Bern

Essig-Leber statt Elefantenohren

Von Martin Zimmermann. Aktualisiert am 24.03.2012

Von den «wilden» Anfängen ist im Restaurant Weissenbühl heute nicht mehr viel zu spüren.

Wilkommen im Restaurant Weissenbühl – hier gehen Sie garantiert nicht hungrig nach Hause.

Wilkommen im Restaurant Weissenbühl – hier gehen Sie garantiert nicht hungrig nach Hause.
Bild: zvg

Die Rechnung, bitte

Karte: Gutbürgerliche Schweizer Küche von Riz Casimir über Pommes frites bis Schweinsbratwurst.

Preise: Bis auf wenige Ausnahmen sehr moderat. Suppen ab Fr. 5.60, Portion Pommes für Fr. 8.50, Pasta ab Fr. 18.50.

Kundschaft: Vereine und Gruppen. Vorab ältere Besucher, viele davon Stammgäste.

Öffnungszeiten: Montags bis freitags von 8 Uhr bis 23.30 Uhr; Samstags und sonntags geschlossen; für Anlässe und Veranstaltungen auch ausserhalb der Öffnungszeiten.

Adresse: Restaurant Weissenbühl, Seftigenstrasse 47, 3007 Bern

Telefon: 031 371 53 21

Internet: www.restaurant-weissenbuehl.ch

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So eine wilde Ehe konnte vor noch nicht allzu langer Zeit Ärger bringen: Als Eveline und Roger Neeracher vor gut 23 Jahren das Restaurant Weissenbühl an der Seftigenstrasse übernahmen, stiess ihr Konkubinat bei der Liegenschaftsverwaltung auf Unmut. Sie forderte die Legalisierung der Beziehung. Das Paar tat, wie ihm geheissen, und heiratete ein Jahr später.

Von diesen «wilden» Anfängen ist heute nicht mehr viel zu spüren, wenn man das Weissenbühl betritt: An den Tischen sitzen vorab ältere Damen und Herren; viele davon in grösseren Gruppen. Vom Deckenbalken hängen Kuhglocken in verschiedenen Formen und Grössen. In einem Schaufenster laden Flaggen und silberne Pokale zum Betrachten ein - die Errungenschaften lange vergangener Schützenfeste. Im Stübli neben dem Hauptsaal hat sich an diesem Abend ein Chor älterer Damen und Herren zum gemeinsamen Singen versammelt.

Ein «gmögiger» Rotwein, der nicht zu stark «in die Beine fährt»

Tatsächlich erinnert das Restaurant vom heimeligen Ambiente her stark an eine Quartier- oder Dorfbeiz, trotz der relativ zentralen Lage. Leute, die das Lokal schon seit längerem frequentieren, berichten, dass sich in den letzten drei Jahrzehnten trotz dem Wirte-Wechsel nur wenig verändert habe - sowohl beim Interieur wie auch bei der dargebotenen Küche. Tradition ist hier Trumpf.

Dass Wirtin Eveline Neeracher für die SVP im Berner Stadtparlament sitzt, überrascht in diesem Kontext nicht. Die Beizerin lässt es sich trotz der für einen Mittwochabend überraschend gut besetzten Tische nicht nehmen, die Gäste persönlich bei der Weinauswahl zu beraten. Der Vully aus der Murtenseeregion (Fr. 4.10 pro Glas) sei ein «gmögiger» Rotwein, der nicht zu stark «in die Beine fährt», sagt sie. Tönt gut, wird bestellt.

Auch die Pilz-Reis-Bombe weiss zu sättigen

Die Spezialität des Hauses ist eigentlich das «Elefantenohr», ein 400 Gramm schweres paniertes Schnitzel (Fr. 31.30). Heute Abend darf es aber etwas weniger Üppiges sein. Die Wahl fällt schliesslich auf eine Portion Kalbsleber mit Nudeln an einer Himbeeressigsauce (Tageskarte; Fr. 30.30) sowie auf Pastetli mit Pilzfüllung (Fr. 20.-), garniert mit vier Gemüsesorten und Butterreis.

Vielleicht wäre das Elefantenohr doch die bessere Wahl gewesen: Die Leber ist zwar sehr zart und bekömmlich, die Sauce auf Dauer jedoch einen Tick zu sauer für einen ganzen Hauptgang - wo Essig draufsteht, ist eben auch wirklich Essig drin. Die Pasteten mit ihren fleischigen Pilzen und der samtigen Reisgarnitur bieten da eine willkommene basische Abwechslung.

An dieser Stelle muss jedoch eine Warnung ausgesprochen werden: Wer sich nach dieser Pilz-Reis-Bombe noch an einen Nachtisch wagen will, sollte besser einen sehr grossen Appetit mitbringen. Die Portionen im Weissenbühl lassen jedenfalls nichts zu wünschen übrig - auch wenn man kein Elefantenohr bestellt. (Der Bund)

Erstellt: 24.03.2012, 16:55 Uhr

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