Bern
Kanton lobt umstrittene A5-Umfahrung
Jede Lösung sei besser als ein Verzicht, sagte die kantonale Bau- , Verkehrs- und Energiedirektorin Barbara Egger (sp) am Montag vor den Medien in Biel. Nur mit dem Westast könne der Verkehr auf wichtigen Strassen in der Agglomeration Biel um mehr als 30 Prozent gesenkt werden.
Weniger Verkehr bedeute auch weniger Luft- und Lärmbelastung sowie mehr Verkehrssicherheit. Egger stützt sich mit ihren Aussagen auf eine vom Kanton Bern in Auftrag gegebene Zweckmässigkeitsbeurteilung.
Diese Studie untersucht, ob ein Westast überhaupt sinnvoll ist und welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Varianten haben. Dieses Material dient unter anderem einer regionalen Arbeitsgruppe, die dem Kanton bis im Sommer aufzeigen soll, welche Variante die Region bevorzugt.
Teuer, aber...
Eine eindeutige Empfehlung geben die Verfasser der Studie nicht ab. Einzig bei der Anbindung des rechten Bielerseeufers sprechen sie sich klar für den Porttunnel aus.
Die Studie stellt auch die Kosten von 1,5 bis 2 Mrd. Franken dem möglichen Nutzen gegenüber. Als möglichen Nutzen stipuliert die Studie weniger Unfälle und eine kürzere Reisezeit.
So gesehen erscheine das Bauwerk teuer, heisst es in der Studie. Stünden für die Entscheidträger vor allem die Kosten im Mittelpunkt, dürften sie zumindest vorderhand auf den Bau des Westastes verzichten.
Stünden aber übergeordnete Aspekte wie etwa die Verbesserung der Lebensqualität und der Stadtqualität im Zentrum, dürften sie sich für einen Bau des Westastes entscheiden.
Die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin Barbara Egger doppelte in diesem Punkt nach: Die gesamten städtebaulichen und raumwirksamen Vorteile würden das ungünstige Kosten-Nutzenverhältnis bei weitem aufwiegen, sagte sie am Montag.
Umstrittener Westast
Die Zweckmässigkeitsbeurteilung befasste sich mit insgesamt vier Stossrichtungen. Die erste bildet das heute gültige, vom Bundesrat genehmigte, generelle Projekt, also der Westast mit dem Anschluss Biel Zentrum und dem Zubringer Nidau.
Die zweite Stossrichtung basiert ebenfalls auf dem generellen Projekt. Anstelle des Zubringers Nidau wird hier aber der Porttunnel favorisiert.
In einem Zwischenschritt Mitte letzten Jahres hat die Arbeitsgruppe entschieden, eine dritte Stossrichtung zu prüfen: Diese sieht je einen Halbanschluss Biel Zentrum und Seevorstadt vor sowie ebenfalls den Porttunnel. Damit die Arbeitsgruppe den ganzen Variantenfächer diskutieren kann, wird auch ein Verzicht auf den Westast mit einbezogen.
Die seit über 30 Jahren diskutierte A5-Umfahrung von Biel schliesst die Lücke im Autobahnnetz zwischen Solothurn und Neuenburg. Daneben bündelt sie den regionalen Verkehr und leitet ihn weitgehend unterirdisch durch die Agglomeration.
Das Projekt gliedert sich in einen Ost- und einen Westast. Der Ostast soll vom Brüggmoos quasi um Biel herum Richtung Bözingenfeld geführt werden. Er ist weitestgehend unbestritten. Anders der Westast, der durch die Agglomeration Biel hindurch Richtung Vingelz gebaut werden soll. (bs/sda)
Erstellt: 19.04.2010, 15:49 Uhr
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