Bern
Eine zweite Tramachse durch die nördliche Altstadt
Aktualisiert am 02.05.2012 14 Kommentare
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In den Berner Hauptgassen wird es immer enger: Seit der Inbetriebnahme des Trams Bern-West im Dezember 2010 fahren zu Spitzenzeiten bis zu 104 Trams und Busse pro Stunde durch die Markt- und die Spitalgasse. Und wenn dereinst der 10er-Bus, der Köniz-Schliern, die Stadt Bern und Ostermundigen miteinander verbindet, durch das Tram Region Bern ersetzt wird, wird die Situation in der Innenstadt noch prekärer.
Es erstaunt daher nicht, dass der Ruf nach einer zweiten Tramachse in der Innenstadt immer lauter wurde. Die Behördendelegation des Tram Region Bern beschloss daher vor gut einem Jahr, eine Zweckmässigkeitsbeurteilung (ZMB) Zweite Tramachse durchzuführen. Gestern wurde das Ergebnis den Medien vorgestellt.
Und dieses fiel doch eher überraschend aus: Die neue Tramachse soll durch die nördliche Altstadt führen, sprich vom Bahnhofplatz via Bollwerk, durch die Speicher- und die Nägeligasse bis zum Stadttheater. Dies erstaunt, hiess es doch noch vor zwei Jahren, die Variante durch die nördliche Altstadt könne wohl nicht realisiert werden. Man fasste eher eine Linienführung über den Bundesplatz ins Auge. Entsprechende Varianten wurden nun allerdings verworfen (siehe Text unten rechts).
Entlastung beim Hirschengraben
Mit der Bestvariante «Altstadt-Nord» könnten die Hauptgassen um 40 Fahrten pro Stunde entlastet werden, sagte die städtische Verkehrsdirektorin Regula Rytz (GB). Weiter würden die Speicher- und die Nägeligasse aufgewertet, Institutionen wie der Progr, das Haus der Kantone oder das Bildungszentrum NMS würden mit dieser Linienführung besser erschlossen.
Auch für den Kornhausplatz böte die neue Tramachse neue Chancen: Da während des Normalbetriebs keine Trams mehr über den Platz fahren würden, könnte dieser anderweitig genutzt werden. Die zweite Tramachse erlaube es zudem, den Tramverkehr zwischen Kocherpark und Zytglogge bei Bedarf zu einem grossen Teil umzuleiten. Das sei gerade während Sanierungsarbeiten oder bei Grossanlässen und Demonstrationen nötig.
Die neue Tramachse schafft nicht nur in der Innenstadt Abhilfe, sondern auch beim «Nadelöhr Hirschengraben», wie Rytz betonte. Gemäss Plan sollen die Trams dereinst vom Kocherpark via Laupenstrasse und Bubenbergplatz den Hirschengraben umfahren.
Sehr zufrieden zeigte sich gestern auch die kantonale Verkehrsdirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP): Diese beiden Achsen könnten beliebig genutzt werden; zudem seien praktisch alle Netzverknüpfungen möglich. «Mit dieser Lösung haben wir wie beim Brettspiel ‹Figgi und Mühli›.» Des Weiteren sei die Variante sinnvoll mit Blick auf eine Erweiterung des Tramnetzes in den Wyler oder aber in die Länggasse.
Grosser Rat bereitet Egger Sorgen
Die neue Tramachse hat allerdings ihren Preis: Die ZMB geht von Kosten von 110 Millionen Franken aus. Regierungsrätin Egger hofft, dass der Bund 35 bis 40 Prozent des Gesamtbetrags übernehmen wird. Damit die zweite Tramachse in den Genuss von Bundesgeldern kommt, will die Behördendelegation das Projekt dem Bund noch in diesem Jahr im Rahmen des Agglomerationsprogramms zur Mitfinanzierung einreichen. Es werde zwar nicht einfach sein, das Bundesparlament zu überzeugen.
Dennoch ist Egger zuversichtlich: «Mit Regula Rytz und Stadtpräsident Alexander Tschäppät sitzen zwei Personen im Nationalrat, die sich für das Anliegen einsetzen werden.» Mehr Sorgen bereitet ihr hingegen der Grosse Rat, der 2017 im Rahmen des übernächsten Investitionskredits über die nötigen Mittel für die zweite Tramachse befinden wird: «Hier wird es noch viel Überzeugungsarbeit brauchen.»
«Verbindliche Zusicherung»
Deutliche Worte fand auch der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP): Für Bern sei die zweite Tramachse von grundlegender Bedeutung. Bis 2014 brauche es dafür eine «verbindliche Zusicherung», ansonsten sei das Ja der Stadtberner Stimmberechtigten zum Tram Region Bern ernsthaft gefährdet, betonte er. Und könne der öffentliche Verkehr in der Region Bern nicht ausgebaut werden, schade dies der lokalen Wirtschaft, so der Stadtpräsident. Daher sei es wichtig, dass auch «Grossräte aus Saanen und aus dem Oberaargau» vom Projekt überzeugt werden können.
Tschäppät könnte aber gut damit leben, wenn die zweite Tramachse erst nach dem 10er-Tram gebaut würde. Der Baubeginn für die zweite Achse ist für 2019 vorgesehen – fünf Jahre nach dem 10er-Tram. In der Zwischenzeit sollen die Hauptgassen provisorisch entlastet werden. Zum Beispiel indem der 12er-Bus temporär nicht durch die Hauptgassen fahren würde.
Obwohl der Spatenstich zur zweiten Tramachse frühestens 2019 erfolgen wird, werden die Vorarbeiten nun rasch vorangetrieben. Bereits Ende Jahr soll das überarbeitete regionale Tramkonzept der Regionalkonferenz Bern-Mittelland vorliegen. Offene Fragen sollen bis Ende 2013 geklärt sein. Ab 2014 soll dann das Vorprojekt in Angriff genommen werden. (bs/sda)
Erstellt: 01.05.2012, 10:12 Uhr
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14 Kommentare
Vielleicht wäre es mal nötig, etwas weiter zu denken. 3 von 4 Tramlinien fahren praktisch dieselbe Strecke, Brunnadernstr. bis KV. Wieso muss man mit jeder Linie zwingend zum Bahnhof fahren können? Und: Eine unterirdische Streckenführung und eine echte Fussgängerzone in den Hauptgassen würde die Stadt immens aufwerten. Wieso die Geschäfte dies nicht begreifen bleibt mir ein Rätsel. Antworten
Die Trasse Effingerstrasse, Bundesgasse, Kochergasse wäre aus technischer Sicht viel einfacher und effizienter zu gestalten (breitere Gassen, grössere Kurvenradien, bestehendes Gleis zwischen Christofelgasse und Bubenbergplatz usw.). Das Bundeshaus wird wohl kaum durch einen Tramverkehr gestört. Antworten
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