Bern
Gepflastertes Bollwerk
Von Léa Zürcher. Aktualisiert am 21.12.2011
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Es ist ein ungewohntes Bild: An der Bushaltestelle am Berner Bollwerk sind nun Pflastersteine und Tramgleise im Boden eingelassen. Es fährt aber nicht etwa neuerdings ein Tram in die Lorraine. Das Augenmerk liegt vielmehr auf den Bussen, die die Haltestelle – und somit die Gleise – passieren.
Während dreier Wochen wurde hier stadtauswärts dieses Testfeld gebaut, gestern haben Bernmobil und das städtische Tiefbauamt es den Medien präsentiert. Sie wollen im Bollwerk die Belastung auf Pflastersteine und Tramgleise durch Schwerverkehr testen. Dies im Hinblick auf die geplante Gesamtsanierung der Marktgasse im Jahr 2013.
Alle drei Minuten 20 Tonnen
Die Stadt Bern will verhindern, dass die Schäden wieder dieselben Ausmasse annehmen wie nach der Sanierung im Jahr 1995 – gehört doch die Berner Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe. Damals wurden die Pflastersteine versiegelt – was sich aber nicht bewährte, weil sich dadurch spätere Reparaturarbeiten sehr schwierig gestalteten. Nun ist eine lose Pflästerung geplant – so wie derzeit getestet wird. «Die Haltestelle am Bollwerk eignet sich besonders gut, weil sie eine der meistbefahrenen ist», sagte Sergio Rizzoli, Verantwortlicher Infrastrukturplanung bei Bernmobil.
Im Dreiminutentakt rollen die Busse über diese Haltestelle. Das entspreche etwa 1500 Bussen pro Woche, so Rizzoli. Ein voll besetzter Bus wiegt um die 20 Tonnen. 20 Tonnen, die alle drei Minuten über die Pflastersteine rollen, abbremsen und wieder anfahren: «Diese Belastung ist eigentlich stärker als diejenige in der Marktgasse», sagt Reto Zurbuchen, Leiter Projektierung beim Tiefbauamt. Hält der Belag den einwirkenden Kräften am Bollwerk stand, wird dies also auch in der Marktgasse der Fall sein.
Testkosten von rund 120'000 Franken
Die Gleise laufen in Stahlkanälen, die in die Pflastersteine eingelassen sind. Ein Konzept, das in Bern neu ist. Es soll ab 2013 in der gepflasterten Marktgasse zum Einsatz kommen, die durch Warenanlieferung sowie Bus- und Trambetrieb stark genutzt wird. Ein Jahr lang wollen die Verantwortlichen die Veränderungen des Bodens messen. So kann das neue System unter verschiedensten Witterungsbedingungen getestet werden. Die erste Messung, die Referenzmessung, fand am Montag statt. Bereits am Donnerstag soll eine zweite erfolgen: «In der ersten Zeit ist mit den grössten Deformationen zu rechnen», sagte Zurbuchen.
Tiefbauamt und Bernmobil interessieren sich besonders für das Verhalten der härteren Gleisunterlage zum weicheren Strassenaufbau der losen Pflastersteine. «Die Schnittstelle dazwischen ist bautechnisch am kritischsten», sagte Rizzoli. Wichen die Testdaten von den Modellberechnungen ab, könne das geplante System rechtzeitig für die Sanierung optimiert werden. Die Testkosten von rund 120'000 Franken werden je zur Hälfte von der Stadt und von Bernmobil getragen. Da die Haltestelle im Rahmen der Teilsanierung des Bollwerks 2013 ohnehin saniert wird, muss das Testfeld nicht abgebaut werden. (Der Bund)
Erstellt: 21.12.2011, 07:02 Uhr
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