Für eine konsequentere Fantrennung
Von Simona Benovici. Aktualisiert am 09.08.2010
Stichworte
Wenn YB morgen gegen GC spielt, bleibt es im Wankdorf ruhig – die Young Boys treffen auswärts auf den Rivalen aus Zürich. Würde die erste Mannschaft allerdings daheim auf den Grasshopper-Club treffen, wären die Sicherheitskräfte im und um das Stade de Suisse in erhöhter Alarmbereitschaft. Immer wieder ist es nach Spielen gegen die Zürcher zu Scharmützeln gekommen. Vor Jahresfrist kam beim Spiel gegen GC deshalb erstmals das mobile Rollzaunsystem zum Einsatz. Einmal ausgerollt und im Boden verankert, trennen die Zäune aus verzinktem Stahldraht die Fanmassen und lenken die Anhänger der gegnerischen Mannschaft auf direktem Weg von der S-Bahn-Station in den Gästesektor. Noch ist der Zaun zwischen Stadion und Wankdorf-Bahnhof allerdings nicht durchgehend. Das soll sich nun ändern.
Ausfallstrassen dichtmachen
Dieser Tage liegen auf dem Bauinspektorat Pläne für die Erweiterung der bereits bestehenden Zaunvorrichtungen auf. Gemäss diesen sollen im Bereich der Sempach-, der Morgarten-, der Winkelried-, der Klawa- und der Wankdorffeldstrasse Hülsen in den Boden eingelassen werden – zur Verankerung weiterer mobiler Zaunabschnitte. Gemäss dem Ingenieurbüro Marchand + Partner AG, das als Projektverfasser auftritt, kommen die Arbeiten inklusive Zaun-Neuanschaffung insgesamt auf rund 120 000 Franken zu stehen. Aufkommen für die Kosten wird die Stade de Suisse AG, wie Marc Heeb vom Polizeiinspektorat auf Anfrage sagt.
Bisher war es nur unmittelbar vor dem Gästesektor beim Stadion und beim Max-Daetwyler-Platz vor dem Feusi-Bildungszentrum möglich, den Rollzaun zu verankern. Mit den zusätzlichen Verankerungen könnten nun auch alle Ausfallstrassen, die vom Fankorridor in das angrenzende Wohnquartier abgehen, mittels Zaun abgeriegelt werden.
«Verruckte Szenen» gang und gäbe
Der Quartierleist Bern-Nord begrüsst die Vervollständigung des mobilen Fankorridors. «Es muss etwas getan werden», sagt Präsident Rolf Siegfried, der selbst seit mehr als 40 Jahren im Wankdorf wohnt. Immer wieder beobachte er von seiner Wohnung an der Winkelriedstrasse 9 «verruckte Szenen»: vor allem nach sogenannten Hochrisikospielen gegen Basel, den FC Zürich oder GC. Fans, die die Polizeikordons umgehen, sich gegenseitig provozieren und sich die Schlupflöcher im bisherigen Fankorridor zunutze machen, um im Schutze von Gärten und Wohnblöcken gegen gegnerische Fangruppierungen mobilzumachen. Dabei seien es nicht nur Anhänger auswärtiger Mannschaften, die für Scharmützel sorgten. «Auch YB-Fans provozieren.» Es sei «himmeltraurig», dass wegen «ein paar Schafsköpfen» ein solcher Zaun gebaut werden müsse, sagt der bekennende YB-Fan. Aber letztlich sieht Siegfried im Zaun, der in erster Linie der Personenlenkung dient, auch einen Schutz für die Anwohner. Immer wieder seien in der Vergangenheit Häuser oder Autos beschädigt worden. Nicht zuletzt deshalb wurde bereits vor gut eineinhalb Jahren die Liegenschaft an der Winkelriedstrasse 7 eingezäunt. Das Hochhaus wird von einem permanenten, 1,5 Meter hohen Zaun umgeben. Ebenso das Wohnhaus an der Wankdorffeldstrasse 69, das direkt am Fankorridor liegt.
Vonseiten der Anwohnerschaft sind bisher keine Negativreaktionen auf die Erweiterungspläne für den Rollzaun an Siegfried herangetragen worden. Der Zaun bringe aber im Prinzip nichts Neues. «Es wird ja bereits heute alles abgesperrt – einfach nicht mit einem Zaun.» Die Einsprachefrist läuft noch bis am 3. September. (Der Bund)
Erstellt: 09.08.2010, 08:33 Uhr
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