Insel-Personal wird protestieren

Das Pflegefachpersonal der Insel-Gruppe will den Rauswurf aus der Konzernleitung nicht akzeptieren: Erste Protestaktionen sind beschlossene Sache – auch das Wort Streik fällt.

Das Pflegepersonal des Inselspitals will sich in der Konzernleitung vertreten wissen.

Das Pflegepersonal des Inselspitals will sich in der Konzernleitung vertreten wissen. Bild: Raisa Durandi (Symbolbild)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Personal der Insel-Gruppe opponiert gegen die Unternehmensleitung. «Die Bereitschaft zum Protest ist gross», sagt eine Pflegefachperson gegenüber dem «Bund». Dies nicht nur bei den Pflegefachleuten, sondern auch bei allen anderen nicht ärztlichen Medizinalangestellten – etwa Physiotherapeutinnen oder Röntgenassistenten. Zusammen machen sie rund 50 Prozent der gut 8000 Personen umfassenden Belegschaft der Spitalgruppe aus.

Der Grund für ihren Ärger: Sie alle werden bereits ab dem 1. Juli nicht mehr direkt in der Konzernleitung der grössten Spitalgruppe des Landes Einsitz nehmen dürfen. Fortan wird die Pflege dort von einem Arzt vertreten. Dies im Zuge einer grossen Restrukturierung (siehe Box rechts oben), die der Verwaltungsrat bereits beschlossen hat, wie der «Bund» letzte Woche publik machte.

Die meisten Angestellten hätten erst durch den Artikel von den geplanten Veränderungen erfahren, heisst es aus der Belegschaft. Diese stört sich aber nicht nur an der dürftigen internen Kommunikation. Es ist vor allem der Entscheid an sich, der auf Unverständnis stösst. «Niemand ist begeistert», sagt eine andere Pflegefachfrau mit sarkastischem Unterton. Der Unternehmensleitung wird vorgeworfen, abgehoben zu sein und der Attraktivität der Insel-Gruppe als Arbeitgeber zu schaden. Ihren Befürchtungen geben die Angestellten auch in Leserbriefen Ausdruck. Doch dabei wird es nicht bleiben.

Kommt es zum Streik?

Erste Protestaktionen sind in der Belegschaft bereits beschlossen, wie «Bund»-Recherchen zeigen. Öffentlich gemacht werden dürfen diese aber noch nicht. Man will die Konzernspitze damit überraschen. Streiks sind derzeit aber noch nicht geplant. Pflegefachpersonen schliessen dies jedoch als letzte Möglichkeit nicht aus. Man sei zu vielem bereit. Der Entscheid, zu streiken, wäre aber ein schwieriger, sagen Pflegefachleute, würde ein solcher doch als Erste die Patientinnen und Patienten treffen. «Erfahrungen aus anderen Spitälern zeigen, dass das Pflegepersonal durchaus bereit ist, zu streiken», sagt Bettina Dauwalder von der Gewerkschaft VPOD. Dies dann, wenn eine rote Linie überschritten werde. Zuletzt hatten die Pflegeassistentinnen 2011 im Universitätsspital Genf ihre Arbeit vier Wochen lang niedergelegt – mit Erfolg. Später folgten die Mitarbeiter, welche für die Patiententransporte zuständig sind sowie das Reinigungspersonal.

Der letzte grosse Streik im Kanton Bern liegt derweil schon länger zurück: 2001 blieb das Personal im ganzen Kanton einen Tag lang der Arbeit fern. Am Protestmarsch in der Stadt Bern nahmen 14 000 Menschen teil. Die Forderung damals: eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Gewerkschafterin Dauwalder hofft aber weiterhin, den aktuellen Konflikt sozialpartnerschaftlich lösen zu können.

Leitung fällte am Mittwoch Entscheid

Glauben die Berner Pflegefachkräfte daran, mit ihren Protesten die Insel-Leitung zum Einlenken bewegen zu können? «Klar», sagt eine der Koordinatorinen der geplanten Proteste. Sonst würde man es nicht machen. Das Anliegen geniesse in der gesamten Belegschaft Sympathie. Sogar aus der Ärzteschaft komme Support.

Und vielleicht hat der Widerstand bereits Erfolg. An einer Klausursitzung diskutierten am Mittwoch Verwaltungsrat und Konzernleitung stundenlang – einen halben Tag länger als eigentlich geplant. Wie aus dem Umfeld der Konzernspitze zu erfahren ist, lagen die Meinungen in der Sitzung weit auseinander. Kurz vor 17 Uhr jedoch konnte man sich auf ein «Wording» einigen. Über den Inhalt wurde Stillschweigen vereinbart. Man wolle Donnerstag zuerst «die Betroffenen intern» informieren, teilt Mediensprecherin Franziska Ingold auf Anfrage mit. (Der Bund)

Erstellt: 18.05.2017, 07:52 Uhr

Umstritten

Reorganisation der Insel-Gruppe gibt zu reden

Obwohl die Insel Gruppe AG erst vor knapp anderthalb Jahren aus einer Fusion hervorgegangen ist, erhält sie bereits neue Strukturen. Schon am 1. Juli sollen die Neuerungen in Kraft treten. Die Spitalgruppe wird zum Konzern umgebaut. Das heisst: Die medizinischen werden von den restlichen Unternehmensbereichen - wie etwa Hotellerie und Hausdienst - organisatorisch getrennt. Damit will das Spitalunternehmen effizienter werden und sich besser auf die Medizin konzentrieren können. Die Konzernstruktur ist im Spitalwesen ein unübliches Modell - noch. Doch auch die private Hirslanden-Spitalgruppe hat ähnliche Neuerungen durchgeführt. Gesundheitsökonomen vermuten, dass die Insel mit dem Umbau weitere Entwicklungsschritte vorbereitet. Möglich wären etwa Auslagerungen oder die Zusammenlegung der nichtmedizinischen Bereiche mit Privatspitälern. Die Restrukturierung wird vor allem von Arbeitnehmerseite kritisiert. Es sind zwei Hauptkritikpunkte auszumachen: zum einen der Fakt, dass die Pflege in der neuen, übergeordneten Konzernleitung nicht mehr vertreten sein wird (siehe Haupttext). Zum anderen wird befürchtet, dass die Bereiche Hotellerie und Reinigung dereinst gänzlich ausgelagert werden könnten. Damit würden diese Berufsgruppen wohl weniger verdienen, weil sie nicht mehr dem Gesamtarbeitsvertrag unterstünden. Letzte Woche hatte der CEO der Insel-Gruppe solche Pläne dementiert. «Was in einigen Jahren ist, kann ich aber nicht sagen.» (bwg)

Pflegeschule

Kritik an Entscheid

Welche Auswirkungen hat der Insel-Entscheid auf die Attraktivität des Pflegeberufs? Schliesslich sind Pflegekräfte sehr gesucht. Man stärke den Berufsstand, sagt die Insel-Gruppe. Im Gegenteil, sagen die Berufsverbände. Sie erhalten Unterstützung der Ausbilder. Unter den Lehrkräften des Berner Bildungszentrums Pflege (BZ Pflege) ist die Aufregung gross. Man fürchtet um die Attraktivität des Pflegeberufs. Öffentlich äussern will sich aber niemand. Denn die Inselstiftung, die Mehrheitsaktionärin der Insel Gruppe AG, ist Mitbesitzerin der Berufsschule. Dafür äussert sich BZ-Pflege-Verwaltungsrätin und BDP-Grossrätin Anita Herren-Brauen. Das Vorgehen der Insel-Leitung sei ein «schlechtes Zeichen», das sie bedaure. Sie nennt den Entscheid «nicht zeitgemäss». (bwg)

Artikel zum Thema

Inselspital wird zum Konzern und betritt «Neuland»

Die Restrukturierungen sorgen in der Spitalgruppe für Unruhe. Kritik kommt besonders von der Pflege. Mehr...

Insel-Gruppe brüskiert Pflegepersonal

Die Pflege kann künftig in der neuen Insel-Konzernleitung nicht mehr direkt mitreden. Der Unmut im Spital ist gross. Am Mittwoch findet eine Krisensitzung statt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

Mamablog Auch Mamis können lesen
Sweet Home Das tut Frauenwohnungen gut
Welttheater Stille in Chinas Zügen

Promotion

Kostenlose Ebooks

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Die Welt in Bildern

Lichtermeer: Kinder rennen durch eine Licht-Installation im Zoo von Sydney (21. Mai 2017).
(Bild: Wendell Teodoro) Mehr...