauri aus der Abstimmung im Berner Stadtrat vom 4. März 2011, als eine deutliche Mehrheit sich für diesen Leistungsvertrag ausgesprochen hat. Bis er nicht vom Stimmvolk abgesegnet ist, kann auch kein Arbeitsvertrag mit dem neuen Direktor oder der neuen Direktorin unterschrieben werden. «Auch hier sind wir im Zeitplan», sagt Lauri. Das Echo auf die Stellenausschreibung für den Posten eines Leiters, der künftig vier Sparten vorsteht, sei erfreulich gewesen. «Wir haben aber nicht nur auf die eingesandten Bewerbungen reagiert. Sehr wichtig war die Suche nach Kandidaten und Kandidatinnen in den Netzwerken der Mitglieder der Findungskommission.»

Spezialisten mit Leitungserfahrung

Dass das Stelleninserat von einer Personalvermittlungsfirma ausgeschrieben wurde, hat dem neuen Stiftungsrat viel Kritik beschert. Bemängelt wurde weiter auch das Stellenprofil des künftigen «Superdirektors», der vor allem über Managerqualitäten verfügen soll. «Das Vermittlungsunternehmen ist nicht in das inhaltliche Auswahlverfahren involviert», stellt Lauri klar. «Wir wählen den neuen Direktor im Team mit ausgewiesenen Fachleuten mit entsprechender Leitungserfahrung aus.»

Mit Georges Delnon sitzt ein erfolgreicher Theaterdirektor in der Findungskommission: Unter der Intendanz des Berners sind am Theater Basel nicht nur die Publikumszahlen deutlich gestiegen, das Musiktheater ist gleich zweimal zum «Opernhaus des Jahres» gekürt worden. Ein weiterer Fachmann in der Kommission ist Jürg Keller. Der Zürcher, der die frühere Projektgruppe Musik Theater Bern geleitet hat, war lange Jahre kaufmännischer Direktor der Tonhallen-Gesellschaft sowie des Zürcher Opernhauses. Zu den ausgewählten Kandidatinnen und Kandidaten, mit denen jetzt Gespräche geführt werden, will Lauri nur so viel sagen: «Es ist eine gute Auswahl, und noch vor der Abstimmung wollen wir die Assessments durchführen.»

Rollender Übergang

Gemäss Lauri arbeiten auch die anderen Projektgruppen – beispielsweise in den Bereichen Programmierung, Personal, Marketing, Administration/Finanzen – auf Hochtouren und bereiten den Start der neuen Organisation vor. «In den Gruppen sind bisherige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Arbeit, die mit den beiden Institutionen gut vertraut sind», sagt Lauri. Weil nicht davon ausgegangen wird, dass der neue Direktor bereits in wenigen Monaten sein Amt voll übernehmen könne, sei ein rollender Übergang geplant: «Dieses Vorgehen braucht gute Absprachen, kluge Begleitung durch den Stiftungsrat, ist aber im Orchester- und Theaterbereich keineswegs unüblich.»

Der Projektgruppe, welche im Musiktheater die Programme der Saison 2012/2013 vorbereitet, gehören unter anderen BSO-Chefdirigent Mario Venzago, Srboljub Dinic, Chefdirigent und Musikalischer Direktor am Stadttheater, sowie Matthias Gawriloff und Esther Ferrier an. Nicht dabei ist hier Intendant Marc Adam, dessen Vertrag Ende Juni 2012 ausläuft. Ob die Verträge von Ballettchefin Cathy Marston und Schauspielleiter Erich Sidler, die auch bis Juni 2012 befristet sind, verlängert werden, wollte Hans Lauri nicht verraten. Nur so viel: «Wir haben eine sehr konstruktive und erfreuliche Zusammenarbeit.» (Der Bund)

Erstellt: 18.03.2011, 11:49 Uhr

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