Bern
«Kim Jong-un hat im Unterricht Musik gehört und gezeichnet»
Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 21.12.2011
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Erst zehn Jahre später, im September 2010, hat der junge Mann realisiert, mit wem er zwei Jahre lang im Englischunterricht gesessen ist. «Als ich die Bilder von Kim Jong-uns Ernennung zum General und Nachfolger seines Vaters in der Zeitung sah, ging mir ein Licht auf», sagt Hans Meier, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Zwei Jahre lang hatte ein koreanischer Junge, den er unter dem Namen Un-pak kennen gelernt hatte, in der Parallelklasse gesessen. Meier besuchte mit ihm den Englischunterricht. Beide gehörten zu einer Gruppe von Schülern, die sich nach dem Unterricht auf dem Areal des Gymnasiums Lerbermatt trafen, um Basketball zu spielen.
Obszöne Skizzen im Unterricht
Un-pak sei auf allen seinen Wegen von mindestens zwei Männern begleitet worden. Diese hätten sich während des Basketballspiels «in respektvollem Abstand» zum Geschehen auf dem Spielfeld aufgehalten. «Ich dachte mir, es seien Verwandte von ihm», sagt Meier. Das Interesse der Oberstufenschüler an ihrem koreanischen Schulkollegen sei gering gewesen. Eine eigentliche Freundschaft habe ihn lediglich mit dem portugiesischstämmigen Jungen João Micaelo verbunden (siehe «Bund» vom 29. September 2010). Mit ein Grund für das Desinteresse dürfte auch der Sonderstatus gewesen sein, der Un-pak im Unterricht genossen habe. «Er kam um 10 Uhr oder erst am Nachmittag. Manchmal blieb er auch mal für zwei Wochen dem Unterricht fern.» Konsequenzen habe Un-pak deswegen nie befürchten müssen. Auch die Prüfungen habe er nicht regelmässig absolviert. «Während des Unterrichts hat er meist Musik gehört und gezeichnet.» Der Koreaner habe über ausgezeichnete zeichnerische Fähigkeiten verfügt. «Er konnte mit wenigen Strichen innert kürzester Zeit Gesichtsausdrücke, Figurenporträts oder Szenen skizzieren.» Letztere seien häufig auch obszöner Art gewesen.
Kein Streit, keine Mädchen
Erschwert wurde der Kontakt mit Un-pak auch durch dessen mangelnde Deutschkenntnisse. Die Schüler hätten sich oft lustig gemacht über dessen Standardantworten wie: «Ja, ich weiss nicht.» oder «Ja, ich kann nicht.» Meier vermutet aber, dass Un-pak in dieser Hinsicht geflunkert hat. Denn er habe sich generell aus allem rauszuhalten versucht, etwa auch aus Streit und Mädchengeschichten. «Er war nicht gewaltverherrlichend, auch nicht gewalttätig.» Un-pak sei der Beobachter gewesen. Mitten im 9. Schuljahr sei er plötzlich verschwunden. «Er hat die Schule nicht beendet. Die Lehrer haben sich nie zu seinem Abgang geäussert.» (bob) (Der Bund)
Erstellt: 21.12.2011, 07:30 Uhr
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