Bern
Heute ist der Tag der Frau
Von Marc Lettau. Aktualisiert am 08.03.2012
Wie bringen Frauen am heutigen Tag der Frau in Bern ihre Gleichstellungsanliegen an den Mann? Über die für heute zu erwartenden innerfamiliären Debatten lässt sich an dieser Stelle wenig sagen. Klar ist hingegen, wie sich frau im öffentlichen Raum zu artikulieren gedenkt. So wird der Bundesplatz heute bereits um 7.30 Uhr früh von den Frauen der Gewerkschaft VPOD in Beschlag genommen – um an die seit 30 Jahren nicht erreichte Lohngleichheit zwischen Frau und Mann zu erinnern. Männer- und Frauenlöhne lägen noch immer unerträgliche 18 Prozent auseinander, klagen die VPOD-Frauen. Die Demonstrierenden wollen deshalb heute den Unternehmern unter der Bundeshauskuppel nahe legen, endlich zu handeln.
Öffentliche Denkwerkstatt
Fast nahtlos geht der Bundesplatz dann an den Christlichen Friedensdienst über. Die feministische Friedensorganisation plant für die Zeit von 10 bis 14 Uhr eine öffentliche Denkwerkstatt zum Thema Gleichstellung. Denn: Auch in der Schweiz sei die Gleichstellung nicht erreicht. In leicht anderer Terminologie als die zuvor auftretenden Gewerkschafterinnen halten die feministischen Friedensfrauen fest: «Die unbezahlte Arbeit wird grossmehrheitlich von Frauen geleistet, während Männer erwerbstätig sind.» Deshalb beschäftigt den Friedensdienst die Frage, was zu tun sei, um beiden Geschlechtern die nötigen Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten. In der Stadt unterwegs ist schliesslich die Frauengruppe von Amnesty International, um auf ihre Anliegen hinzuweisen.
Gleichstellungsbetont ist heute Berns Kulturangebot. Um 13 Uhr spielt auf dem Bundesplatz die Berner Frauenband Wilhelmine auf. Und für den Abend verspricht Autorin Michèle Roten im Kulturlokal ONO «einen anregenden Abend über Frauen und Männer, Geschlechterrollen, Feminismus in der heutigen Zeit und vieles mehr». Roten hat kürzlich ihr Buch «Wie Frau sein. Protokoll einer Verwirrung» veröffentlicht.
Und jetzt: Die Umarmung
Für jene, die angesichts von Kinderbetreuung, Hausarbeit und anderen Alltagsrealitäten keine Zeit finden, um frei über Gleichstellung zu assoziieren, sei noch dies festgehalten: Der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble hat in einer gestern präsentierten Studie herausgefunden, dass Schweizer Multitasking-Müttern heute die Bewältigung von Familie, Haushalt und Beruf leichter fällt als noch vor 30 Jahren. Dennoch haben laut Procter & Gamble über 38 Prozent der Schweizer Mütter einen Wunsch: «Ab und zu eine kleine Umarmung als ‹Dankeschön› für ihre Leistungen zu bekommen.» Der Konzern will jetzt diesem Wunsch nachkommen und sich 2012 mit einer weltweiten Kampagne bei allen Müttern bedanken. – Diskussionsvorschlag für den häuslichen Herd: Frauen, Männer, war das das Ziel der ganzen Gleichstellungsdebatte? (Der Bund)
Erstellt: 08.03.2012, 08:15 Uhr
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