In städtischen Gebäuden verpufft viel Energie
Von Simon Thönen. Aktualisiert am 09.02.2012 3 Kommentare
Zeigt sich von der Antwort der Stadtexekutive enttäuscht: FDP-Gemeinderatskandidat Alexandre Schmidt. (Bild: Franziska Scheidegger)
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Für einmal sind die Rollen in der Energiepolitik der Stadt Bern vertauscht: Die FDP, die sich bisher vor allem als Gegnerin des städtischen Atomausstiegs profilierte, fordert, dass die Stadt ihre eigenen Gebäude in einem grossen Effort besser isoliert und so Energie spart. Der mehrheitlich rot-grüne Gemeinderat lehnt dies ab. Über die Motion der FDP wird der Stadtrat an seiner nächsten Sitzung am 16. Februar entscheiden.
Er sei von der Antwort der städtischen Exekutive enttäuscht, sagt auf Anfrage der Urheber des Vorstosses, FDP-Stadtrat und Gemeinderatskandidat Alexandre Schmidt. «Es ist allgemein bekannt, dass man mit der Sanierung von Gebäuden bezüglich Energieverbrauch die allergrösste Wirkung erzielt.»
Mietwohnungen schlecht isoliert
Eines zumindest hat Schmidt bereits erreicht: Der Gemeinderat listet in seiner Antwort auf, wie viel Energie mit Sanierungen in jenen Häusern gespart werden könnte, welche die Stadt besitzt. Dabei wird zwischen zwei verschiedenen Kategorien unterschieden, die auch unterschiedlich gut isoliert sind:
• Städtische Verwaltungsgebäude, Schulhäuser, Sportanlagen und weitere öffentliche Liegenschaften werden von den Stadtbauten Bern (StaBe) verwaltet. In diesen gut 1600 Gebäuden könnten mit Sanierungen im besten Fall ein Viertel des Energieverbrauchs eingespart werden, schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort.
• Sehr viel grösser ist das Energiesparpotenzial bei den 2500 Mietwohnungen und den Geschäftsliegenschaften im Besitz des städtischen Fonds für Boden und Wohnbaupolitik. Dort könnten mit Sanierungen rund zwei Drittel des Energieverbrauchs eingespart werden.
Vor allem in den Mietwohnungen, welche die Stadt besitzt, könnte also der Energieverbrauch massiv gesenkt werden. Die Voraussetzung wäre, dass die Stadt diese nach den Standards der neuesten Energievorschriften saniert und zudem alle Ölheizungen durch erneuerbare Energiequellen ersetzt werden.
FDP fordert Sanierungsprogramm
Er habe «grosse Augen gemacht», als er diese Zahlen sah, sagt Schmidt. Das grosse Energiesparpotenzial zeige, dass man den Unterhalt dieser Liegenschaften zu lange vernachlässigt habe. Er sieht sich durch die Bestandesaufnahme in seinen Forderungen bestärkt.
Künftig müsse die Stadt bei allen Investitionen energetische Kriterien besonders stark gewichten, fordert die FDP mit ihrer Motion. Der Gemeinderat solle zudem «ein Sonder-Investitionsprogramm vorlegen, welches die energetisch dringendst notwendigen Sanierungen von städtischen Liegenschaften abdeckt».
Davon allerdings will der Gemeinderat nichts wissen und lehnt diese Punkte ab. Der Energieverbrauch habe bei Sanierungen bereits eine hohe Priorität, schreibt der Gemeinderat, womit sich die Forderung «häufig von selbst» erledige. «Eine Investitionsplanung, die sich nur oder in erster Linie am Kriterium der Energieeffizienz orientiert», sei jedoch «sehr einseitig». Weiter betont der Gemeinderat, dass für Neubauten «ausnahmslos» und bei Sanierungen «grundsätzlich» der strenge Standard Minergie-P-ECO angestrebt wird.
Dies allerdings ist nicht das Problem: Neubauten oder gründlich sanierte Altbauten sind beim Energieverbrauch meist sparsam. Die Energie wird in den Altbauten verschwendet, die den Löwenanteil der Häuser ausmachen. Dies ist in der ganzen Schweiz so – egal, ob die Gebäude in privater oder öffentlicher Hand sind.
Gretchenfrage: Finanzierung
Die Schlüsselfrage ist deshalb, wie rasch Hauseigentümer ihre Altliegenschaften sanieren und besser isolieren. «Der Gemeinderat will nicht vom Courant normal abweichen», kritisiert Schmidt, «nötig ist jetzt ein Kraftakt.» Ein solcher würde jedoch bedingen, dass die Stadt massiv in Sanierungen investiert. Und damit stellt sich für die FDP, die bei den Stadtfinanzen stets sparen will, die Gretchenfrage: Ist sie bereit, höheren Ausgaben zuzustimmen? «Wir bieten Hand», betont Schmidt. Eine Lösung könnte sein, dass man die Investitionen für Sanierungen über mehrere Jahre mit den Einsparungen verrechne, die sich dann beim Energieverbrauch ergeben. (Der Bund)
Erstellt: 09.02.2012, 09:31 Uhr
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3 Kommentare
Endlich mal ein FDPler, der nicht einseitig zur Atom/Betonfraktion gehört, sondern auch mit berechtigten Anliegen kommt. Schmidt hat recht, dass es sich auch wirtschafltich lohnt, in die Energieeffizienz von Gebäuden zu investieren. Dass ausgerechnet die selbsternannten Weltretter von rot-grün nicht mitmachen, nur weil die Idee nicht auf ihrem Mist gewachsen ist, ist beängstigend. Antworten
Herr Schmidt ist schon im Wahlkampf... Natürlich wäre es gut, wenn die Stadt ihre Liegenschaften energieverbrauchstechnisch optimieren könnte. Allerdings wäre es dann aber auch gut, wenn die Burgergemeinde sowie die Privaten Investoren und Besitzer (Versicherungen/Einzelpersonen u.a.) zu Gleichem verpflichtet würden, gehören diesen doch auch weitaus mehr Liegenschaften als der Stadt. Antworten
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