Bern
Heroinabhängige kommen allmählich ins AHV-Alter
Ende März dieses Jahres befanden sich zehn Patientinnen und Patienten der Kontrollierten Drogenabgabe (Koda) Bern in einem Alters- oder Pflegeheim. Dies sind fünf Prozent aller Personen in der Heroinverschreibung.
Koda-Leiterin Barbara Mühlheim spricht von einem markanten Anstieg. «Wir haben doppelt so viele Personen wie Anfang Jahr im stationären Bereich.» Laut Mühlheim sollten diese Leute, wenn immer möglich, in Institutionen der Regelversorgung untergebracht werden. «Die Ghettoisierung von Abhängigen muss aufhören», sagt Mühlheim.
Gemäss Koda-Jahresbericht sind immer mehr Krankenheime, Spitäler und Reha-Kliniken bereit, Patientinnen und Patienten mit einer Heroinverschreibung aufzunehmen. Die Verantwortung für das Programm bleibt bei Koda. Die Mitarbeitenden der Institution liefern das Heroin jeweils wöchentlich in den Pflegeheimen ab.
28,5 Kilo Heroin verabreicht
Im letzten Jahr wurden durch Koda 28,5 Kilogramm Heroin unter medizinischer Kontrolle verabreicht, heisst es im Jahresbericht. Die Droge kostete im Einkauf 456 000 Franken. Zur Erzielung der gleichen Wirkung hätten die rund 200 Patienten 190 Kilogramm Heroin mit einem Reinheitsgrad von 15 Prozent auf der Gasse einkaufen müssen. Bei einem momentanen Gassenpreis von 80 Franken pro Gramm hätten sie dafür eine Summe von 15,2 Millionen Franken hinblättern müssen. Der einzelne Koda-Patient hätte dafür Ausgaben von 75 250 Franken pro Jahr oder 200 Franken pro Tag tätigen müssen. Gemäss Jahresbericht wäre dies nur mit «Beschaffungskriminalität, Drogenhandel oder Prostitution» möglich gewesen.
Die Koda-Patientinnen und -Patienten treten in der Regel in eine Methadon-Behandlung über. Vier Patienten sind im vergangenen Jahr verstorben. Gemäss Jahresbericht sterben sie nicht am Drogenkonsum selber, sondern an den Folgen von früher erworbenen Begleiterkrankungen. (bob) (Der Bund)
Erstellt: 26.04.2010, 07:37 Uhr
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