Bern
Es gibt sie doch, die Erfolgsrezepte
Die Rechnung, bitte
Karte: Vorwiegend alpine Speisen.
Preise: Ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Kundschaft: Am Mittag: Verwaltungsangestellte, Geschäftsleute und alle anderen Hungrigen. Tagsüber: Museumsbesucher. Nachmittags: Grossmütter mit ihren Enkeln sowie Kaffee-Kuchen-Aficionados.
Öffnungszeiten: Mo–Fr 9–17h, Do 9–22.30h, Sa–So 10–17h.
Adresse: Restaurant Las Alps, Helvetiaplatz 4, 3005 Bern. www.alpinesmuseum.ch
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Für ein erquickendes Tischgespräch ist es weniger wichtig, was auf dem Teller liegt, als wer auf dem Stuhl gegenüber sitzt. Aber zu einer anregenden Unterhaltung gutes Essen serviert zu bekommen, das kann nicht schaden. Das zeigt sich auch an diesem sommerlichen Mittag. Zu zweit hat man sich im Las Alps getroffen, dem neuen Restaurant des Alpinen Museums in Bern.
Wir haben Glück: Draussen ist noch einer der wenigen runden, roten Tische frei. Auch drinnen sind die Sitzgelegenheiten schon rar – und ein Blick ins Innere zeigt die geschmackssichere Gestaltung des Lokals. Das Mobiliar ist in Naturholz gehalten, und doch wirkt alles luftig-leicht, ein gelungenes Gipfeltreffen zwischen rustikal und urban. Am roten Tisch sind wir sofort mit einem Debriefing der gelb-schwarzen Woche beschäftigt: War die Entlassung von YB-Trainer Christian Gross richtig? Warum gibt es Dinge, die einfach nicht klappen wollen – auch wenn die Umstände vielversprechend schienen? Das Schöne am Fussball: In ihm spiegeln sich die grossen Fragen des Lebens. Alpines auf der Karte
Das Tempo der Bedienung ist flott, ohne zu fragen, hat sie uns schon eine Karaffe Wasser auf den Tisch gestellt – in Zeiten, in denen Gastwirte für Hahnenwasser Geld zu verlangen beginnen, eine sehr sympathische Geste. In gelb-schwarze Lebensfragen verstrickt, haben wir die wichtigste fast vergessen: Was essen wir eigentlich? Als Tagesteller wird «Rindsgeschnetzeltes mit Pinienkernen und Wildreis» (16.50 Franken) vorgeschlagen. «Das nehme ich», ruft der sommerliche Übermut in mir. Mein Gegenüber hat aus den Vorkommnissen rund um YB offenbar schon seine Schlüsse gezogen und zeigt etwas mehr Geduld: Unter den Wochenhits entdeckt er «Hörnli Bologna mit Rindshackfleisch» (16.50 Franken).
Dass wir uns hier im Alpinen Museum befinden, merkt man an allen Ecken und Bergkanten: Die Karte wartet mit einer alpinen Küche auf. Davon zeugt etwa der «Allgäuer Käsekuchen mit Blattsalaten» (15.50 Franken), der uns die Entscheidung erschweren will. Nur für kurze Zeit in der Vatter-Backstube
Transfergeschäfte gibt es nicht nur im Fussball, sondern auch in der Gastronomie. Mit der Verpflichtung von Edith Aebi ist der Museumsleitung ein Transfercoup gelungen. Aebi führte einst das Bistrot in der Nationalbibliothek. Nach einem nicht ganz glücklichen Abstecher zu Vatter Royal, wo sie nur sehr kurz eine Backstube betrieb, ist Aebi nun an ihrer dritten Station im Kirchenfeld angelangt. Die vielen Mittagesser im Kirchenfeld haben sie offenbar nicht vergessen. Obwohl das Lokal mit siebzig Plätzen erst kürzlich mit der Neulancierung des Museums eröffnet hat, gilt am Mittag bereits: Reservieren empfohlen.
Kein Wunder: Was wir serviert bekommen, ist grosse Kantinenkochkunst. Beim Rindsgeschnetzelten ist es eine Prise geraffelte Zitronenschale, die es aus dem Mittelmass reisst. Und der Hörnli-und-Ghackets-Teller wird mit gebratenen Auberginen und Cherrytomaten verschärft. Wir essen und geniessen – und wir merken: Es scheint doch Geheimrezepte zu geben, die zum Erfolg führen, Herr Gross. (Der Bund)
Erstellt: 06.05.2012, 08:27 Uhr
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