Bern

Jetzt hat auch Bern seinen «Pyro»-Fall

Von Matthias Ryffel. Aktualisiert am 09.12.2011

Eine Leuchtfackel verletzte am Sonntag einen jungen YB-Fan schwer.

 Im Spiel zwischen den Berner Young Boys und dem FC Sion wurde am vergangenen Sonntag im YB-Fansektor ein Jugendlicher durch eine Fackel schwer verletzt.

Im Spiel zwischen den Berner Young Boys und dem FC Sion wurde am vergangenen Sonntag im YB-Fansektor ein Jugendlicher durch eine Fackel schwer verletzt.
Bild: Manuel Zingg

«Verletzte gab es bis anhin keine», sagte Adrian Werren im Jahr 2009. Mit diesem Argument sprach sich nicht nur das Vorstandsmitglied von Gäubschwarzsüchtig, dem Dachverband der YB-Fanclubs für das Abbrennen von Leuchtfackeln oder «Pyros» in Fussballstadien aus. Es war bis vor kurzem das Argument der Befürworter dieser Sitte.

Wenige Monate nach dem Vorfall beim Zürcher-Derby – ein FCZ-Fan schleuderte eine Fackel auf GC-Fans – hat nun auch Bern seinen ersten Pyro-Fall. Im Spiel zwischen den Berner Young Boys und dem FC Sion wurde am vergangenen Sonntag im YB-Fansektor ein Jugendlicher durch eine Fackel schwer verletzt. Dies teilte die Berner Polizei am Donnerstag mit. Eine unbekannte Person habe die Fackel in der Nähe des unbeteiligten Jugendlichen gezündet. Der Verletzte sei im Stadion versorgt worden, habe sich später aber ins Spital begeben, wo er wegen Verbrennungen dritten Grades behandelt wurde. Das Spital habe er inzwischen verlassen können, sagte Polizeisprecherin Corinne Müller. Er werde sich aber voraussichtlich einer Operation unterziehen müssen. Dem Fackelzünder drohe eine Anklage wegen schwerer Körperverletzung. Albert Staudenmann, Mediensprecher der Young Boys, machte nähere Angaben zum Geschehen: Beim Entzünden der Fackel sei ein Funke auf das Opfer übergesprungen und habe es im Rückenbereich verbrannt. «Wir sind sehr betroffen.» Das höchste Gebot des Clubs sei die Sicherheit der Zuschauer. Doch: «Es gibt kein Patentrezept gegen Pyros.» Staudenmann forderte die Fans auf, die «Pyro-Kultur» endlich zu überdenken.

Videoaufnahmen vorhanden

Adrian Werren ist auch Co-Präsident des Verbandes Fanarbeit Bern. An seiner Position, dass Leuchtfackeln legalisiert werden sollen, ändere der Vorfall nichts, sagte er am Donnerstag. «Durch kontrolliertes Abbrennen hätte sich der Unfall vielleicht vermeiden lassen.» Auch bestünden Differenzen zwischen den Schilderungen der Polizei und den Informationen, die man vonseiten der Fans habe, sagte Werren. Bevor der Sachverhalt geklärt sei, wolle er sich aber nicht weiter äussern. Der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) zeigte sich erschüttert über den Vorfall und entsetzt darüber, «dass sich die Fussballliga vom Pyro-Einsatz nach wie vor nicht klar distanziert». Die Generalversammlung der Swiss Football League hat vor kurzem einen Vorstoss abgelehnt, welcher es den Clubs erlaubt hätte, bei Pyro-Einsatz Spiele abzubrechen.

Die Polizei bittet Zeugen, sich bei ihr zu melden. Laut Müller liegen aber auch Videoaufnahmen vor. «Führt der Aufruf zu keinem Ergebnis, behalten wir uns vor, sie ins Internet zu stellen.» Zur Pyro-Debatte äusserte sich gestern auch der FC Thun: Er gab ein dreijähriges Stadionverbot gegen einen Fackelwerfer bekannt, den Thuner-Fans selber den Sicherheitskräften übergeben hatten. (Der Bund)

Erstellt: 09.12.2011, 06:46 Uhr

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