Bern

Fussballbar statt Konzerte und Discos

Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 19.07.2012 8 Kommentare

Aus dem Sous-Soul wird «Goal – Die Berner Fussball Bar». Die neuen Betreiber haben die Zustimmung möglichst vieler Nachbarn eingeholt.

Hier gehen bald Fussballfreunde ein und aus: Eingang ins Kellerlokal an der Junkerngasse 1.

Hier gehen bald Fussballfreunde ein und aus: Eingang ins Kellerlokal an der Junkerngasse 1.
Bild: Manu Friederich

In die Räumlichkeiten des Sous-Soul zieht definitiv eine Fussballbar ein. Der Club schloss Ende Jahr seine Tore aufgrund der restriktiven Lärmvorschriften, die nach diversen Klagen von Anwohnern festgelegt wurden. Aus der Sicht der Betreiber machten sie ein Weiterführen von Konzert- und Discobetrieb unmöglich.

Beim Nachfolge-Lokal «Goal – Die Berner Fussball Bar» will man Konflikte um Nachtlärm mit den Anwohnern von Anfang an vermeiden. In einem Schreiben vom April, das dem Baugesuch zur Einrichtung eines Fumoirs beiliegt, rät der Statthalter den Mietern der Liegenschaft, «mindestens die unmittelbare Nachbarschaft» in das Verfahren miteinzubeziehen.

Alterslimite von 25 Jahren

Mieter der Liegenschaft ist die Caféconce AG. Sie hat den Betrieb an Goal – Die Berner Fussball Bar GmbH untervermietet. Bei Letzterer war gestern niemand erreichbar. Gemäss Baugesuch ist auf einem Teil der Fläche des ehemaligen Sous-Soul die Einrichtung einer Fussballbar mit Beamer und Flatscreen-Fernseher geplant. Konzerte und Discos sind keine vorgesehen.

Die Bar richtet sich an «sportbegeisterte Gäste ab 25 Jahren» und ab 0.30 Uhr an «Personen aus dem Gastgewerbe», die im Goal ihr Feierabendbier trinken wollen. Im ehemaligen Discoraum soll ein Billardtisch installiert werden. Das neue Fumoir in einem Nebenkeller hat Platz für zehn Personen.

«Knallartige» Billard-Geräusche

Der Hinweis des Statthalters zum Einbezug der Nachbarschaft bleib nicht unbeachtet. «Wir haben 50 Anwohner angeschrieben und ihnen das Betriebskonzept vorgestellt», sagt Lene Sitter von der Mieterin Caféconce AG. Zehn von ihnen hätten zurückgeschrieben. Die meisten Rückmeldungen seien positiv, nur eine oder zwei Parteien hätten Vorbehalte angemeldet. Gemäss den Unterlagen im Baugesuch wird von einer der Parteien unter anderem befürchtet, dass sich Leute im Freien aufhalten könnten, weil das Fumoir zu klein sei.

Zudem wird verlangt, dass mit Massnahmen zur Schalldämpfung im Billard-Raum nicht zugewartet werde. Gemäss dem Mitbericht der Fachstelle für Lärmakustik der Kantonspolizei können durch Billard «knallartige Geräusche in unterschiedlicher Lärmdichte» von bis zu 97 Dezibel entstehen. Die Lärm-Limite für das Sous-Soul lag bei 90 Dezibel. Die Akustiker der Polizei kommen aber zum Schluss, dass der Billard-Lärm durch die Mauern besser gedämpft werden könne, weil beim Aneinanderklacken von Billardkugeln die Hochtonanteile dominant seien. «Nennenswerte Immissionen» in der Umgebung seien nicht zu befürchten.

Vereinbarung mit Hauseigentümer

Davon ist auch André Urwyler als Eigentümer der Liegenschaft überzeugt. Er hat mit der Mieterschaft eine Vereinbarung unterzeichnet, die nebst der Einhaltung der behördlichen Lärmlimite von 90 Dezibel auch eine Reduktion der bisherigen generellen Überzeit auf 2.00 Uhr (Dienstag und Mittwoch), 3.00 Uhr (Donnerstag bis Samstag) und 0.30 Uhr (Sonntag und Montag) beinhaltet. «Ich bin überzeugt, dass man den Billardtisch nicht hören wird», sagt Urwyler.

Das einzige Problem beim Clubbetrieb seien die Basstöne bei Konzerten und Discos gewesen. «Die wird es ja nicht mehr geben.» Das Fumoir sei zugegebenermassen etwas klein, und das Kommen und Gehen der Leute könnte allenfalls mit Lärm verbunden sein. «In diesem Keller hat aber seit jeher Kultur stattgefunden, und das soll bis auf weiteres auch so bleiben.» Man solle nun abwarten und den Betrieb der Fussballbar anlaufen lassen, sagt Urwyler.

Bleiben die Einsprachen aus, soll die Fussballbar im September ihre Tore öffnen. Laut Sitter hätte man das Fumoir auch so bauen können, dass kein Baugesuch nötig gewesen wäre. «Wir wollten aber ein transparentes Verfahren für alle Beteiligten», sagt er. (Der Bund)

Erstellt: 19.07.2012, 06:35 Uhr

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8 Kommentare

Peter Herzog

19.07.2012, 06:53 Uhr
Melden 43 Empfehlung 0

Angst wegen Billardkugeln. So absurd weit sind wir im Berner Nachtleben... Antworten


Tom Minder

19.07.2012, 08:16 Uhr
Melden 37 Empfehlung 1

Ich als grosser Fusballfan finde es schade dass eine, für die berner Kultur, wichtige Bar schliessen musste und stattdessen eine 0815-Sportbar eröffnet wird. Die Devise lautet wohl: Hauptsache keine Kulutur.. schade Antworten



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