Insel-Gruppe brüskiert Pflegepersonal

Die Pflege kann künftig in der neuen Insel-Konzernleitung nicht mehr direkt mitreden. Der Unmut im Spital ist gross. Am Mittwoch findet eine Krisensitzung statt.

Pflegefachpersonen und ein Arzt schieben im Inselspital einen Wagen aus dem Magnetresonanztomografen.

Pflegefachpersonen und ein Arzt schieben im Inselspital einen Wagen aus dem Magnetresonanztomografen. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Ein Arzt vertritt künftig das Pflegepersonal in der neuen Konzernleitung der Insel-Gruppe. Das hat der Verwaltungsrat am 12. April entschieden, wie Dokumente zeigen, die dem «Bund» vorliegen. Der Entscheid, der bereits ab 1. Juli gilt, ist Teil einer grösseren Reorganisation des Spitalunternehmens. Die Massnahme soll die «Medizin stärken», so der Projekttitel.

Derzeit sorgt die Massnahme aber in erster Linie für grosse Verärgerung. Cornelia Klüver, Leiterin der Sektion Bern des Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK), versteht den Entscheid «überhaupt nicht». Da sei stets vom Personalmangel die Rede und von der immer grösser werdenden Bedeutung der Pflege – «und dann das».

Tatsächlich wird die Position der Pflegefachleute im Gesundheitswesen immer wichtiger. Im letzten Sommer war es der Kanton Bern, der im ambulanten Bereich ein Pilotprojekt startete, um Pflegefachpersonen in der Praxis mehr Kompetenzen zu geben. Kantonsarzt Jan von Overbeck sagte damals, das sei eine kostengünstige Massnahme, um die medizinische Versorgung gewährleisten zu können.

Auf nationaler Ebene läuft die Unterschriftensammlung für eine Volksinitiative, die den Pflegeberuf aufwerten will. Der Entscheid der Insel sei deshalb «völlig anachronistisch», sagt Klüver. Sie sei zudem überzeugt, dass mit dem Entscheid die Position der Ärzte weiter gestärkt wird. Dies obschon die Pflegefachleute zusammen mit dem vom Entscheid der Spitalgruppe ebenfalls betroffenen nichtärztlichen Medizinalpersonal gut 60 Prozent des Personals ausmachen, die Ärzte aber nur ein Sechstel.

Der SBK warnt seine Mitglieder vor einem «Rückfall ins Mittelalter». Das zeige auch ein Blick in andere Spitäler, wo die Pflege in der Unternehmensleitung Einsitz nehme. Der Unmut der leitenden Pflegefachleuten – nur sie wurden bisher umfassend informiert – sei «sehr gross». Das bestätigt auch eine Pflegerin aus dem Inselspital.

Die Insel widerspricht

Sind die Ängste berechtigt? Holger Baumann, Insel-CEO, sagt, er verstehe die Befürchtungen. Es gehe bei den Massnahmen keineswegs um eine Abwertung der Pflege – diese sei «wahnsinnig wichtig». Sondern darum, das medizinische Geschäft strategisch besser aufeinander abzustimmen. Das stärke die Pflege. Eine einzige Leitung mache Sinn.

Zudem werde die Pflege zwar nicht in der Konzern-, aber in der neu geschaffenen Geschäftsleitung «selbstverständlich» weiterhin vertreten sein. Der Entscheid gibt trotzdem weiterhin zu reden: Am Mittwoch treffen sich Gewerkschaften und Insel-Leitung zu einer Aussprache. (Der Bund)

Erstellt: 10.05.2017, 06:34 Uhr

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